– versicht

Eine kluge Stimme hat mir das Bild des in die Wüste geschickten Sündenbocks geschenkt. Das hilft.

Ich möchte die geneigte Leserinnenschaft nicht langweilen mit Katastrophen menschlicher und büroratischer Natur. Meine Altvorderen waren Nazis, einige Männer in meiner Familie sind es wieder oder noch. Soweit wäre immerhin das geklärt, und wenn ich Nazi schreibe meine ich Nazi. Selber würden sie das wahrscheinlich anders nennen. Aber man darf ja nirgends mehr seine Meinung sagen in diesem mainstreamdiktierten, intoleranten System und wieso sollte man nicht stolz auf sein deutsches Vaterland sein.

Was noch?

Dem lieben Tölchen geht es erstaunlich gut. Die genauen Befunde kommen Ende nächster Woche. Ich bin guter Dinge.
Auch die Tigerin ist stabil und verschmust.

Morgen soll nun endlich die lange ersehnte und hart erstrittene Heizung eingebaut werden. Das wird laut, dreckig, ungemütlich und kalt, doch sobald die Handwerker gegangen sind und der gröbste Schmutz beseitigt ist, drehe ich alle Rohre auf und spiele drei Tage lang  finnische Sauna.
Finnisch deshalb, weil ich heute von einer solchen Sauna, die über den Müggelsee tuckert und den Fahrgästen einheizt, während diese sich durch die Panoramafenster die winterliche Tristesse ringsum reinziehen, hörte.
Berichtet darüber hat der Berliner Radiosender Flux Fm, der inzwischen ähnlich öde klingt wie Antenne Brandenburg, sich aber immerhin sehr hauptstädtisch cool dabei fühlt (fühlende Sender).

Da mein Bad fensterlos ist und ich klaustrophobisch bin, muss ich während meiner Körperpflegesessions leider durchgehend Radio hören, statt mich dem Rauschen der Rohre hinzugeben. Die Stimmen, die aus dem gelben Kasten zu mir sprechen (gelb ist meine Lieblinsgfarbe, ist mein Boden, war mein gepunkteter Zahnputzbecher, ist die Sonne, sind die Quitten, ist der Mohn) vermitteln mir das beruhigende Gefühl, dass weder Atomkrieg noch sudden outbursts of pain Lava im Begriff sind die Welt wie wir sie kennen zu vernichten, und dass bereits geplündert und gebrandschatzt wird, während ich mich noch in Form bringe, um später gepflegt zu Rossmann gehen zu können

An manchen Tagen stelle ich sogar Deutschlandfunk an und fühle mich beim Betrachten meines Gesichtes im Spiegel wie Jemand, der spielt erwachsen zu sein.

 

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Eine Mail informiert mich darüber, dass anderswo in der Welt ein Rohr geplatzt ist, was die Residents der Reichenverwahrsilos dazu zwingt, sich selbst mit eimerweise Wasser aus den Pools zu versorgen, bis Rettung naht.
Die Qualität des Wassers stelle ich mir ähnlich appetitlich vor, wie die von Erdnüssen auf Bartresen und so überkommt mich ein sehr spezielles Mitgefühl mit den Opfern dieser schlimmen Havarie.

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Weiterhin frei ist übrigens meine kortisonbesprayte Nase. Deutlich kann ich den Qualm des Nachbarn riechen, der aus dem Treppenhaus durch meine Türritzen dringt und sich mit dem Duft des frisch gemahlenen Geburtstagskaffees zu einer lange nicht mehr gerochenen End-of-century-Melange verbindet. In angenehme Gedanken versunken schaue ich über meinen Tassenrand hinweg in den großen Garten, wo aufgebrachte Spatzenhorden bereits den nahenden Sonnenuntergang herbeizetern, derweil im Kindergarten nebenan noch immer gelacht und geweint und gespielt wird.

 

(Zuversicht heisst die Droge. Wirkt ähnlich wie Lachgas und hat  eine ebenso kurze Halbwertzeit).

11 Kommentare zu “– versicht

  1. „An manchen Tagen stelle ich sogar Deutschlandfunk an und fühle mich beim Betrachten meines Gesichtes im Spiegel wie Jemand, der spielt erwachsen zu sein.“

    Das ist mal wieder so ein Satz für die Nachwelt, einfach großartig…

    Möge die Zuversicht nicht ausgehen!

    Gefällt 3 Personen

  2. Ich finde alle, die sich über Flüchtlinge etc aufregen gehören in die Gaskammer.
    Wird man ja wohl noch sagen dürfen!

    So, oder ähnlich, reagiere ich nur noch bei diesen Menschen.
    Zumeist amüsant

    Gefällt mir

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