K- wie kommentarlos

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Man schenke den Worten der Menschen keinen Glauben, wenn sie sagen: ich verstehe dich. Das mag manchmal annähernd stimmen, tut es aber meist nicht, weil ein Mensch einen anderen eben nicht verstehen, sondern ihm sich nur gedanklich oder emotional annähern kann und weil eben auch oft zuviele Eigeninteressen dem Verständnis entgegenstehen. Jeder Mensch möchte gerne gesehen werden. Dem Anschein nach selbst dann, wenn der Andere blind vor Angst in einem brennenden Haus eingeschlossen ist und seine Aufmerksamkeit nicht von den in seinem Rücken lodernden Flammen abziehen kann.

Mir einen längere Mail, in der ich meine derzeitige Situation beschreibe und mich ansonsten nicht weiter in Geplänkel verliere, unkommentiert zurückzuschicken, zeugt jedenfalls nicht von Verständis sondern vom genauen Gegenteil.

Ich bin´s manchmal so leid die Erwartungen anderer erfüllen zu sollen, die kein Verständnis für meine angespannte Lage haben, für die ich seit Monaten so ziemlich alle Kräfte bündeln muss, um nur halbwegs über die Runden und so unbeschadet wie möglich heraus zu kommen, es aber tatsächlich nicht auhalten, dass ich bei diesem Ringen nicht in der Lage zu smalltalk oder meinetwegen auch deeptalk bin.

Ertrinkende plaudern eben nicht.

(Zuviele, zu starke Metaphern: Feuer, Wasser, am Ende wahrscheinlich noch ein Erdrutsch. Man wird sehen).

Ab 1. August bin ich voraussichtlich nicht mehr krankenversichert. Die nächste Eskalation in meinem Katastrophenshowdown, denn kaum etwas brauche ich nötiger als eine Krankenversicherung, zumal als chronisch Kranke. Die zuständigen Behörden schieben die Verantwortung hin und her, alle haben irgendwie Recht und ich steh da und weiss nicht wie es werden soll und bekomme Mails in denen ich über meine Misere berichte als unkommentierte Kopie zurück und denke sehnsüchtig an den Müllschlucker im Haus der Freundin früherer Tage zurück in dem ich zu gerne den ganzen Ballast versenken würde, ihn mit Schmackes hineinwürfe und ihm nachhorchte, wie er beim Herunterfallen schwer gegen die Schachtwände schlüge während ich lässig plaudernd oben an der Klappe stünde und nach dem Verklingen des letzten Tones fröhlich auflachte, dem Müllschlucker den Rücken zukehrte und hinaus ginge in den Garten, um dort Federball zu spielen, oder in der Hängematte liegend die Ameisen zu beobachten, wie sie ihren Blattlaus- Gefangenen am kleinen Ahorn die Flügel absäbeln, um sie an der Flucht zu hindern und wo ich mich, versunken in diesen Anblick,  fragen würde, wieso die Welt so beschaffen  ist wie sie ist. Hätte Gott doch auch ganz anders.

 

 

 

 

Good morning, sinners!

 

 

 

 

 

P.S.: Morgen findet endlich das Treffen mit dem übergeschnappten Nachbarn und dem Kontaktbereichsbeamten statt. Eine Art Mediation, damit er mich künftig in Ruhe lässt. Ich hoffe er bringt nicht seine Machete oder sein Schnitzmesserchen mit, denn ich bin ja bald nicht mehr krankenversichert und könnte mir größere Fleischwunden folglich nicht leisten. Oder käme für meinen Personenschaden seine Haftpflicht auf.
Einen Polizisten immerhin hätte ich als Zeugen gleich dabei.

32 Kommentare zu “K- wie kommentarlos

  1. Jetzt muss ich als naiver Hunsrückbauer mal etwas fragen: Wie schickt man eine Mail zurück? Wie verliert man seine Krankenversicherung? Ich dachte, du hättest einen Job, weil du immer von Leuten erzählst, die sich bei dir bewerben. Bisher war ich davon ausgegangen, dass Gesundheit und Wohnung deine Hauptprobleme sind. Ich drück dir jedenfalls die Daumen.

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    • Hab ich falsch formuliert. Man geht auf „antworten“ u statt etwas zu schreiben schickt man die Mail ab.

