Limbo

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Das Gute zuerst: die Vorhölle ist abgeschafft.

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Heute jährt sich der Tod meiner Mutter zum zweiten Mal.

Am Abend ihres Ablebens (ich sehe den sich schließenden Vorhang) saß ich vor einer Kirche in Friedenau, blickte auf das Kopfsteinpflaster im Glast der Abendsonne und war erfüllt von einer schmerzlichen Sehnsucht nach meiner lieben, lieben Großmutter, die starb, kurz nachdem ich mein Kind verloren hatte.
Es war Muttertag.

Zuhause angekommen, hörte ich das Brahms-Requiem und fühlte mich, als hätte soeben jemand das Seil, das mich mit der Welt verband, durchtrennt.

 

Wenige Stunden später rief mein Bruder an und sagte: Es ist etwas Trauriges passiert.

Krume, Acker usw./ Lesen, liken, mitmachen!

Nachdem der werte Herr Ackerbau sein Blog eingestellt hat, obliegt es uns, seiner Folger*innenschaft (hihi), die Fahne hochzuhalten und die kleinen und großen Dinge am Wegesrand zu finden.

Ich fange mal an damit und lade alle Ackerbau-Fan*innen ein, mitzumachen.
Das Abwegigste, Schmutzigste, Ulkigste, Vermülltestetete und Rätselhafteste ist gerade gut genug für diese neue Blogrubrik

 

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Vorgestern in Mitte: er schrie nach Wasser, doch sie gaben ihm Benzin.

 

Was man so sagt

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das wäre doch gelacht

darüber kann meine Leserschaft jetzt mal getrost (!) nachdenken.
Ich geh derweil dahin wo das Joghurt friert.

 

(Berliner*innen erkennen hoffentlich das Sensationelle an diesem Foddo)

A propósito DSGVO

Mich erreichte eine freundliche Mail eines kundigen Menschen, der die DSGVO in dem Betrieb, für den er als Anwalt arbeitet, umsetzen muss.

Es ist alles halb so wild, schreibt er. In meinem Blog, für das ich bezahle (35,88 € jährlich) und auf dem daher keine Werbung geschaltet wird, vielleicht noch etwas weniger als auf anderen, grundsätzlich aber haben wir Bloger*innen nichts zu befürchten.

 

Der freundliche Anwalt schreibt, und das gilt für alle Blogger*innen, auch für die bei denen z.B. WordPress Werbung einspielt:

 

“ Bei privaten Blogs, die keine Werbung machen oder schalten und die auch nichts verkaufen, besteht zunächst faktisch kein Risiko, wegen DSGVO-Verstößen bestraft zu werden. Die DSGVO gilt nicht für rein persönliche Onlineaktivitäten ohne beruflichen oder wirtschaftlichen Bezug. Abgesehen davon haben die Datenschutzbehörden die nächste Zeit anderes zu tun, als Bußgelder gegen Blogs zu verhängen. Wenn keine kommerzielle Tätigkeit besteht, kann man auch nicht Gegenstand von Abmahnungen werden.

Auch Blogs mit kleineren werblichen Aktivitäten sollten erstmal sicher sein (regelmäßig könnten diese schon jetzt wegen verschiedener Versäumnisse abgemahnt werden, das passiert aber praktisch nicht). Hier sollte man aber genau beobachten, ob es nach dem 25.5. erste Fälle gibt.

Bei den meisten Blogs werden über Kommentarfunktionen und Plugins Daten auf eine Art erhoben und verwendet, die wahrscheinlich nicht datenschutzkonform ist. Deswegen sollte man sich von allen nicht benötigten Plugins trennen und sich in Bezug auf die weiter verwendeten Funktionen kundig machen, welche Mustererklärungen bzw. Verhaltenshinweise es von den Blogplattformen etc. gibt. Bis Ende des Jahres sollte man in der Lage sein, alles dann auch DSGVO-konform anzubieten und abzuwickeln. Für kurzfristigen Aktionismus besteht aber kein Anlass.“

 

Ich habe die Erlaubnis, das hier so zu veröffentlichen.
Meine größten Sorgen sind damit ausgeräumt.

Herzlichen Dank an den Herrn Rechtsanwalt!

Hab ich schon mal erzählt von der Frau, die Absagen schrieb?

