Eine unserer letzten Begegnungen war in einem Gartenlokal. Zu sechst saßen wir dort, fünf Hunde lagen zu unseren Füßen. Sie schwieg die meiste Zeit. Irgendwann sagte sie: ich finde es wirklich schade, dass sechs kluge Frauen zusammensitzen und sich nur über Hunde unterhalten.
Und ich dachte: Genau das mag ich: so entspannt miteinander sein zu können, dass es ausreicht über Hunde zu reden und am Wein zu nippen.

Einmal sah ich sie danach noch auf dem Mariannenplatz. Sie mit ihrem Mann und dem gemeinsamen Kind. Die drei kamen von einer Ausstellung. Vielleicht waren sie auch auf dem Weg zu einer Ausstellung, ich weiss es nicht mehr. Was machst du? fragte sie mich und schaute dabei ihren Sohn an.
Ich sah zu meinem Hund herüber, der auf der großen Wiese umher rannte, die Nase am Boden.
Ich gehe mit meinem Hund spazieren.

Jetzt höre ich, dass sie Museumsdirektorin geworden ist. Eine hochqualifizierte Geisteswissenschaftlerein. Meine Cousine.

10 Kommentare zu “

  1. Auch kluge Leute müssen sich nicht nur über Dinge von weltbewegender Bedeutung unterhalten. Die klügsten Menschen, die ich kenne, können mit der Eierfrau über Hühner reden wie mit der Professorin über Philosophie (und wahrscheinlich auch mit der Eierfrau über Philosophie).

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    • Ich muss zugeben, dass unser Abend sehr hundelastig war. Die Tante hatte gerade ihren ersten Hudn aus dem Tierheim geholt und da ging es viel um traumatisierte Hunde und deren Erziehung. Außerdem trafen unsere Hunde zum ersten Mal aufeinander.
      Ich verstehe, dass das nervt. Mich störte aber das Wertende in ihrer Äußerung. Denn ich sehe es wie Sie- man kann sich den ganzen Tag über Hundehütten unterhalten und das sogar auf hohem Niveau. Ein andermal kehrt man dann zurück zur Literatur.

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  2. Hat Deine Cousine selbst einen Hund…?
    Ich erinnere mich an stundenlange Gespräche über Kleinstkinder ohne selbst so eins zu haben.
    Als ich dann (endlich) selbst so eins hatte, fand ich die Gespräche manchmal ganz lustig.
    Allerdings gab’s keinen Wein dazu.
    Glücklicherweise.
    Wir hatten ja die Kinder dabei.
    Und Kaffee törnt nicht genug um euphorisch über Windelwechsel und Krankheiten zu diskutieren.
    Morgengrüße✨

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    • Nein, sie hat keinen Hund. Und das wird es wohl auch gewesen sein. Ihre Mutter und Schwester, die Cousine und deren Freundin sidn anwesend mit ihren Hunden und reden darüber. Sie hatte zu dem Zeitpunkt weder Hund, noch Kind noch Museum.
      Ich war einfach irritiert von dem Unterton. Als schlössen sich Klugheit und entspanntes Plaudern aus.

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      • Ich vermutete akute Hundelosigkeit und eine gewisse Affinität zu musealen Artefakten. 😉Hundemumien in Ägypten wären ein hübscher Thementreffpunkt in der Mitte ohne Leinenzwang….
        In diesem Fall schloss sich vielleicht was ganz anderes aus: nämlich die gelagerten Interessen und Ihr ward schlicht in der Überzahl. Das kann man dann entweder akzeptieren, die Klappe halten und um des Treffens Willen bleiben oder aber lieb konsequent fragen ob’s wann anders nicht besser passen würde und sich aus der Hunderunde wegverkrümeln. Sind zwei moderate Möglichkeiten, oder…?Eine wäre tolerant und die andere konsequent. Sowas funktioniert ganz ohne Untertöne, sogar freundlich Dazu sollte man aber wissen, was man sich denn eigentlich von wem anders genau wünscht und das schließt m. E. Überlegungen mit ein, die man dem andern mitteilen möchte. Meckerte sie also nur unmutig ob des Hundethemas, so ganz generell, war sie wohl einfach an diesem Tag auf Krawall gebürstet.
        Kein Grund zur Irritation.
        Hundemumien.
        Ein echter Burner in Sachen Themenvielfalt…
        Fürs nächste Mal…
        Könnte sein, dass sie leicht irritiert reagiert…
        Hihi😉😎

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  3. Wie ich bei dir lese, war deine Cousine nicht nur von Hunden, sondern auch von Verwandten ersten und zweiten Grades umzingelt. Da kann sich schon Spannung aufbauen, die sich dann in einer Bemerkung entlädt. Kurzum, es ging wohl nicht eigentlich ums Thema, sondern um die zwischenmenschlichen Beziehungen. – Wahrscheinlich fühlte sie sich nicht wahrgenommen. So wie du bei der letzten Begegnung: sie fragt dich, wie es dir geht, und schaut auf ihr Kind.
    Möge sie eine gute Museumsdirektorin werden. LG

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  4. Hab so eine auch in der Familie. Manchmal ist es echt anstrengend wenn sie immer so kultiviert sein wollen. Dann lieber zurücklehnen und nichts reden wenn man nichts zu sagen hat. Aber das wäre wohl weise und weniger klug.

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