amputation by knight

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Wilhelmine erzählt von wissenschaftlichen Versuchen bei denen weiblichen Mäusen Dessous angezogen und diese dann Mäuserichen vorgestellt wurden, welche anschließend ihr Initiationserlebnis mit den verkleideten Damen hatten und fortan stark auf Reizwäsche ansprachen, während ihre herkömmlich geprägten Kollegen keinen derartigen Stimulus benötigten.
Wie im richtigen Leben, bemerken wir beide und jede von uns trägt ein, zwei anonymisierte Beispiele aus ihrem Erfahrungsschatz zu der Unterhaltung bei.
Über die Floskel Jedem Tierchen sein Pläsierchen landen wir schnell bei Fetisch im Allgemeinen wie im Besonderen und ich erzähle ihr, dass manche Menschen davon erregt werden, wenn der potenzielle Geschlechtspartner amputiert ist.
Es gibt sogar solche, die sich danach sehnen selbst eine Behinderung zu haben, deren Körperideal zwingend nach einer fehlenden Extremität verlangt und die arg darunter leiden, dass kein Arzt sich findet ihnen die gesunden Glieder abzunehmen. Man nennt diese Menschen Wannabes oder Pretender. Ich selbst kannte mal eine Frau, die sich, obwohl nichtbeeinträchtigt, einen Rollstuhl zulegte, ihren PKW umrüsten ließ , eine barrierefreie Wohnung suchte und fortan ein Leben als Behinderte lebte. Sogar an sportlichen Wettbewerben für Behinderte nahm sie teil. Nur wenn der Aufzug mal nicht funktionierte, nahm sie die Treppe, ihren Rollstuhl unter dem Arm.

Vielleicht, so überlege ich, war auch Monty Python´s schwarzer Ritter ein Wannabe der die Auseinandersetzung mit seinem Gegner nutzte, um sich auf diese Weise seinen größten Wunsch, den Verlust sämtlicher Extremitäten, zu erfüllen und der den Streit mit dem Ritter überhaupt nur angezettelt hatte, um diesen damit zum Vollstrecker zu machen. Amputation by knight, sozusagen. Das wäre gut möglich, stimmt Wilhelmine mir zu, und es würde auch erklären, weshalb der schwarze Ritter seinen Kontrahenten ständig weiter provozierte und herausforderte, anstatt zu kämpfen und dessen Angriffe abzuwehren oder irgendwann, spätestens nach dem Verlust beider Arme, aufzugeben.

Nachdem wir das Thema von allen Seiten beleuchtet und erschöpfend besprochen haben, mäandert unsere Phantasie noch in die eine oder andere abwegige Richtung, bis wir endlich unsere Arbeit wieder aufnehmen und in Gedanken versunken weiter roboten.
Ich weiß jetzt schon, dass dieses Gespräch mich bis in meine Träume verfolgen wird.

 

 

 

Bild: B Hi fives flickr
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/

16 Kommentare zu “amputation by knight

    • Mir war´peinlich, als wir ein Mal zusammen einen Termin hatten, bei dem wir bevorzugt drankamen, weil sie behindert ist/war/ tat. Als wir nach einer Weile aus dem Büro kamen, konnnten die seit Stunden im Flur Wartenden zuschauen, wie sie geschmeidig ihren Rollstuhl zusammenfaltete, ihn unter den Arm klemmte und die Treppe runterging, weil der Fahrstuhl nicht funktionierte. Eine Frau hat sehr geschimpft.

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  1. Das Titanic-Buchmessenfest fand mal in einer dubiosen Baracke im Frankfurter Hafen statt. Die Lokalität wurde für Kunstausstellungen benutzt. Gleichzeitig mit dem Buchmessenfest fand die Vernissage einer Ausstellung statt. Ringsum an den Wänden hingen Fotografien von schönen, auf verschiedene Weisen geschundenen japanischen Frauen, und eine streckte zwei amputierte Armstümpfe seitwärts weg. Ich fand das ziemlich abstoßend. Der bald eintreffende Zeichner Chlodwig Poth fand die Bilder ebenfalls „fürchterlich, fürchterlich!“ Zu diesen Bildern hatte es einen jungen Mann gezogen, der gebeugt daher kam und eine Einkaufstasche aus Stoff mit sich trug. Er betrug sich höchst seltsam, betrachtete intensiv die Bilder und saß hernach versunken am Thekenrund, den Kopf in die Hände gestützt. Ich dachte, den Kopf wollte ich ja lieber nicht haben.
    Auch nicht den des Künstlers. Aber manche haben sowas.

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    • Ich finde Amputationen nicht abstoßend, kann mir aber trotzdem nur schwer vorstellen davon sexuell erregt zu werden. Es erscheint mir, als würde man sich an den Zeichen vergangenen Leids ergötzen. Andererseits braucht Fetisch auch keine Erklärung, so wenig wie Geschmack.

      Bei den sogen. Wannabes liegt eine psychische Störung vor, über die ich mich nicht lustig machen will. Allerdings finde ich die Angelegenheit ähnlich schwierig wie den Fall Rachel Dolezal.

      https://de.wikipedia.org/wiki/Rachel_Dolezal

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      • Ungenau ausgedrückt, ich fand nicht die Amputationen abstoßend, sondern die Fotografie zum Zwecke der schockierenden Zuschaustellung. Im Kontext mit den anderen Fotos war klar, dass hier keine medizinische Dokumentation gemeint war, sondern die Ergötzung an Verstümmelung und Leid.

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      • was verstehst du nicht? Amputationen beschränken sich ja nicht auf Gliedmaßen.Auch seelische geistige und künstlerische Fähigkeiten können amputiert werden. Und das sind sie auch bei den meisten Menschen, entweder durch Fremdeinwirkung (Erziehung, psychiatrische Drogen) oder durch selbst zugefügte Beeinträchtigungen.

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        • Ich dachte mir schon, dass Du den Amputationsbegriff auch auf seelische und geistige Verstümmelungen erweiterst. Was ich nicht verstehe ist der Satz: „wir mögen nicht ohne unsere Amputationen leben“.
          Ich glaub schon, dass wir das mögen und uns danach sehnen heil zu sein, unversehrt.

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          • Ich freu mich sehr, dass du das so siehst, liebe tiker. Du gehörst also nicht zu den Selbstverstümmelern deiner Geschichte noch zu jenen, die ihnen zugefügte Verstümmelungen pflegen und hegen, und der Sicht der Vorbeigehenden entgegenstrecken. Hab einen schönen Tag mit viel Freude!

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            • So wie Du das schreibst klingt es ziemlich ironisch und übrigens reichlich brutal und lieblos den „Selbstverstümmelern“ gegenüber. Und: nein, ich leide nicht unter dieser seltenen psychischen Erkrankung.

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              • Brutal, liebe Tiker? Hast du deine Unterhaltung über die Unglücklichen, die sich selbst verstümmeln möchten – du brachtest dafür sogar einen einschlägigen Fachausdruck – , nicht eingeleitet mit dem Satz: „jedem Tierchen sein Pläsierchen“? Wozu hast du das geschrieben? Meinst du, es ist ein Spaß, ein Pläsierchen? Und es gäbe den LeserInnen einen Kick sich vorzustelllen, „was es alles gibt“ und dass sie selbst so herrlich normal sind?

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