Diese Frau setzte sich an den Küchentisch, durchstöberte die Zeitungen und Magazine nach Stellenangeboten und verfasste schließlich ein jeweils passendes Anschreiben, das folgendermaßen aufgebaut war: zunächst legte sie ihr großes Interesse und ihre Qualifikation resp. Eignung für den Job dar, dann berichtete sie von ihrem inneren Ringen, dem Kampf, den sie seit Tagen mit sich selbst austrug, um schließlich und endlich von dem Ergebnis zugunsten ihres derzeitigen Kräftehaushaltes zu berichten:

„… bin ich nach langem Ringen und zu meinem eigenen großen Bedauern zu dem Schluss gekommen, dass ich den Job in meiner derzeitigen Lebenssituation nur übernehmen könnte, wenn ich konsequent über jede meiner Grenze hinwegginge.

… wünsche Ihnen viel Erfolg bei der weiteren Suche nach der passenden Mitarbeiterin.“

Ich mag solche schrägen Vögel, auch wenn sie mich immer ein wenig traurig stimmen.

Die Ewigkeit sieht aus wie Wrist

Keine Gefahr bei Wrasenbildung, steht auf dem grauen Kasten am Straßenrand.

Ein r nach einem W ist doch was Ungewöhnliches, denke ich. Im Deutschen fällt mir ansonsten nur noch wringen ein, und mit diesem Wort verbinde ich leider eine Geschichte, die der Argentinier mir mal erzählte und die ich hier beim besten Willen nicht wiedergeben kann.

Überhaupt will man diese Dinge alle nicht wissen. Zum einen, weil sie widerlich sind und zum anderen, weil sie das Bild, das man sich bis dahin von dem Sprechenden gemacht hat auf unangenehme Weise verändern, wenn nicht zerstören. So ging es mir einmal mit einem Mann, den ich gut kannte, und der meinte mir in einer weichen und zutraulichen Stunde erzählen zu müssen, wie er einmal ein Frau die Treppe herunter getreten hatte, nachdem sie sich geweigert hatte bestimmte Sexualpraktiken an sich vornehmen zu lassen. Ich war betrunken, jammerte der Mann ergriffen von sich selbst und von seiner Offenheit und dem Mut Schwäche bzw. Unzulänglichkeit zu zeigen und überhaupt. Wie schlimm das sei, was er da getan habe, greinte er, er schäme sich so.
Nichts an diesem Geständnis hat die Welt besser gemacht, und um sich reinzuwaschen hat er auch mich noch mit dieser Sache belastet und besudelt und nun werde ich dieses Bild nicht mehr los. Genützt hat dieser Worterguss allein dem Mann.

Wrasen, denke ich immer noch, als ich über die Wrangelstraße zurück nach Hause gehe, man müsste mal den Etymologen fragen, wo dieses Wort herkommt. Und wenn er dann antwortet, so stelle ich mir vor, könnte man schön auf seinen Kehlkopf starren, wie er hoch und runter fährt, derweil der Etymologe erklärt und mit Gesten, vielleicht sogar mit ausholenden Armbewegungen darzustellen versucht, dass dieses Wort sehr weit gereist ist, bis es auf unseren städtischen Lüftungsschränken ankam.
Ich persönlich würde bei der Herkunft auf Polen tippen, wo die Wörter gern holperig und so konsonantenstark anfangen (Wrzeszcz) und später ganz wunderbar weich ausklingen.

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Zwischen Hamburg und Kiel gibt es ein winziges Örtchen namens Wrist. Der Germanist Herr Prof. Dr. Heinrich Detering hat diesem Zwischenreich aus Himmeln und aus Mooren sogar ein kleines Gedichtbändchen mit dem Titel „Wrist“ gewidmet.

Wohlleben

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Danke, hab schon, antworte ich an die noreply-Adresse.
Gier ist die Zunge, die nach mehr verlangt und doch und doch und doch niemals befriedigt werden wird (Futur II).

Die Frage lautet: heute schon zurück gelehnt?

Frühling (ein Wort, das mir nicht mehr so leicht von den Lippen geht, seit Flüchtling als Bezeichnung ausgedient hat). Der Frühling ist teurer als der Winter.
Reserven belasten nur, denke ich, das wusste schon Hans. Mit einer Gans zufrieden nach Hause zurück zu kehren wäre wunderbar.

Sollten mal keine Katzen mehr bei mir leben und kein Hund sich nachts schnaubend sein Nest zurecht trampeln, dann mögen es Papageien sein mit denen ich die Tonleitern hoch und runter pfeifen kann.

Und noch etwas: ich mache erstmal zu hier. Es ist nicht mehr was es war und die neue Datenschutzverordnung riecht nach Ärger. Davon hatte ich genug im letzten Jahr.
Lebt wohl!

 

 

 

 

 

 

Bild: diada, flickr
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