Mitten in Mitte

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Vor den neuen, schicken Galerien auf der Leipziger dösen die Obdachlosen in der Sonne. Einer schleicht den Gehweg entlang. Vorsichtig, als ginge er über Scherben, setzt er eine Fuß vor den anderen und schaut ins Nichts. In der Hand trägt er eine eingerissene Galeries- Lafayette-Tüte.

Es sind 24 Grad in Berlin, auf Zypern übrigens nur 18, und ich trage ein leichtes Shirt, eine große Sonnenbrille und schwarze Lurexhosen, die in der Sonne glitzern.
Das frisch entfilzte und geschorene Tölchen hat heute sogar schon einen kleinen Sprint hingelegt und sich im Gras gewälzt. Jetzt ist sie so erschöpft, dass ich sie auf den Arm nehmen muss.

Vor dem Grimm-Zentrum setze ich mich zu den Studenten in ihren knöchelfreien Hosen und trinke einen Cappucino. Die Frozen-Yoghurt-Maschine ist leider hinüber, ich hatte mich so darauf gefreut. Beim nächsten Mal. 6 schöne Monate liegen vor uns.

Der Rückweg führt am Bode-Museum vorbei (hihi Goldmünze) über den lärmendvollen Ballermann-Bijoupark. Torkelnde Touristen stehen mit offenen Mündern mitten im Weg und rammen mir im Vorbeigehen ihren Rucksack in die Rippen. Ich bin zu gut gelaunt um sie anzumaulen. Bloß weg hier.

Hinter dem Alexanderplatz geht es endlich auf die Karl-Marx-Allee, die wegen eines bereits vergangenen Festes noch immer gesperrt ist. Keine Menschen, keine Autos.
Neben einer Reihe (nicht riechender) Miettoiletten setzen Töle und ich uns hin und blinzeln zufrieden in die Sonne. Hinter uns der Strausberger Platz auf dem der Springbrunnen nun auch wieder läuft. Ich liebe diese Stadt.

 

 

 

 

8 Kommentare zu “Mitten in Mitte

  1. „6 schöne Monate liegen vor uns.“ Ja. Und ich bin so froh drum. Eine Verschwendung, dass auf den anderen sechs eine solche Hypothek liegt. Das Rezept für jene Zeit habe ich noch nicht gefunden.

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      • Es ist immer ein Durchhalten. Genau. – Der Vorteil diesen Winter war: Es gab um mich herum ein paar Wochen Schnee, das macht die lange Dunkelheit nicht ganz so dunkel. Andererseits gibt es, wenn ich aus dem Fenster schaue, weit und breit keine Straßenlaterne zu sehen. Irgendwie schön. Andererseits würden Laternen die lange Nacht manchmal auch erträglicher machen. Oder sogar schön, ja zauberhaft – zumindest wenn es Nebel gibt.

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