In Spiegeln

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Zu Beginn der blauen Stunde pilgern wir für einen letzten Nachdreh auf die nahe gelegene Brücke. Unter uns fließt träge der schwarze Fluss, im Osten werfen die Wohn- und Versicherungstürme das goldene Licht der untergehenden Sonne zurück. In der Ferne leuchtet ziegelrot die Warschauer Brücke, darauf schiebt eine gelbe U-Bahnschlange sich in Richtung Süden, darunter ein orange-weißer Blitz mit  flackerndem Blaulicht. Ein Mensch ist in Not. Ich atme Farben.

Schöne Bilder hat sie gedreht, die Filmfrau. Schmerzjubelnde Abendstimmung und ich flaniere mit dem müden Hund auf dem Arm über die Brücke, ringsum Wasser und Klang und Lichter und das sich ausbreitende Himmelsschwarz, Lachen, Scherben, Musik, mein Berlin.

Zwischen Aufbruch, Euphorie und Melancholie schwankt meine Stimmung. Jeder Tag ist ein Abschied, jeder Atemzug eine Geburt. Altbekannte Trauer über die Vergeb-und die Vergänglichkeit. Ra-fri- und Haareschneiden, wie der Kanzler witzeln würde.

Vibrierendes Sommerglück als zweite Melodie.

Der Teilzeitgefährte, El Capitan, ist wieder in der Stadt. Die Wand bleibt steil und abweisend. Unser Beisammensein ähnelt einem bizarren Nordic-Walking-Parcours bei Nacht, quer über einen Soldatenfriedhof. Jeder stolziert in eine andere Richtung.

 

12 Kommentare zu “In Spiegeln

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