Cowderwelsh, oder wie die Autokorrektur es vermag unser Leben zu beinfusseln

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Mein Mailprogramm schickt, während ich noch im Korrekturmodus bin, halbfertige Mails ab, die es zuvor mit allerlei bizarren Formulierungen ins Un- bzw. Missverständliche verändert hat. Ich weiß nicht wer dahintersteckt. Wahrscheinlich ist es derselbe Programmierer, der sms an Freundin Anja mit Hallo Cola überschreibt und der das Wort Mainbagger für wahrscheinlicher hält als Mannschaft, was auch dann keinen Sinn ergäbe, wenn es sich um eine Frauschaft handelte. Für Landsfrau (Landsmännin, facepalm, Alta!) schägt der Autokorrekturchauvi passgenau oder Landstraße vor und aus Masterarbeit macht der Snob eine Massenarbeit.
Ist eine derart schwer zu dechiffrierende Mail oder sms nun versehentlich rausgegangen, bemerke ich das Malheur entweder gar nicht, weil ich mir wegen der nachlassenden Sehschärfe im Nahbereich die Mühe gespart hatte sie noch einmal zu überprüfen, aus Bequemlichkeit etwaige Fehler billigend in Kauf nahm und auf das Wohlwollen der Empfänger*innen (der Empfangenden?) vertraute, oder ich erwäge, falls es beim nachträglichen Kontrolllesen gar zu irre klingt, eine Mail hinterherzuschicken, in der ich mich erkläre, verkneife mir diese Pedanterie aber, da dies nur wieder zu neuen Missverständnissen führen könnte und ich mir meinen Ruf und meine Freiheit als ich-bin-eben-so_  nicht ruinieren möchte. Es gefällt mir, das Ansehen eines Narren zu haben.

(Echo der erzürnten Mutter: Narrenhände!)

 

 

Mein Tipp des Tages: fragt Dich jemand, ob er dich etwas Persönliches fragen darf, so antworte klar und unmissverständlich mit: Nein.

 

 

Achtzig Jahre, so dachte ich gestern, als ich einen Artikel über zufriedene 92-Jährige las, liegen zwischen hochbegabt und hochbetagt. Ausreichend Zeit, um durch Talentausbau Land zu gewinnen, ausreichend Zeit es wieder schrittweise an den gefräßigen Weltenlauf abzutreten. Gewonnen, zerronnen.

 

 

Das Zwitschern bei twitter habe ich zwischenzeitlich eingestellt, nicht nur, weil es ein übler Zeitvertreib, Zeitverschleiß, Zeitverschling ist, sondern weil schrittweise Scham und Dezenz auf der Strecke bleiben, weil der Anstand erodiert, während er noch hashtagged und schreit. A l´arme! Sollte ich jemals über meine wiederkehrenden Unterleibsbeschwerden twittern, ein Foto meiner Schäfchenwärmflasche einstellen (sie heißt Mimi) und irgendwer das faven, so möge uns beide der Schlag treffen.

 

 

Du redest soviel, sagt der Bekannte und durchbricht sein Schweigen.
Ich habe mein zweistündiges Fasten mit Walnusskuchen von Kiezeklein gebrochen.

So verschieden sind die Menschen.

 

 

 

 

 

Bild: Hand Strick Boutique Monika, Julian Kücklich, flickr
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/

5 Kommentare zu “Cowderwelsh, oder wie die Autokorrektur es vermag unser Leben zu beinfusseln

  1. „Jeder hat das Recht einen Narren aus sich zu machen.“ Ist nicht von mir, sondern von Maude (jetzt hätt ich fast Mause geschrieben) aus Harold and Maude, also aus den 70ern. Ich knabber noch ein wenige an deinem letzten Mutter-Beitrag. Aber das Zitat hatte ich schnell zur Hand, falls jemand auf meinen letzten Beitrag gefragt hätte, ob ich verrückt bin. Hat aber keiner.

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  2. Da fällt mir Angenommen statt Agamemnon ein.

    Mir geht es manchmal so, dass ich Sätze, die ein anderer beginnt, im Geiste vervollständige, bevor sie zu Ende gesprochen sind, aber nur, wenn eine Pause entsteht. Das nimmt manchmal auch ganz andere Wendungen. Manchmal fahre ich auch auf Hörfehler ab, probiere ob es Sinn ergibt und amüsiere mich drüber, wenn es dummes Zeugs ist, was ich glaubte zuerst verstanden zu haben.

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    • Ich werde daran arbeiten und eigens für Dich demnächst eine Monatsedition 30 Tagestipps + Bonustipp hier veröffentlichen.
      Schwarzer Humor fällt mir zum Glück ganz leicht. Heute allerdings bin ich in dem Modus Jedem, der mir zu dumm kommt, meine nichtvorhandene Handtasche in sein Ohrfeigengesicht zu schlagen.

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