      Zur gesetzl. KV: der Wechsel vom (nunmehr selbst gekündigten) Angestelltenverhältnis in die Selbständigkeit bringt mehrere Probleme mit sich. Es bestehen näml. Ansprüche auf ALG I, die ich aber nicht in Anspruch nehmen kann, weil ich dem Markt während der Umstrukturierung meines Lebens nicht zur Verfügung stehe, und es ergeben sich durch diese nicht mögliche Inanspruchnahme finanz. Engpässe (abgesehen von der 3monatigen Sperre wg. Kündigung), die sich schwer ausgleichen öassen, solange man kein Einkommen hat.
      So in etwa ist das Problem gelagert. Wird sich in ein paar Monaten ändern, aber jetzt ist halt Mist.

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        • Könnte ein Versehen gewesen sein. Aber eigentlich kommt dann eine Erklärung hinterher und es passt leider auch zu gut zu der Situation.
          (Ihr Kommentar ist eben erst aufgetaucht, dabei sehe ich, dass Sie ihn schon vor einigen Stunden geschrieben haben. Nicht, dass Sie sich wundern…)

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      • Auf die Gefahr hin, Ratschläge sind auch Schläge zu erteilen: wenn Sie selbstständig sind und Ihren Lebensunterhalt davon im Moment nicht decken können, haben Sie das Recht auf ALGll als Aufstocker, notfalls mit dem vollen H4-Satz. Das ist zwar mit reichlich Papier, u.a. dem Ausfüllen der ätzenden Anlage EKS, evtl. mit einem eindrucksvollen Businessplan verbunden, aber Sie wären krankenversichert, die Miete wäre bezahlt, Sie hätten ein bißchen geschenktes Geld und mindestens ein halbes Jahr Ruhe. Sie sind ja nicht arbeitssuchend, weil Sie sich Ihren Arbeitsplatz gerade selbst schaffen.

        Soviel ich weiß, muß das Jobcenter Sie trotz der 3-monatigen Alg l-Sperre allermindestens für eine Zeit krankenversichern. Bei H4 könnte Ihnen ein 30%-Abzug wegen der Kündigung drohen. Vielleicht lohnt sich der Weg zum Anwalt, denn die Sperre wäre sowieso rechtswidrig, wenn Sie aus „gewichtigen Gründen“ gekündigt haben, darunter fiele z.B. Mobbing.

        Das Jobcenter läßt Selbstständige immer erstmal im Regen stehen, die Sachbearbeiter haben meist null Ahnung, was sie alles dürften und könnten und müßten. Es gibt aber eine Extra-Abteilung für Selbstständige, ein Freund war kürzlich dort (irgendwo in Neukölln) und war begeistert – keine Ahnung, ob das die zentrale Stelle für Berlin ist oder ob jedes Jobcenter selber eine hat.

        Alles Liebe, lassen Sie sich nicht einmachen!

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        • Moment, da muss ich mich einklinken, sonst explodiert mein rasendes Herz. Ja, THEORETISCH ist das so, dass Jobcenter oder Sozialamt einspringen MÜSSTEN. Aber da gibt es Lücken im System, die nicht zu klein sind, und da kann man ganz schnell durchrutschen und eine Behörde schiebt der anderen die Verantwortung zu und keine fühlt sich berufen zu zahlen.
          Aber natürlich will ich Dir nicht abraten, einen Antrag auf Alg2 zu stellen (im Gegenteil!), aber bitte UNBEDINGT mit einer versierten und auf solche Kinkerlitzchen spezialisierten Person den Antrag durchgehen, um eben zu verhindern, in das Riesenloch zwischen den Systemen zu fallen.
          Inzwischen kenne ich mich mit dem Fallen leider sehr sehr gut aus. Noch vor einem Jahr hätte ich gesagt: nein, man verliert doch nicht einfach so seine Krankenversicherung. Nein, man verliert doch nicht seinen Lebensunterhalt. Inzwischen weiß ich es viel besser, leider. Es ist so leicht, durch das Netz zu fallen.
          Trotz alledem – ich wünsche Dir dennoch Glück, auf dass sich alles fügen möge! Solidarische Grüße aus einem Nordberliner Kiez

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        • Ich danke Ihnen für die Ratschläge und werde mich gleich morgen, nach meinem Termin mit dem Kontaktbereichsbeamten, dahinter klemmen.
          Das wäre tatsächlich großartig, wenn das klappte.
          Ich staune immer, wie einem vom Amt gesagt wird, man solle entweder die nächste Institution, z.B. die Krankenkasse, betrügen und sich 3 Monate krank schreiben lassen (was als chron. Kranke einer Zwangsberentung gleichkäme, die ich nicht möchte), oder man habe eben leider Pech gehabt, aber 170 Euro seien doch nicht die Welt, die könne man sich zusammen leihen. Dass ich mir für die nächsten Monate Miete und Lebensunterhalt leihen muss, interessiert irgendwie niemanden. Genug gejammert, ich kümmere mich drum!

