Aggressive Eichhörnchen und kippenschnorrende Russinnen im Foyer einer alten Bibliothek. Bilder aus einem Leben, das nicht meines ist. Aussortierte Bücher, herbstgoldenes Licht, kalter Wind und irgendwo in der Welt kettensägende Nonnen, gefilmt von Polizisten, hineingestellt ins Netz, vielfach gefavt, so geht das.

In drei Wochen sind es drei Jahre, seit ich überlebt habe. Meistens freue ich mich darüber. Manchmal denke ich, es wäre einfacher, längst schon untergepflügt zu sein. Was ist aus den Talenten geworden? Was aus der A-Jugend. Mit Mitte Dreißig ist man schon Senior, danach ist jedes Streben vergeblich und sowieso alles wurscht. Eine Befreiung, eine Loslösung.

 

Mit der Seele noch in den Bergen finde ich mich vor das gleiche Joch gespannt wie vor meiner Reise. Der Boden ist nicht weniger morastig geworden seither und herumfuhrwerken bleibt ein Lieblingsverb doch keine bevorzugte Tätigkeit.

 

Ein Fluch das eigene Überleben von den Entscheidungen, dem Gutdünken und auch der Willkür (a.k.a.  Ermessen) anderer abhängig zu wissen, sich neuen Regeln und Gesetzen unterworfen zu sehen und das, was gestern noch recht und billig war, heute schon als Utopie vorzufinden, als davondriftende Insel vergangener Tage.
Die Macht der Einen ist größer als die Kraft der Anderen. Ein Mörser. Ich befürchte ich wiederhole mich, doch  jeder hat seine Lebensthemen. Gnade ist eine Überschrift.

 

Ich könnte plaudern und von dem Geburt des Kälbchens, dem Herzinfarkt des Schwagers, dem Besuch des Kanzlers, dem Abschied des Jungen Hundes und dem kreisenden Storchenschwarm über dem Feld erzählen. Von kleeüberwucherten Elefantengräbern, Spaziergängen auf dem Friedhof, der Kirche auf dem Berg und von den samtigen Abendstunden am See und der wechselnden Farbe des Wassers von Silber zu Gold und schließlich zu Schwarz. Von der Kuh, die einen Narren an mir gefressen hatte und deren kastiger Körper mich in dem Maße einsschüchterte in dem ihre feuchte Nase mich entzückte, könnte ich berichten, von dem Besuch der Freundin, der ich in einem der seltenen Momente vollkommener Offenheit und Durchlässigkeit entgegenging, und wie eine Tür zu meinem Innersten aufflog als ich sie sah, und wie ich mich mit meinem ganzen Sein und aus tiefstem Herzen und ohne jeden Anflug der mir innewohnenden Melancholie an diesem Augenblick erfreuen konnte ohne zugleich an seine Vergänglichkeit zu denken, und davon, wie tiefgreifend der Kummer Tage später war, als sie abreiste.

 

 

Kostbare Stunden verbrachte ich unter alten Apfelbäumen mit kluger Lektüre in deren Schatten mir das Schreiben nachhaltig verging.

 

5 Kommentare zu “

  1. Ja, es scheint gerade einfach keine Zeit zum berichten und plaudern.
    So sei es dann eben.

    Ich müsste tatsächlich lügen, wenn es mich im Moment interessieren würde von selbigem zu lesen. Insofern passt der Text doch gleich wieder :)

    Gefällt 1 Person

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