Wenn die Vergangenheit dich einholt

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Das Gute: mein Abitur und mein Hochschulabschluss haben weiterhin Gültigkeit. Doch: die städtische Einrichtung bei der ich vor Jahrzehnten einen Schlüssel ausgehändigt bekam, besteht immer noch darauf, dass dieser in meinem Besitze sein müsse und fordert nunmehr 25 Euro von mir, um ihn zu ersetzen. Das Bizarre: das Gebäude in dem der Spind war, für den der Schlüssel passte, wurde vor ein paar Jahren abgerissen.

Als ich anrufe, erfahre ich, dass sie gerade von Karteikarten auf Computer umstellen und mir so auf die Schliche gekommen sind. Ich versichere der Dame am Telefon, dass ich längst keinen Schlüssel mehr habe (und bin angesichts meiner streng christlichen und überkorrekten Erziehung sehr sicher, dass ich die Wahrheit spreche, während ich vorgebe die Wahrheit zu sagen).

Das Ganze schicke ich sicherheitshalber nochmal als E-Mail hinterher und bin nun sehr gespannt wie es weiter geht.

Immer was los bei mir – wer würde nicht gern mein Leben leben wollen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild: Sprengung des AfE-Turms Frankfurt, Max, flickr Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

29 Kommentare zu “Wenn die Vergangenheit dich einholt

  1. Ich muss lächeln, ich sehe das Spind vor mir, wie es beim Abriss eingedrückt wird, vom Kran hochgeboben und auf den Altmetall-LKW wandert.
    Da bin ich ja gespannt. Ich kann mir schwer vorstellen, dass sich das mit einer E-Mail erledigt…. ;-)
    aber ich drücke dir fest die Daumen.

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  2. Für einen Kafka-Freund ist das natürlich die Bestätigung aller finsteren Gedanken: Eine Behörde, die nie etwas vergisst, die das Gesetz vollzieht und wenn die Welt darüber zusammenbricht.

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  3. Nur mal so interessehalber: wieso verschwendest Du Lebenszeit an eine Korrespondenz über den Schlüssel für ein praktisch virtuelles Schließfach, das es schon lange gar nicht mehr gibt?
    Es ist doch außerdem sowieso alles verjährt?!?

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    • Es ist nicht zwingend verjährt, denn die Frist innerhalb derer man Eigentum zurückfordern kann beträgt 30 Jahre (BGB.) Insofern…
      Wahrscheinlich zeichne ich hier ein ganz falsches Bild von mir: ich habe einen extrem ausgeprägten Gerchtigkeitssinn, kann sehr stur sein und ich gehe den Dingen gerne auf den Grund. Drum möcht ich nicht zahlen, jedenfalls nicht ohne wenigstens mal nachgehakt zu haben und ganz nebenbei macht mir diese merkwürdige Sache ein wenig Spaß, weil sie so vollends absurd ist. Verschwendete Lebenszeit scheint mir eher was die andere Seite macht: Forderungen für einen Spind in einem längst nicht mehr existierenden Gebäude zu erheben. Was ist das für ein Job? Wie fühlt man sich, wenn man sowas tut? Ist man Abends rechtschaffen müde oder einfach nur leer im Kopf.
      Ich hoffe aus der Korrespondenz mit der Dame entsteht eine Brieffreundschaft oder wenigstens eine Anekdote für ihre zukünftigen Enkel und für meine werte Leserschaft.
      Schöne Grüße ins geliebte Frankfurt!

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  4. Ja, ich verstehe schon, was Du meinst. Das ist so bekloppt und skurril, dass man Lust bekommt, auszutesten, wie weit man den Irrsinn noch weiterdrehen kann. Und das macht ja auch Deine Persönlichkeit aus.
    Mir wäre das wahrscheinlich zu blöd. Ich würde die am ausgestreckten Arm verhungern lassen und hoffen, dass die sich ihrer Beklopptheit bewusst werden. Wer fragt denn nach Jahrzehnten (!) nach einem Spindschlüssel (!!). Sollen die doch für 25 € klagen, machen die sowieso nicht.

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    • Ich könnt mir vorstellen, dass die klagen. Ist eine Firma die jetzt die Rechtsgeschäfte dieser Frankfurter Institution übernommen hat und die haben bereits vor 1 Jahr einen Brief an meinen Vater geschickt, von dem dieser mir erzählte, und jetzt wieder zwei Briefe. Tut denen nicht weh zu klagen, macht der Justiziar. Doch so weit lasse ich es nicht kommen. Ich spiel noch ein bisschen mit der Dame und dann werde ich unter großem Mea Culpa einknicken und mich unter zahlreichen unterwürfigsten Verbeugungen rückwärts kratzfüßelnd aus der Sache heraus schleichen. Eine Groteske in 5 Akten für 25 Euro/ Logenplatz. Kamma nich meckern.

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  5. Was hat die reale Existenz eines Schließfachs mit deiner Verpflichtung gegenüber bürokratischen Vorgängen zu tun? Ich bekam grad mal wieder eine Zahlungsaufforderung über 30 E von der hiesigen Gemeinde, weil ich vor Jahren mein Auto, das längst verschrottet ist, auf dem städtischen Parkplatz abstellte, ohne einen Parkschein zu kaufen. Der Platz hier reicht nicht, um das Warum zu erläutern (5 mal wurden inzwischen die Regeln fürs städtische Parken geändert). Panta rhei, doch: ein bürokratischer Vorgang ist unsterblich, wird also auch mich überleben.

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    • Kein Schließfach, ein Spind war das. Bei einem Schließfachinhaber würde man vielleicht Geld vermuten, aber so… Meine reale Existenz, mein altes ich, waren im Besitz dieses Schlüssels und eine Frankfurter Institution, die derzeit ihren digitalen Frühling erlebt, möchte sich an mir reiben udn wird dies vermtlich auch mit ihreren Hausanwälten tun. Doch dazu wird es nicht kommen. Enweder zahle ich 25 Tacken oder ich schicke ihnen den Schlüssel zu meinem Poesielabum.
      Deine Geschichte klingt auch schön absurd. ich mag das ja. Tut nicht weh und ist unterhaltsam, was will man mehr.

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  6. Schicke doch einfach einen Schlüssel, z.B. vom Sperrmüll, hin. Wenn es den Spind nicht mehr gibt, kann auch der Schlüssel nicht mehr passen. Bitte um eine Bestätigung, dass Du den Schlüssel geschickt hast. Danach kannst Du die Geschichte an Satireblätter verkaufen, Du schreibst sehr
    unterhaltsam.

    Gefällt 2 Personen

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