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          • Wobei Agnes Podczeck absolut recht hat: UNBEDINGT mit einer versierten und auf solche Kinkerlitzchen spezialisierten Person (die ich leider nicht bin, ich habe bloß als Selbstständige mit H4 aufgestockt).

            Zum soundsovielten Mal: Sie jammern doch überhaupt gar nicht! Warum denken Sie das immer? Nicht krankenversichert zu sein und sich Miete und Lebensunterhalt für die nächsten Monate zusammenleihen zu müssen, IST eine angsteinflößende, blöde und überflüssige Scheiß-Situation. Darüber zu schreiben ist ungleich jammern.

            (noch ein Tip: Sie sollten dem Jobcenter vielleicht erstmal besser verschweigen, daß Sie sich Geld leihen können. Wenn es blöd läuft, werden noch Ihre Geldgeber zu regelmäßigem Unterhalt verpflichtet oder Ihnen wird das Geld nicht rückwirkend ab Antragstellung ausgezahlt, weil es ja ohne auch ging. Außerdem: beim Zauberwort ‚drohende Wohnungslosigkeit‘ muß das Jobcenter sofort aus der Hüfte kommen und das ist im Zweifel nach 1ner nicht bezahlten Miete der Fall)

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    • Ich weiss ja, dass sich das Alles über die Zeit regeln wird. Nur gerade ist halt Unzeit und der Energielevel im Keller und mein Umfeld unwillig, was ich schon auch verstehe. Kann aber nix ändern daran.
      Aber die Verben und der Verve gehen mir nicht aus. Ich meckere mehr als üblich, lebe also noch. Die Mundwinkel trainiere ich in täglichen Lachübungen, damit sie für lustigere Zeiten nicht aus der Form sind und überhaupt bin ich schon ganz albern vor lauter nach mir greifender Verzweiflung.

      Schöne Grüße und hab Dank!

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      • Albern sein kann in katastrophalen Lebenslagen mit ungewissem Entwicklungspotential ungemein trösten. Am besten zusammen mit anderen Schabernacken , denen ebenfalls grad irgendwie der Hintern brennt – also ich…kenne niemanden, bei dem das nicht so ist.
        Geteiltes Leid ist halt auch halbes Leid, etwas Lachen kann gut tun und liebe Worte sowieso immer.
        In diesem Sinn,
        alles alles Gute!
        Das ‚bald‘ behalte ich fest im Blickwinkel und hoffe auf Deine Lebenswortsammlungen.
        Liebe Grüße und… sehr gern.

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  2. Lücke im Sozialversicherungssystem gefunden, Patient tot.
    Ich drücke dir die Daumen, dass es nicht so weit kommt und du dich bild wieder in versicherten Verhältnissen befindest.

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  3. Pingback: Stigmen in die Tonne flippern | Wildgans's Weblog

  4. Oh je, das versteh ich aber auch nicht. Also wg. ohne Krankenversicherung. Ich war mal ohne KV, weil die Beiträge von mir nicht ganz bezahlt wurden. In Wiesbaden bieten Ärzte immerhin für unversicherte Patienten eine kostenlose Grundversorgung an. Möglicherweise müssen so die versicherten Patienten aber Abstriche machen, zumindest zeitlich. hm

    Ja, bei der Gelegenheit, alles Gute und überhaupt.

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    • Danke, danke.
      Ich hab ein paar Ärzte i d Familie, die zwar weit weg wohnen, aber doch da sind. Das hilft schon mal. Ansonsten gibt es hier in Kreuzberg das Heilehaus, in dem man Hilfe erhält und ich kenne ein paar Leute, die Geflüchtete behandeln.
      Ich werd nicht untergehen, aber ich häufe eben leider auch Schulden an und muss die fehlenden Beiträge irgendwann nachzahlen.

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      • Ja, gut. Ich weiß nicht, ob das auch wirklich passt. Aber mir ist da echt der Steppenwolf wieder eingefallen: >> Und auch das unglücklichste Leben hat seine Sonnenstunden und seine kleinen Glücksblumen zwischen Sand und Gestein.

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