Schmuckdünger / je m´accuse

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Unterwegs

Weil Lärm tötet gehe ich konsequent bei Rot über die Straße. Wenn Schulkinder da sind geh ich trotzdem bei Rot. Und zwar hinter ihnen her.

Die Tüten mit dem Hundekot werfe ich in den Rinnstein oder lege sie auf Stromkästen, wenn kein Mülleimer in der Nähe ist. Ich liebe das Geräusch von Kotbeuteln, wenn sie in den Rinnstein klatschen.
Manchmal lege ich sie in defekte Kühlschränke am Straßenrand oder neben matschige Dönerreste und klebrige Gurkengläser. Auf dem Rückweg sind weitere Kotbeutel dazu gekommen.
Wenn ich ausnahmsweise keinen Kotbeutel dabei habe, hebe ich beim nächsten Mal zusätzlich zu dem Haufen meines Hundes einen Fremdhaufen auf.

Mein bester Freund sagt halbschwul, wenn er bisexuell meint. Ich kündige ihm nicht die Freundschaft dafür, obwohl er belehrungsresistent ist.

Ich glaube nicht an Gott. Ich fühle mich manchmal einsam und verloren deswegen.
Manchmal bete ich zu Gott, für den Fall.

Ich bin traurig, dass kriminelle Banden das Flusspferd Gustavito totgeprügelt und -gestochen haben. Als Knut starb war ich auch traurig.

Die kleine Polin liebt ihr Pferd über alles. Sie trägt am Liebsten schwarz, geht auf Parties mit dunkler Musik und möchte nicht, dass jemand erfährt, dass sie ein Pferdemädchen ist. Bei Whatsapp hat sie deshalb eine russische Ikone, anstatt einer Trense als Profilbild. Ich habe einen Maulkorb als Foto. Das wirkt lässig und erbärmlich zugleich und dadurch noch nonchalanter*. Der Maulkorb wirft schöne Schatten auf den Tisch.

* Ich habe die Angewohnheit Worte episodisch zu gebrauchen und dann einzumotten.

Ich bin Ästhetin. Design ist mir wichtig.
Ich entwerfe Möbel.
Ich plane einen Bungalow aus Beton. Im Patio Moos.

Wenn in Indien ein Bus in den Abgrund stürzt und alle Insassen den Tod finden, rede ich weniger darüber, als wenn das Gleiche in den Dolomiten passiert oder als wenn die Ku´damm-Raser wegen Mordes verurteilt werden.

Nach 16 Uhr möchte ich keine schlechten Nachrichten mehr hören.
Kaffee nach 16 Uhr geht. Tee nicht.
Meinen Briefkasten öffne ich nur Montags bis Donnerstags. Späteste Leerung um 15 Uhr. Ich habe Angst mir das Wochenende zu versauen mit Dingen, die sich nur unter der Woche regeln lassen.

Nach meinem letzten Eintrag sind mir 4 Follower abhanden gekommen. Zwei kamen dazu.
Das Thema scheint die Leute vergrätzt zu haben. Ich sollte wahrscheinlich mehr über Tiere schreiben.

Ein Mann kommt mit einem Fisch im Eimer in die Tierarztpraxis. Ich frage ihn nicht wie alt das Tier ist, wie es heisst oder ob es Fieber hat.
Ich mag Säugetiere und Vögel lieber als Amphibien, Reptilien und Insekten. Fische mag ich eigentlich auch. Vor allem Rochen und Haie. Und Muränen mit ihren übellaunigen Gesichtern.
Tiere mit Überbiss gefallen mir.
Der Bekannte schlägt vor, mit der Hausspinne (in einer Streichholzschachtel) zum Tierarzt zu gehen.
(Ich könnte ihr Hormone spritzen lassen, damit sie keine Jungen mehr kriegt).

Von dem angefahrenen Fuchs in einer Transportbox mache ich Fotos. Später erzählt mir die Tierärztin, dass er eingeschläfert werden muss, weil er zahm werden würde, wenn man ihn gesund pflegte.
Ich traue mich nicht zu fragen, ob ich ihn mit nach Hause nehmen darf. Nun hoffe ich ihre Antwort wäre Nein gewesen.
Ich traue mich nicht zu fragen, ob sie Nein gesagt hätte.

Ich habe Angst Schuld auf mich zu laden.

Ich gebe monatlich mehr Geld für Tierschutz aus als für Menschenschutz. Im Winter etwa gleichviel.

Ich ernähre mich nicht bio und kaufe nicht immer saisonal oder regional.

Meine fleischfressenden Tiere verschlechtern meine Ökobilanz.
Ich habe einen Gefrierschrank. Zum Ausgleich fliege ich nicht und fahre weniger als 5000 km Auto im Jahr.Ich esse kein Fleisch, trinke keinen Alkohol, rauche nicht und trage viel Second Hand. ich hoffe das hilft irgendwem.

Ich komme gerne pünktlich und reagiere verärgert auf Unpünktlichkeit.
Ich lache laut über meine eigenen Witze und zwar als Einzige und stundenlang. Manchmal wache ich nachts auf davon.

Ich bin beinahe so rechthaberisch wie der Bekannte, dafür ist er viel klüger als ich und ich bin viel lustiger als er (s.o.)

Der Bekannte und ich sind ungefähr gleich groß, dafür bin ich 4 Jahre älter als er und sehe 4 Jahre jünger aus. Macht 8 Jahre Gewinn.

(Ich bin mathematisch hochbegabt).

