klimper klimper- oink oink

Fahl lächelt der Tag und aus den Schloten steigen dünne Rauchfähnchen; die dunkle Stimme der Welt am offenen Fenster. Ein Sonntag grau wie ein Donnerstag.
Ich könnte hinaustreten und

… endlich hör doch uff mit die Scheiße oder Fresse! brüllen und nen fulminaten Text schreiben, hinne rotzen, druffschmiern wie Kochkäse uffn großporijes Brot, wiema sich dit vorstellt in Balin.

Klischees woma hinschaut: am Lausi hängen massenweise Schuhpaare im Baum vorm Späti namens Quickie wo der Mann mit dem Sham 69 Shirt ein und aus geht, der aussieht wie der taxifahrende Junkie aus Würzburg, dem ich mal ne Wohnung besorgt hab womit ich mich später sehr unbeliebt gemacht habe beim Vermieter. Zum Glück war ich nicht Bürgin.
Hinterm Späti hat ne Butze eröffnet, auf der Markise steht fett ist geil (jeil. Alta, dit heeßt jeil) und auf der Tafel vor dem Laden mit Kreide dit supa orjinelle Klopsgefresse mit dem Geklopfe und dem kiekenden Icke vor der Türe. Ich kotze.

En realidad kotzt solamente la Tigressa, im hohen Bogen, der Tierarztcomputer sagt wir waren schon Monate nicht mehr da, Glückwunsch. Liegt vor allem daran, dass Sie sich so gut kümmern um´s Tier, Frau tiker. Da kenn ich andere, die gehen lieber essen, statt die Katz usw.

Auf dem Heimweg ein Tusch vor der Feuerwache  – tätä – mein Retter!

Im kalten Luftzug unter der Hochbahn kann ich spüren wie wachsgelb und blass meine Haut ist heute an Mariä Lichtmess, doch wenigstens glimmt schwach die Hoffnung auf hellere Tage.

Fast 40 Euro kosteten die zwei Spritzen. Davon könnte ich nen halben Monat essen, denke ich, inspiriert vom Tierarzttalk. Jetzt isst immerhin sie wieder, die Tigerkatz, 3 magere Mäuse mengenmäßig, und alles bleibt drin. Wie mich das freut.

Am Abend kommt der Unterfranke mit Rüpel vorbei. Wir wollen kochen. Das erste Mal in 14 Jahren, doch weil wir uns auf kein Gericht einigen können, erhitzen wir Frosta-Fraß und zanken uns, während unsere Zungen verbrennen und ertauben, weil er sein nasses Fahrrad in die Wohnung gebracht und dabei den frisch geputzten Boden besudelt und besandet hat (das macht doch Kratzer auf´m Parkett!) und weil wir immer streiten, um uns unserer gegenseitigen Wertschätzung und der Bedeutung füreinander zu versichern.

Am Ende vertragen wir uns aber wieder, keine Selbstverständlichkeit, letzte Woche ging´s ganz anders aus, weil ich dem Pferdemädchen meine Plattensammlung geschenkt habe und nicht ihm, das muss heute besser laufen und drum schicke ich ihn unter einem Vorwand nach Hause (ich will jetzt duschen, dabei war ich grad geduscht mit nassen Haaren, als er kam) ehe sein Hund mich noch provoziert und ich meckern muss oder bevor er sich ärgert weil ich für Tempolimit bin während sein letzter Wahlomat herausgefunden hat, in dem Punkt sei er ganz und gar FDP.

Aufhören wenn´s am Schönsten ist.

Für diese und für jede weitere Binse und jeden Kalauer, die und der mir auf den unterschiedlichen Kanälen entfährt, werfe ich jeweils ein paar Münzen ins Phrasenschwein, um es irgendwann im Sommer zu schlachten und neues Tierfutter und Medizin davon zu kaufen.
Ein ewiger und nicht besonders interessanter Kreislauf. Weder für mich, noch für die Mitlesenden, die bis hierher vielleicht noch gehofft hatten, dass es noch irgendwie fulminant und kochkäsig oder geil (jeil!) fett wird, aber nein, nüschte, nur ehrlose Ankündigungen ohne Konsequenzen und Pointe. Öde ist sie diese Zeit, langweilig auf eine ekelhaft schmierige und vertraute Weise, wie die Pisslachen in den Telefonzellen, als es noch welche gab, man kannte sie, man hasste sie und jetzt sind sie verschwunden und das Handy wird unter´s Kinn gehalten beim lauthals auf der Straße und im Supermarkt Labern, mit niedlicher Stimme und engen Hosen und Gelnägeln und anderem Frauenzubehör und das ist dann auch wieder nicht recht, denn das Leben im Winter in der Großstadt wäre nich mal dann toll wenn man alles hätte und besäße, und anders sowieso nicht. Versuchen das Beste draus zu machen ist das Beste was man draus machen kann (klimper, klimper- oink oink) und sobald der letzte Becher Tee leergetrunken ist, gehe ich über Los ins kuschlige Bettchen mit la Tigressa in my yellow arms and my thoughts full of fulminance (klimper klimper-oink oink).

Schlaft wohl, liebe Lesileins!

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15 Kommentare zu “klimper klimper- oink oink

  1. Der Begriff „Kochkäse“ katapultiert mich fast mein ganzes Leben zurück in die Grundschulzeit. Da habe ich zuletzt Kochkäse gegessen, mit Kümmelkörnern drin. Den gab`s lose bei Käse Buss in der Lübecker Holstenstraße… Gefühlte tausend Jahre her.

    Alles Gute für die Katz! Und für dich.

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