Zwanglos II

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Männer, die größer als 1,85 sind beunruhigen mich, es sei denn sie tragen Frauenkleider.

In Fulda möchte ich nicht wohnen. Da gibt es so viele merkwürdige Menschen, die üble Bräuche pflegen. Sie nennen das Tradition.

Tradition ist so ähnlich wie Religion. Unhinterfragbar.

Ich halte Menschen, die ihren Tieren ironische Namen geben (Günther der Hund) für übermäßig geltungsbedürftig. Fehlt noch ein kariertes Hütchen auf dem Kopf und Hosenträger.
Ich habe mal einen Goldfisch Tarkan genannt. Es war nicht mein Fisch. Meine hießen Lolek und Bolek. Auch albern.

Ich messe oft mit zweierlei Maß und sehe den Balken im eigenen Auge nicht. Das Haar in der Suppe finde ich mühelos. (Saisonabhängig. Im Winter schlimmer als im Sommer).

Ich verstehe Ironie meist nicht.
Ich bin exzentrisch.
Ich bin schüchtern.

Ich bin, wenn man mich gut kennt, sehr leicht dechiffrierbar.

Ich schreibe immerzu über mich, weil ich über andere zuwenig weiss und weil die Welt mir ein Rätsel bleibt.

Der Bekannte redet sehr wenig über sich. Ich mag den Bekannten.

Wenn ein siamesischer Zwilling früher ins Bett will als der andere, ist das ganz was anderes, aber im Ergebnis doch ähnlich, wie wenn der Bekannte früh ins Bett möchte und ich mitgehen soll, obwohl ich noch hellwach bin.

Wenn ich wach bin möchte ich überhaupt nie mehr ins Bett gehen.
Wenn ich im Bett liege, möchte ich überhaupt nie wieder aufstehen.
Immer da wo ich bin finde ich es am Besten.
Es ist schwer mich zu überreden auf eine Party zu gehen.
Es ist schwer mich wieder nach Hause zu kriegen.

In manchen Szenen sind Tunnelohrringe verpönt.

Seit ich weiss, dass Avocados für Hunde tödlich sind sein können, stört es mich schon, wenn eine Zeitschrift in meiner Wohnung herum liegt, deren Titelseite eine aufgeschnittene Avocado zeigt.

Ich sehe im Winter nicht gerne Dessouswerbung auf den sogenannten Stadtmöbeln im Freien.
Donald Trump hat mir das Wort `sogenannt´ gründlich versaut. Böser Mann.

Ich finde es traurig, wenn Menschen verstummen, weil die Weltlage so düster ist.

Ich finde es sehr unhöflich, eine ausgestreckte Hand nicht entgegen zu nehmen (solange keine Scheisse dran klebt und man nicht befeindet miteinander bzw. gegeneinander ist).
Bei facebook kann man sich sogar entfreunden.

Die neuesten Smartphones sind in ihren Kamerafeatures auf Instagram-Selfies ausgerichtet. Sie machen auf Knopfdruck (oder per Wischbewegung) schön und jung.
Wird man je aus dieser Bilder-Welt heraus treten und sich begegnen können ohne furchtbar enttäuscht oder erschrocken zu sein?

Ich ziehe (ganz allgemein)  unbearbeitete Fotos bearbeiteten vor.

Damit ein Film mich interessiert, muss er vorwiegend in geschlossenen Räumen spielen. Es muss mindestens eine weibliche Hauptrolle geben, es muss Strom, bzw. elektrische Geräte geben, es wäre schön, wenn Liebe oder wenigstens Sex drin vorkäme. Am liebsten soll er in der Jetzt-Zeit spielen (die für mich bis in die 70er Jahre zurück reicht).
Ich möchte nicht, dass in dem Film zuviel gesungen wird. Er darf keine Komödie sein. Exzessive Brutalität will ich auch nicht. Spannung finde ich gut. Die Menschen sollen nicht über-attraktiv sein und nicht aussehen wie bearbeitete Fotos.
Into the wild hat mir gefallen, obwohl der Film fast ausschließlich  draußen spielt und sehr wenig Elektrizität drin vorkommt. Eine Frau und Romantik gibt es auch nur kurz.

Der Argentinier hat bei einem Online-Gedächtnistest geschummelt.
Nachdem er ihn ein Mal durchgespielt und dabei enttäuschend abgeschnitten hat, hat er sich alle Lösungen notiert, um sie beim zweiten Durchlauf abzutippen. Als das neue Testergebnis angezeigt wurde, hat er sich sehr gefreut.

Bei twitter stand, dass bei Facebook folgendes stand:

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screenshot twitter

Darüber habe ich lauthals gelacht.

 

Bedeutungsvolles Raunen und wissenvorgebendes, süßlich-feingeistiges Klimperzuseln© (aka as inhaltsleeres Labern) nervt mich. Ab-grund-tief.