 

 

 

 

 

43 Kommentare zu “Schmuckdünger / je m´accuse

  1. Oho, der Besitz eines Gefrierschranks ist auch moralisch minderwertig ?! Heißt das, dass der umweltbewusste Mensch jeden Tag zweimal frisch kochen sollte ? Schlimm, schlimm ! Obendrein fliege ich auch noch, praktisch immer um mich zu meinem Vergnügen an anderen Orten aufzuhalten. Na, ich komme ohnehin in die Hölle, da kommt es auf das eine oder andere Detail nicht mehr an :)

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            • Alle? Ich glaub nicht. Aber schön, dass Du mir das zutraust (oder war das ironisch gemeint?).
              Ich kann nur Hund und Katz. Vielleicht noch Schildkröte. Papagei geht auch. Naja, und Mäuse und Fische. Ein Lama würde ich mir noch zutrauen und gerne Aug in Aug mit ihm spazieren gehen. Ich würde es „Spucki“ nennen. Dann hätte ich aber das Problem, dass ich genau so doof wäre, wie die Leute, die ihren Hund Günther nennen. Noch dööfer eigentlich. Das würde mein Selbstbild ins Wanken bringen.

              Kaffee ist schlimmer als LSD.

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              • LSD ist nicht schlimm, nur Anstrengend. So lange ich nichts schweres zu transportieren hätt‘ würde ich immer ein Alpaca vorziehen. Die spucken auch und haben hübschere Frisuren. Bei den Waschbären dachte ich an meinen Zahnarzt, der völlig unironisch geplant hat, die umzubringen. Aber als er sich passende Mordwerkzeuge gekauft hat, haben die Bären aufgehört, seinen Garten zu besuchen. Da wären die bei Dir bestimmt besser aufgehoben. Gelten übrigens als sehr selbständig und damit pflegeleicht.

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                • LSD hat, das sagt zumindest der Anästhesist, mein Hirn derart verändert, dass ich von Narkosen Psychosen kriege. Anstrengend war es und gleichzeitig sehr schön. Den Preis finde ich rückwirkend sehr hoch.
                  Alpacas sind auch gut. Hauptsache auf Augenhöhe.
                  Der Zahnarzt ist ein Doofmann. Mordwerkzeuge, echt mal.
                  Ich hätte Angst den Mund aufzumachen. Wer weiss, was dem so einfällt während der Behandlung.
                  Ich kann Dir einen sehr guten Zahnarzt empfehlen.

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      • Die Damalige erzählte mir von einer Freundin, die ihre (Wohnungs)Katzen Helmut & Hannelore nannte. Als die einmal nächtens ausbüxten, lief eine Handvoll Punker skandierend durch die Altstadt.

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        • Beide Katzen sind ausgebüchst? Hannelore und Helmut wiess ja heut kein Punk mehr. Damals wirkte es sicher sehr -äh- bizarr.

          Meinem Exfreund war es schon peinlich, als er mal in einem Café mit mir zusammen auf meinen kleinen Neffen aufpassen musste, der prompt die Abwesenheit seiner Mutter nutzte (hallo Betty!) und unter den Nachbartischen herumkrabbelte.
          Mein Exfreund, ein Israeli, rief das Kind bei seinem Namen und wand sich dabei. Mein Neffe heisst Fritz.

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  2. Böse, böse… Aber lustig und erschreckend ehrlich! Denn so sind die Menschen. Habe mich bei manchen zu meinem Entsetzen wiedererkannt ;-)! Soll ich Dir ein Geständnis machen? Ich bin Vegetarier … außer Gumminbärchen… Alles Liebe, Nessy

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    • Das gilt leider nicht. Ich könnte mich ja sonst auch ganz einfach selbst dutezndfach abonnieren.
      Danke aber für das Angebot. Wenn´s kanpp wird mit den Lesern, werde ich das neu überdenken.
      :)

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  3. Hehe, köstlich!
    Wie man sich so wiedererkennt. Vor allem die Sache mit dem „Bemühen“. Ökobilanz.
    Einen Einwand hätte ich für mich: Als aktive Großmutter mit drei Enkeln in Lern- und Erziehungsjahren leiste ich mir Rot nur, wenn keine Kinder sichtbar sind. Es gibt empörte Rotsteher. Mit und ohne Hund. Mit dem Auto halte ich generell. Bei Autorot.

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    • Die Kinder gehen hier bei Rot über die Straße und ich latsche hinter ihnen her. Ihre Eltern machen es nicht anders.
      Ich leide phasenweise unter Hyperakusis, bin also überaus lärmempfindlich. Bei Rot an einer donnernden Ampel zu stehen tut mir weh.
      Die Strategie ist also: große Straßen vermeiden, Seitenstraßen nutzen. Wenn große Straße, dann schnell rüber, egal ob Rot, oder on Tanklastwagen im Anrauschen.

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  4. ups…. ich habe schon Generationen von Kindern versaut, da ich immer gerne über rote Ampeln gehe. Und nach der letzten Thriller-Lektüre weiß ich, dass ich für mich alleine schon zwei Planeten bräuchte. (Passt zu meinem Autismus…. kotz)

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    • Die Kinder machen das auch ohne, dass man es ihnen vormacht. Zumindest hier in Berlin.
      In einer Thriller-Lektüre kann man was über den eigenen Fussabdruck erfahren?
      Und Sie sind wirklich autistisch? Das fällt mir schwer zu glauben.

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  5. Pingback: Nachdenken / über sich über Befindlichkeiten / über Situationen und Fallstricke | text & visuals

  6. Mit Kaffee und Tee halte ich es zwar umgekehrt, aber was die Rezeptionszeit schlechter Nachrichten betrifft, bin ich wieder dabei.
    Ihre Auflistung finde ich sehr anregend und danke Ihnen dafür.
    Morgengruss aus dem Belland,
    Herr Ärmel

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