unbegrifflich

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Wie Kiesel liegen wir in einem Bett, voneinander und durch das Leben glattgerieben und

müde schaust du mit dem Blick des Vierjährigen, der das Löwenbaby umarmen darf oder soll und seine ratlose und unbeteiligte Hand auf dem warmen Fell abgelegt hat und nicht weiß welche Mine die passende ist oder sein könnte und was von ihm, also von dir, erwartet wird.

Erst später im Leben fängt das an mit der Gesichtsgymnastik, dem erwartungsgemäßen Minenspiel, dem Grimassieren, dem Handeln in Richtung Applaus. (Bis heute liegt Dir dieser Conveniencefressezirkus nicht. Stoneface passt immer).
Noch später sitzt es sich vollkommen entspannt irgendwo, mit relaxten Zügen und möglicherweise hängenden Mundwinkeln oder auch lächelnd, auf eine altersweise Art selbstvergessen. Der Wettbewerb ist vorbei, man ist kein Bauchfrei-Babe mehr, war es ohnehin niemals, das Schielen auf Außenwirkung ist weniger geworden und so lässt es sich unaufgeregt und außer Konkurrenz auf die Vorbeidefilierenden schauen, deren Lebens- und Konsumwelten so gar nichts mehr mit unserer Welt der nicht käuflichen Freuden zu tun haben.

Unbegreiflich und unbegrifflich.

 

 

Lang ist es her, dass ich an Sonntagen frühstücken ging, das Haar verfilzt von nächtlicher Begegnung. Kaiserschmarrn mit Pflaumenkompott und tiefe Blicke und Lächeln über den Tassenrand hinweg und später Rückkehr auf die klammen Laken.

 

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Der Kanzler benutzte eine Spaltlampe, doch alles blieb intakt dabei.

Weisses Tageslicht mochte und mag er weniger als abendlichwarmes Kunstlicht. Beim Deutschaufsatz wurde er für diese niedergeschriebene Vorliebe gelobt. Ein Erfolg von dem er bis heute erzählt, denn der Zuspruch des allwissenden Lehrers dient ihm noch immer als Beleg für die Richtigkeit und Wahrhaftigkeit seiner Weltsicht: Sonnenlicht taugt nicht. Hinter einem theaterroten, bodentiefen Samtvorhang verbringt er seine osramhellen Tage.

Auch das Dosieren hat der Kanzler mich gelehrt und nur sehr mühsam habe ich es geschafft, die Große Regel wieder zu verlernen: viel hilft viel.

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild: flickr, westpark, affe
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/

3 Kommentare zu “unbegrifflich

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