 

 

 

 

 

 

 

Bild: Aaron Muszalski, Zwanglos III, flickr
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/

31 Kommentare zu “Zwanglos II

  1. Vor zwei Tagen hatte ich darüber nachgedacht, Ihnen das Stichwort Quokkas vorzuschlagen für Sweetness-Content ohne Selbstentblößung (bin immer noch empört, so eine Scheisse!). Sehe inzwischen, Sie kriegen das alles prima hin :-)
    Love Ihr S.

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    • Beknackt finde ich das. In Friedrichshain läuft einer rum, der heisst Acid. Acids Besitzer guckt immer ostentativ verdrogt aus der Wäsche, damit alle Bescheid wissen, und damit er dann „Spießer“ denken kann, wenn man sich genervt von soviel schlechtem Schauspiel abwendet.
      Ich wollte meinen Hund ursprünglich Mutti nennen, weil mir die Vorstellung sie Sitz machen zu lassen so gut gefiel. Späte Rache.
      Hab´s dann doch verworfen. Bin ja schon groß.

      Gefällt 2 Personen

  2. Das schwarze Zwergkaninchen, das ich mit 11 bekommen habe, nannte ich mit 16 „Josef K.“. Namen von Haustieren sind Selbstbespiegelungsspielereien und wir können alle heilfroh sein, dass wir unsere Vornamen und Nachnamen nicht selbst aussuchen dürfen.

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    • Hey, mit 16. Da darf man das. Überhaupt möchte ich ich mich korrigieren. Jeder soll sein Tier bitte nennen, wie er will. Wenn´s aber ein Hudn ist, oder am Besten noch ein Hausschwein, dann wäre es mir lieb, man machte keine größere Aufführung draus, in die man Unbeteiligte involviert.
      Das gilt aber für alles, was da draußen nach BBeachtung brüllt.
      Ich hab keine Kapazitäten mehr für die ungezählten Privaaufführungen da draußen.

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  3. Pingback: Nachdenken / über sich über Befindlichkeiten / über Situationen und Fallstricke | text & visuals

  4. Ich finde sehr gut, wenn Leute wissen, was für Filme sie mögen. Ich mag gerne Filme mit Katastrophen. Die dürfen aber nicht übernatürlich/phantasy-mäßig sein. Es müssen naturwissenschaftlich mögliche Katastrophen/Kristen sein. Ich mag, wenn zur Lösung Experten herbeigerufen werden, so nerdige Wissenschaftler und die stehen dann mit einem Krisenstab im Weißen Haus vor so einem großen Computer-Bildschirm. Aber es gibt auch Filme, die das nicht haben, die ich auch mag.

    Völlig konträr bin ich aber in der Tiernamenfrage. Ich finde es höchst störend, dass es extra Tiernamen gibt. Warum? Man sieht doch auch so, dass es ein Tier ist und muss das nicht durch eine extra Namen-Segregation kenntlich machen. Ich kannte mal eine Katze, die hieß unironisch Lisa. Eine Katze ironisch „Alfred“ zu nennen muss jetzt auch nicht sein, aber warum nicht zum Beispiel „Johannes“?

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    • Ich mag Katastrophenfilme nur dann, wenn sie nicht komplett gut ausgehen und auch nur dann, wenn niemand betet. Wenn es nach dem Beten gut wird, grunze ich vor Ärger.

      Ich hab mich falsch ausgedrückt. Tiere sollen nicht nur Hasso, Yolanta oder Bello heissen. Meine zweite Katze hieß Lisa, einen Kater nannte ich Ludwig, weil Coswig nicht ging.
      Wenn die Menschen da draußen mit ihren Hunden herum spazieren und sie Günther, Jürgen, Marianne oder Gisela nennen und rufen (!) dazu am Besten noch Hosenträger und Hut tragen, dann fühle ich mich zur Komparsin und zum Publikum für ihre Show degradiert und reisse ihnen, eigen wie ich bin, die Bühne ab, vor der sie mich durch ihrem Zirkus unfreiwillig platziert haben. Ich bin da leider sehr eigen. Hat mit der Dichte der Darsteller in meinem Kiez zu tun.
      Wenn hier mal jemand auf einer Bank sitzt, in Jeans und Blouson, und ein Butterbrot isst ohne dabei laut zu telefonieren, möchte ich ihn/ sie abküssen vor Dankbarkeit.

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  5. Ich war mal auf einem griechischen Campingplatz, da hieß der Hund Mikro Malaka, kleiner Wixer. Nach hiesigen Maßstäben wär das dann auch nicht zulässig. Da das aber ohnehin das beliebteste Schimpfwort war, hat sich der Hund immer gefreut, weil er dachte, er werde gerufen.

