Licht scheffeln

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Eine subtile Art der Herabsetzung kann es sein, Komplimente an der falschen Stelle zu machen. Lobe jemanden dort, wo er am Mittelmäßigsten (und sich darüber auch im Klaren) ist er wird sich sehr unwohl fühlen.

Das Gleiche gilt für Verlinkungen. Verlinke einen besonders profanen Text eines ansonsten anspruchsvollen oder zumindest niveauvollen Blogs und lotse auf diese Weise Leser auf die fremde Blogseite. Stelle sicher, dass Dein eigener, aktueller Beitrag elaboriert und klug, sprachlich ausgefeilt und gedanklich raffiniert ist oder zumindest von Witz oder besser noch von Herzensgutheit zeugt. Deine Leserinnen und Leser, die dem Link gefolgt sind, werden sich bei dem Verlinkten umschauen, angesichts der nichtsagenden Mittelmäßigkeit, die sie vorfinden, mit den Schultern zucken oder verständnislos den Kopf schütteln und mit Sicherheit kein zweites Mal zu Besuch kommen.
Eine vortreffliche Art, jemanden vorzuführen, und ihm unter dem Deckmantel der Wertschätzung einen einzuschenken. Ein weiterer Pluspunkt dieser Methode: die ahnungslose Außenwelt hält den Verlinkenden für einen noch großherzigen und besseren  Menschen als zuvor.

Schalten Sie auch beim nächsten Mal wieder zu, wenn es heisst: tikerscherk erklärt die Welt.

 

 

 

 

 

 

(note to myself: nicht nach 22 Uhr den privaten Mailaccount öffnen)

 

 

 

 

 

 

 

Bild: Rev Stan, Hoola Hoop, flickr
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/

24 Kommentare zu “Licht scheffeln

  1. Einen mittelmässigen Text bei Dir kann ich nicht erinnern.

    Aber Scherz beiseite: Ich werde manchmal vorgestellt als der ehemalige „Halbprofi“ im Schach. Das stört mich jedes Mal, weil es mich begrenzt.

    Aber Scherz beiseite: Selbst wenn es solche geben sollten, die Dir damit was auswischen wollten: Who cares?! Brauchst Du noch mehr Follower?

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    • Ist Halbprofi anerkennend gemeint? Wenn nicht, würde ich evtl. mal drauf hinweisen, dass ich die Bezeichnung nicht mag.

      Ich fühle mich unwohl, wenn ich mich Feindseligkeiten gegenüber sehe. Umso mehr, wenn diese als Komplimente getarnt sind und mir die Rolle der Dankbaren zuweisen, wo ich doch die Düpierte bin.

      Ich brauche nicht nicht mehr Follower, docch ich wertschätze aber Wertschätzung.

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      • Das Halbprofi war anerkennend gemeint, auch „Bundesligaspieler“.
        Generell mag ich nicht, wenn ich auf eindimensional gesehen werde.

        Feindseligkeiten tauchen vielleicht da auf, wo etwas berührt wird, was neidisch macht oder Angst. Dass Du eines davon auslösen kannst, ist anzunehmen. Deine Prosa kann Angst machen, aber auch Neid auslösen.

        Wertschätzung geschieht m.E. doch viel auf Deinem Blog.
        Mir hat unlängst auch jemand etwas Böses hinterlassen, ich habe es nicht gelöscht, weil ich diese Stimme gelten lassen wollte.
        Mich muss keiner mögen und wenn ihm etwas missfällt, soll er es sagen. Das ist zumindest ehrlich.

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        • Kann ich verstehen. Ich mag es auch nicht, wenn ich immer nur die rattenscharfe Brünette mit dem Superbrain bin.

          Spaß beiseite: ich beklage mich nicht über mangelnde Wertschätzung. Ich mag nur solche Spielchen nicht, wie ich auch (gehässige) Ironie nicht leiden kann. Was ich an den Berlinern so wertschätze ist diese schnörkellose Schnodderigkeit. Man sagt sich unumwunden was man voneinander hält und nimmt dabei in Kauf unsympathisch rüber zu kommen, statt seine innere Ablehnung mit Komplimenten zu verbrämen und Gutherzigkeit zu mimen. Scheinheiligkeit ist vielleicht der passende Begriff, bei dem ich interssanterweise, kaum, dass ich ihn schreibe, Frau von der Leyens süßliches Lächeln vor mir sehe. Örks.

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  2. Puh…ich hoffe, dass ich mich dessen Ihnen gegenüber nie schuldig gemacht habe. Wenn es so scheinen sollte, war es nicht beabsichtigt, denn ich schätze Ihre Texte wirklich. Aber ich habe das ja selbst auch schon erlebt, und mein Magen zieht sich immer noch zusammen, wenn ich mich daran erinnere.

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    • Liebe Trippmadam, keine Sorge, Sie waren nicht gemeint und auch sonst gibt es keinen aktuellen Auslöser für die Beschreibung des Blogphänomens, welches Sie auch zu kennen scheinen. Vergiftete Komplimente, scheinbare Erhöhungen, die der Herabsetzung dienen, als Freundlichkeit getarnte Sticherleien. Diese Vorgehensweise findet sich auch im richtigen Leben. Jemanden vor anderen Menschen loben, als habe er gerade ein Sternchen in der Klippschule im Hauptfach Singen & Klatschen bekommen.
      Mich lässt das immer ratlos und auch gekränkt zurück.

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    • Liebe Ulli, Du warst auf gar keinen Fall gemeint (bei der Gelegenheit: vielen Dank für die Verlinkung! Ich komm in der jetzigen Situation zu gar nix mehr…). Ich hab das, was ich beschreibe ein paar Mal erlebt oder anderswo beobachtet. Das Phänomen des vergifteten bzw. scheinheiligen Lobes zur Selbstprofilierung gibt es leider auch außerhalb des Netzes.

      Herzliche Grüße!

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      • Hörst du den Stein plumpsen?! Da bin ich echt froh. Und jo, alles braucht eine eigene Zeit, was ich zwischen den Zeilen lese brauchst du einfach deine ganze Energie für dich und Tölchen, ich wünsche euch Gutes!!!
        Was nun Lob und Selbstprofilierung anbelangt, ja, das kenne ich leider auch, allerdings weniger im Netz und da bin ich dankbar!
        Liebe Grüße vom Herbstberg in die große Stadt an dich,
        Ulli

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  3. Ich hab sich ja auch schon mal verlinkt. Aber mehr mit den Worten: wenn du verstehen willst warum ich Berlin liebe musst du diesen Blog lieben.
    Komplimente ernst meine ist eine zu allen praktizierte Form der Kommunikation und ich merke das oft Menschen nach dem haken oder dem Hintergedanken Ausschau halten. . . Eh. Wo kämen wir da hin wenn wir uns gern hätten.

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  4. Pingback: Kurz und dreckig 53 | Schrottpresse

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