Stuhl im Busch

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Weil Menschen sich in die Büsche schlagen und dort ihre Exkremente hinterlassen, in denen mein Hund sich liebend gerne herum wälzt, muss ich auf jede noch so kurze Reise Hundeshampoo, eine Ersatzhalsband, Desinfektionsmittel, Einmal-Handschuhe, Küchenpapier und ein Hundehandtuch mitnehmen.
Da der kranke Hund Spezialfutter und Medikamente und außerdem Näpfe und eine Decke braucht, reise ich inzwischen mit einen Rollkoffer nur für sie, während ich meine zwei Wechselgarnituren, mein Waschzeug und Wipp Express in einem Stoffbeutel mitführe.

Bestimmt malt sich jemand, der gerade seine Notdurft im Gebüsch verrichtet, überhaupt nicht aus, welche Konsequenzen sein Handeln nach sich zieht. Und sicher denkt er, während er so da hockt und sein Geschäft erledigt, nicht darüber nach, dass ich wegen der überall zu erwartenden Hinterlassenschaften immer mit mindestens 1 kg zusätzlichem Gepäck reisen muss. Ist ja nicht so schlimm, könnte man meinen, und so denkt vielleicht auch der Hockende, der nichts als Erleichterung verspürt, wie er da so aus dem Gebüsch heraus kommt und seinen Hosenknopf schließt. Doch wie meist im Leben, hat das, was der Eine macht, Auswirkungen auf seine Umwelt, und manchmal sind diese so schwerwiegend, dass sie sogar Leben gefährden oder kosten. Flöge ich nämlich, beispielweise, ständig mit meinem Hund durch die Gegend, wie man es inzwischen jederzeit für läppische 14,50 € tun kann, führte das stuhlbeseitigungsbedingte Extra-Kilo zu einem höheren Kerosinverbrauch, dessen umweltschädigende Wirkung letztlich dafür sorgte, dass ein kleines Amselküken im Nest stürbe. Kaum in der Welt wäre es schon wieder weg, ohne auch nur ein einziges Mal irgendwo in Pankow zum frühabendlichen Flöten um 17.30 Uhr angesetzt zu haben.
Es gehört nicht viel Fantasie dazu, sich die verheerende Langzeitwirkung auf die Amselpopulation auszumalen, wenn jeder von uns sich im Gebüsch erleichterte. Nicht lange und die schönen lackschwarzen Vögel wären für immer verstummt.
Doch das ist nicht die einzige Gefahr, die von den Exkrementen im Unterholz ausgeht,
Manchmal frisst mein Hund das, was er da im Gebüsch vorfindet nämlich auch auf, anstatt sich darin zu wälzen. Das führte ein Mal sogar dazu, dass es ihr sehr, sehr schlecht ging und ich zum Tierarzt mit ihr musste. Dieser verpasste ihr eine Infusion, spritzte irgendwas und erklärte mir, dass mein Tölchen aller Wahrscheinlichkeit nach Drogenstuhl gefuttert habe, und dass immer wieder Hunde an derlei giftigen Ausscheidungen stürben (ich sach nur: Fusion). Zum Glück hat sie es überlebt, doch weil Sonntag war, kostete mich der Mist 120 € und zusätzlich bange Stunden.

Über meinen persönlichen Ekel, wenn ich die stinkende Masse aus dem Bart meines Hundes zuzeln muss, möchte ich erst gar nicht reden. Der tötet ja wenigstens nicht.

Nach solchen unangenehmen Erfahrungen, könnte man erwarten, dass ich überaus zufrieden bin, wenn jemand die Verantwortung für seine Fäkalien übernimmt.
Insofern hätte die erste Begegnung mit dem gutaussehenden und interessanten Hundebesitzer, den ich vor einigen Jahren auf meiner Hunderunde traf, eigentlich der Beginn einer großen Liebe sein können. Es war ein schöner Nachmittag im Frühsommer, angeregt plaudernd gingen wir nebeneinander her, unsere Hunde tobten ausgelassen um uns herum und alles war eitel Wonne. Als wir an einem Gebüsch vorbeilkamen, verschwand der Mann wortlos in selbigem und ich spazierte mit Tölchen diskret weiter. An der nächsten Bank wartete ich auf ihn. Zwei Minuten später folgte der Mann uns. Zielstrebig ging er auf den, neben der Bank befindlichen, Papierkorb zu und warf einen prall gefüllten Kotbeutel hinein.

Ich weiss nicht genau, wie lange diese Sache nun schon zurück liegt. Aber jedes Mal, wenn ich den Mann seither irgendwo getroffen habe, denke ich an das satte, schwere Geräusch, dass der Beutel machte, als er in den metallenen Papierkorb plumpste. Und ich muss zugeben: es wäre mir lieber gwesen, er hätte seine Hinterlassenschaften da gelassen, wo sie waren.

 

 

 

 

 

 

Bild: Daniel Ziegener, Blauer Stuhl, flickr
Lizenz:https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/

22 Kommentare zu “Stuhl im Busch

  1. @tikerscherk „…denke ich an das satte, schwere Geräusch, dass der Beutel machte, als er in den metallenen Papierkorb plumpste.“

    Kennst Du das Geräusche, was entsteht wenn Raben und Krähen diese Beutel wieder aus den Papierkörben heraus krawallieren, um sie in einem Radius von zwei/drei Meter rund um den Papierkorb zu verteilen und zu zerfetzen ?

    Frauchens und Männchens und die Tölen machen fast alles richtig.

    Aber ! Bei mir gegenüber ist ein Hundedressur-Platz und es gibt hier viele Raben und Krähen und viele Papierkörbe die mal voll und meistens leer sind … :-)

    Raben sind zwar sehr intelligent und lustig, haben aber Scheißmanieren.

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    • Ich weiss nur wie es aussieht, nachdem die Krähen die Mülleimer leergeräumt haben, und das tun sie z.B. auf dem Mariannenplatz häufig. Wie das klingt, weiss ich nicht. Rährähräh?
      Vis à vis eines Hundeplatzes zu leben, stelle ich mich ziemlich laut vor, oder? Die Plätze, die ich kenne (Hasenheide usw.) sind so verkläfft, da will man nicht hin.

      Schöne Grüße nach Aachen

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      • „Vis à vis eines Hundeplatzes zu leben, stelle ich mich ziemlich laut vor, oder?“

        Nein! Eigentlich nicht. Die bellen nur wenig oder gar nicht. Manchmal sieht es da auf dem Platz aus wie auf einem Schul-Pausenhof in den Sechzigern „Ruhe – Ordnung – Disziplin“ und das alles spielerisch. Bin mitunter beeindruckt …

        Und ein nettes Café haben´se auch … :-)

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  2. Schwierig, wenn Männer und Hunde ähnliche Bedürfnisse haben. :mrgreen: . Das heißt im Klartext, wir brauchen dringend mehr öffentliche Toiletten, Radwege, Hundeklos, Hallen für türkische Wahlkämpfe, ach, und so weiter……
    Aber hierher, zum Berliner Speckgürtel schwappt das wohl alles mal rüber, es ist nur eine Frage der Zeit.

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