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    • Naja, zulässig ist ja irgendwie so ziemlich alles.
      Eine Freundin hatte allerdings einen Freund, der Adolf hieß. Geboren 1975.
      Adolf stellte sich bei verschiedenen WGs vor und niemand wollte ihn haben.
      Die Leute sollen ihren Hund meinetwegen Wichser nennen. Und wenn sie das Wort sowieso den ganzen Tag benutzen ist das sicher schön für den Hund. Schöner wär´s vielleicht sie würden sich gegenseitig anders nennen und den Hund gleich mit.

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      • Das ist sicher richtig. Aber ich habe auch nach 27 Jahren noch das Bild von dem kleinen Hundchen vor mir, das glücklich dorthin lief, wo es sich gerufen fühlte, dass ich dies nicht als Erzählung der Niedertracht sehen kann.
        Ich hatte auch einen Adolf als Schulkollegen, der Ado genannt wurde (Dolf wäre ja die andere Option). Er wurde aber mit Ado mehr gehänselt, weil es da diese Gardinenwerbung gab.

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        • Solange das Hundchen glücklich war, will ich es auch sein.

          Mein Vater wollte meinen Bruder „Judas“ taufen, um den Namen zu rehabilitieren.
          Zum Glück hat er sich nicht durchgestzt damit.

          Da hat er doch Glück gehabt, dass es Ado-Gardinen gab, der Schulkollege. Sonst wäre er vielleicht viel fieser gehänselt worden.

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            • Müsste mal drüber nachdenken, wie ich das fand. Die meisten Sachen im Fernsehen haben mich bedrückt. Am Schlimmsten war „Neues aus Uhlenbusch“ und „Die Waltons“. Da hatte man schon so eine Ahnung, wie schlimm das erst werden würde, wenn man einmal groß war.

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      • (irgendwie kann ich auf die späteren Antworten im Thread nicht antworten, deswegen hier unsystematisch und unpassend. Aber bei Ado-Gardinen-Werbung muss ich laut Marianne Koch schreien. So habe ich mir als Kind ein gehobenes Wohnzimmer mit gehobener Hausherrin vorgestellt. Und Ado wurde mit Gardine mehr gehänselt als mit Hitler, weil ich zu einer Zeit auf die Grundschule ging, als alle Ado-Gardinen kannten, aber über H. nicht geredet wurde. Das ging meiner Erinnerung erst Ende der 70er los.)

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        • Das ist blöd hier mit den Kommentaren. WordPressler können in ihrem Dashboard auf alle Antworten antworten. Ich muss mal schauen, ob sich das anders organisieren lässt.

          Mit Gardinen kann man heute auch keinen mehr locken. Egal ob mit oder ohne Goldkante.

          Obwohl ich in der Schule in beinahe jedem Fach den Nationalsozialismus durchgenommen habe, kann ich mich nicht erinnern, dass außerhalb der Schule jemals jemand ausführlicher über die Zeit geredet hätte.

          Irgendwie war immer die falsche Zeit dafür.

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  6. Wahrscheinlich passt es nicht hier her, aber wenn ich das Bild des Swingerclubs sehe, frage ich mich die ganze Zeit, ob Club wenigstens ein gutes Buffet zum Zusammengewürftelten-Rummachen anbietet. Gute Buffets sind selten, wenn alles immer nur aus Sexualität ausgerichtet wird.

    Im Übrigen glaube ich, die Menschen verstummen nicht wegen der Weltlage… vielmehr weil man das Gefühl hat es hört doch eh keiner mehr zu und die Streikultur im Allgemeinen ziemlich mies ist.

    Ich mag Ihren Schreibstil. Ich fühle mich hier wohl.

    Gefällt 1 Person

    • Ich denke darüber nach, wie ein gutes Buffet in einem Swinger-Club beschaffen sein müsste. Es dürfte wahscheinlich nur Speisen beinhalten, die nicht stinken, nicht blähen und nicht zwischen den Zähnen hängen bleiben. Und leicht müssten sie sein, denn essen macht müde und wer müde ist wird rammdösig.
      Aber ganz ehrlich, würden Sie überhaupt in so einem Laden essen wollen? Und dann kommen Rüdiger und Gisela im Ledertanga und mit Leopardenstring und fangen an Sie hüftwackelnd zu kraulen?

      Ich glaub ich ließe mich lieber in kleinerer Runde bekochen und dann sähe man weiter.

      Ich dachte an ein konkretes Blog, das u.a. wg der Weltlage derzeit schweigt.
      Aber ja, auch der Ton hat angezogen und die Aufmerksamkeitsspanne der meisten Menschen geht nicht über 10 Zeilen und 10 Sekunden hinaus.
      Ich fühle mich insofern sehr privilegiert, dass meine Leserschaft meinen ellenlangen Exkursen folgt. Schön, dass Sie hier gerne lesen und sich wohlfühlen. Herzlich willkommen!

      Gefällt 1 Person

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