fate

Andere Menschen starten ein Auto. Ich rufe den ADAC, der sich keinen Rat weiß. Als der Nachbar helfen möchte, verschmort sein Überbrückungskabel und mein Auto tut weiterhin keinen Mucks. Am Ende ist der Transponder des Schlüssels die Ursache allen Übels, ein neuer muss her und dieser dann in der Fachwerkstatt „eingelernt“ werden. Hab ja sonst nix zu tun.

 

Anderntags quäle ich mich bei sengender Hitze über den flirrenden Asphalt zum Höllenbaumarkt, einen neuen  Klappwäschekorb zu kaufen.
Zuhause schäle ich das Teil aus seiner Folie. Es ist am Boden gebrochen.

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Meine Nahrung besteht weiterhin aus Nüssen und Bohnen mit Hihikichererbsen.

Cashewkerne, so lese ich, sorgen dafür, dass die sie erntenden (Kinder)Hände durch die Säure der Nusshaut verätzt werden, ihr Profil verlieren und die Menschen geschäftsunfähig werden bzw. bleiben, weil in den Ländern, in denen der Cashewbaum wächst, jeder Handel mit Fingerabdruck besiegelt wird.

 

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Manchmal, immer häufiger, besuche ich die ungekannte und blindlings betrauerte Emma auf dem Friedhof der Halbinsel und lege Blumen auf ihr Grab. Silbrig glitzernd zieht die Spree an uns vorbei. Sinnbilder wohin das Auge blickt. Ach.

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In meiner Tasche klebt´n Bonbon.

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Die Straßen sind leer, überall freie Parkplätze, ich warte darauf, dass die Zapfsäulen wieder D-Mark-Preise anzeigen und später in den Herbstpfützen bunte Öllachen schillern.

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Um mich herum werden alle nochmal schwanger. Apfelbäumchen pflanzen.
Ich hingegen bin im Begriff meinen fruchtlosen Körper und den meines Hundes in die Alpen zu kutschieren, wo ich einen Monat zu ruhen gedenke. Keine Menschen, keine Worte. Berge, See, Schweigen.

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Vor meinem Fenster summen unbeirrt die Bienen.

In den USA bereiten sogenannte Prepper sich auf den Weltuntergang vor
und in meinem innenliegenden Bad hat eine einzelne grüne Heuschrecke ihre letzte Bleibe bezogen.

 

 

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Oft denke ich an meine Grundschullehrerin mit den schnurglatten hellroten Haaren. Im Religionsunterricht las sie uns einmal eine Geschichte von einer sich stetig nähernden Sonne und dem kollektiven Hitzetod vor, der alle Menschen zu Brüdern und Schwestern werden ließ.

 

 

 

 

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6 Kommentare zu “fate

  1. Verätzte Finger nicht bei der Ernte, sondern bei der Cashew-Verarbeitung und nur dann, wenn die Nuss nicht in ihrer Schale geröstet, sondern woanders weiterverarbeitet wurden. Hitze neutralisiert das Kardol. Wenn Sie Fairtrade-Cashews kaufen, sind nicht nur Arbeitsbedingungen/Bezahlung in Ordnung, sondern die Nüsse fast immer bio und sie schmecken sehr viel besser als der Supermarktramsch. Cashewbäume sind wunderschön, sie wirken Erosion und Wüstenbildung entgegen und die Nüsse sind eine vergleichsweise rentable Cash Crop (weiß ich, seit mein Bruder mosambikanische Bauern beraten hat).

    Ihnen und dem Tölchen wünsche ich die allerherrlichste alpine Sommerfrische! Falls Sie Lust auf einen Ausflug mit Bootfahren und großartiger Kunst haben: Königsklasse!

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