Beben

Als ich aus dem Schlafzimmer in den Flur trete, finde ich die
Badezimmertür halb geschlossen. Vom Zwischenboden schimmert warmes Licht herab.
Schnell ist die nächtliche Lärmquelle gefunden. Auf einem großen Haufen liegen diverse  Bildbände am Boden. Kreuzberg obenauf.

Später im Bett lausche ich dem Rauschen der Rohre und hangele mich mit leichten Gedanken zurück in den Schlaf.

Ich weiß nicht mehr was ich geträumt habe, doch als ich erwache ist es weiss hinter meinen Lidern. Ich  bleibe liegen und döse mich unserem Abschied entgegen.

 

 

Ein einziges Mal nur beherzt den Zirkel ansetzen, das silberne Tanzbein gestreckt, und sich Pirouette um Pirouette in die Weite tanzen.

In entspannter Bereitschaft warte ich, einem Regenschirm gleich.

 

 

 

 

Arolsen (en famille)

Schloss Arolsen

Das neue Jahr steckt sein ausgeschlafenes Gesichtchen ins Abteil und schaut in die Runde.
Ohne aufzublicken nicken die Reisenden und lassen sich zurück in den Schlaf schaukeln.

Das vergangene Jahr ist bereits, von seinen Vorgängern am Bahnsteig erwartet, in Arolsen ausgestiegen. Gemeinsam kriechen die (nunmehr vollständig versammelten) Teenager auf dem Friedhof an das Grab Rudolf Klapps heran, wo ganzjährig die Schlüsselblumen blühen und welches täglich vom alten Studienrat Pfeifer besucht wird.

Sogar der gelbe Golf steht noch vor dem Haus und durch den alten Garten fließt immer noch das Bächlein, gesäumt von Dahlien in allen Größen und Farben. Die Bewohner sitzen in der Küche und zeichnen Stammbäume.

Aus der Seniorenresidenz klingt glockenhell eine Stimme. Es ist das Gundel, mit ihrem langen geflochtenen Haar.

Darum bist du so schön!“ ruft sie, als ich mich auf ihre Bettkante setze und ihr von meiner Arbeit erzähle. Ihre faltigen Hände greifen nach meinen goldenen Ohrringen.

Schlaf, Arolsen, schlaf

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild: Schloss Arolsen, Thomas Huth, flickr
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/