q – t

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Die Luft ist nicht gerade raus, aber viel ist nicht mehr drin. Ein Niemandsbalg, halb schlaff, halb gebläht. Der unspielbare Ball auf wintergrauem Rasen. Darunter stirbt oder erwacht etwas, was mehr oder weniger dasselbe zu sein scheint. Leben.

Verhalten bin ich, müde, maulfaul, mit nur gelegenlich auffrischendem Wind, ein altes, kaum nachempfindbares Mitteilungsbedürfnis an die Welt. Warten auf die Flut.

Meine Tage bestehen aus Sortieren und Schlafen, ersteres weil äußere Zwänge und letzteres weil ersteres letzteres unweigerlich nach sich zieht. Mit der Sonne, so hoffe ich, wird auch die alte Energie zurückkehren und die Zuversicht, mein sprudelndes Gemüt und meine ins Hyterische überdrehende Exzentrik.

römmpömmpömmpömm.

Bin ich irgendwann genesen von Schwermut und Introversion, so denke ich, werde ich ein Diadem aus Nudeln mit Hackfleisch flechten und es auf meine inzwischen wieder viel zu langen Lockenhaare setzen, dazu werde ich eine Bauchtasche mit Fotoaufdruck behaarte Wampe tragen. Bis dahin aber muss ich ernst und für mich bleiben.

(gute Typen bleiben für sich.
Nur Fliegen fliegen auf mich)

Das weiß inzwischen auch der gesellige und lebensfrohe Unterfranke, der aber aus Gründen der Freundschaft und langjähriger Verbundenheit trotzdem anruft und um Einlass bittet. Ich jedoch habe in reichsbürgerhafter Verschrobenheit und wegen eines starken Abschottungsbedürfnisses meine Türklingel schon lange mit einem Schalter versehen, der inzwischen dauerhaft auf Aus gestellt ist. Wer in meine privaten Räume vordringen möchte, braucht entweder einen Schlüssel oder meine Handynummer. Doch man freue sich nicht zu früh: auch dieses Gerät ist fast ganzjährig stumm geschaltet und sicherheitshalber mit dem Display nach unten abgelegt.

Ob er Rüpel dabei hat, frage ich mit ungeölter Stimme den Zutritt begehrenden Unterfranken und falls ja, ob Rüpel nass sei. Beides, antwortet der Unterfranke und sofort winke ich ab. Der Gedanke, meine Wohnung nach dem Hundebesuch und der unentrinnbaren Fellschüttelarie putzen, oder wahlweise den Schmutz an Türen und Wänden ertragen zu müssen, macht mich schon im Vorwege sterbensmüde. Frustriert legt der Unterfranke auf und ich mich ins Bett. Kurz vor dem Einschlafen schicke ich ihm eine Entschuldigungs-sms, die er nicht beantwortet.

Auch die anderen Freundschaften ruhen. Weil – man errät es leicht – ich zu müde bin. Zu erschlagen. Zum Reden, zum Lachen, sogar zum Singen und Streiten, zum Spazieren, zum Freundinsein.

Stattdessen sortiere und schlafe ich weiter, in der Hoffnung, Ordnung in meine Existenz zu bringen. Ein sittsames Nebeneinander soll es werden, diess Leben, etwas wo alles seinen festen Platz hat, statt dieser Wundertüte voll zappelnder Gichtkröten.

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild: flickr, unauffälliger Vogel, Nadja Varga
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

16 Kommentare zu “q – t

  1. Wer ist heute noch erreichbar? Ein Telefongespräch oder Läuten an der Türe wird als Angriff auf die „privacy“ empfunden. emails oder andere unsoziale medien tropfen herrein und jeder kann überlegen wann und ob er etwas damit macht.
    Die Sonne ist heute ganz grosse Klasse – aber nachmittags verdunkelt es sich.

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  2. Ich kann von Ihnen lernen!!!! Gehe immer ans Handy und bekoche brav die nun für ein halbes Jahr hereinbrechenden Besucherfluten (“wir wollten euch mal wieder sehen” dass traf uns letztjährig an 75 von 150 Tagen) …. ich muss das üben….. das verneinen.
    Aber Danke für das herrliche Wort „freundinseln“ 😊

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    • Liebe Frau meertau,

      ich glaube ich könnte auch von Ihnen lernen und eine bessere Gastgeberin werden. Aber: my home is my castle und da bin ich gerne für mich bzw. mit ausgewähltesten Menschen. Die Welt da draußen ist Brandung genug.

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  3. Heute war so ein schöner sonniger warmer Tag, alle waren draußen: die rasenden Radler ohne Klingel, die zweireihig auf schmalem Radweg schwätzenden Freizeitradler, die ondulierten Damen in den Coupe-BMWs, die Oldtimer-Ausführer, die Porschefahrer parkten vor dem Apfel-Biohof auf dem Berg, den ich mühsam mit dem Rad erklamm und alle hatten auf ihre Weise Spaß – ich schimpfte die ganze Zeit: Ihr doofen Dödel! und hatte auch meinen Spaß dabei.

    Ich hoffe, auch du hast den Tag genossen!

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