burning like a fire

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Zu dem Wohnungsbrand war es gekommen, weil die Katze mit ihren Pfoten den Herd angeschaltet hatte, wodurch die neben den Kochplatten abgestellte Kerze geschmolzen, das verflüssigte Wachs auf den Herd gelaufen war und sich dort – fusch! – entzündet hatte. Eine riesige Stichflamme, die schnell auf die Holzarbeitsplatte und die Schränke übergriff. Zufällig war ich Zuhause und konnte den Brand nach mehreren Anläufen schließlich mit einer Seidendecke ersticken. Dass ich nicht versucht hatte mit Wasser zu löschen war mein Glück. Ich wusste nicht mal, dass es dabei zu einer extrem gefährlichen Verpuffung gekommen wäre, die mein Gesicht vermutlich für alle Zeiten enstellt hätte, sofern ich überhaupt noch eines gehabt und lebend davon gekommen wäre. Mich wundert, dass mein übervorsichtiger Vater, der in allem und überall Gefahr witterte und so großzügig war, seine Ängste mit uns Kindern zu teilen, mich über diese furchtbare Möglichkeit des Gesichtsverlustes nicht aufgeklärt hatte.

Der nächste Brand, nicht lange danach, betraf den Hausflur, in dem ein paar alte Möbel und anderer Sperrmüll abgestellt waren, den jemand zum Spaß angezündet hatte. Der Sofa, das lichterloh brannte, stand unmittelbar vor den in die Wand eingelassenen Gasleitungen und ich wartete draußen vor dem Haus mit eingezogenem Kopf auf den großen Knall, der nur ausblieb, weil die Feuerwehr beizeiten zur Stelle war.

Nachdem ich Gelegenheit gehabt hatte, mich schrittweise an Feuer zu gewöhnen, war es nur vier Monate später die Zeit für den großen Hausbrand gekommen. In der Wohngemeinschaft über mir hatte Meinungsverschiedenheiten gegeben, die dazu geführt hatten, dass der eine Streithahn dem anderen dringend zeigen wollte wo Bartel den Most holt, zu diesem Zwecke Stunden nach dem Zoff einen Karton in Fetzen riss, daraus eine Lunte zum Zimmer des inzwischen schlafenden Kontrahenten legte und das Ganze anzündete. Die Situation lief schnell aus dem Ruder, aus dem Denkzettel wurde eine veritable Katastrophe, doch glücklicherweise drückte der Brandstifter, ehe er sich aus dem Staub machte, noch den Knopf des Feueralarms im Treppenhaus und hämmerte, als er an meiner Wohnung vorbeikam, mit beiden Fäusten gegen die Türe, um mich zu warnen. Es war 3 Uhr Nachts und ich saß senkrecht im Bett.

Um es kurz zu machen: das einzige Todesopfer dieses Infernos war ein flauschiges Kaninchen, das in seinem Käfig verbrannte. Es befand sich in dem Zimmer des Zündlers, der gar bitterlich weinte, als er später davon erfuhr. Ansonsten gab es noch Rauchvergiftungen sowie Verstauchungen und Bänderdehnungen durch Sprünge aus dem Fenster. Ein Teil der Bewohner rettete sich durch´s Treppenhaus auf die Straße, andere warteten auf den Balkonen auf ihre Rettung und ein paar hatten sich auf dem Dach in Sicherheit gebracht.
(Es war, ganz nebenbei, wirklich erstaunlich, was manche Nachbarn nachts so anhatten).

Nachdem die Feuerwehr den Brand gelöscht hatte, wurde die Frage laut, wer eigentlich in der Wohnung unter der Wohngemeinschaft wohnte. Ich, sagte ich vergnügt und drängte mich durch die Menge der Wartenden nach vorne. Es konnte mir, die ich bei eisigen Temperaturen (es war Ende Januar) vier Stunden lang, lediglich in ein dünnes Tuch gewickelt, auf der Straße gewartet hatte, gar nicht schnell genug gehen, wieder in meine warme Wohnung und zu meinen verschreckten Katzen zu kommen. Was ich nicht bedacht hatte: das Wasser sucht sich seinen Weg nach unten. Immer. Und direkt untendrunter wohnte nunmal icke.

Auch hier wieder die gekürzte Version: in meiner Wohnung war so ziemlich alles zerstört. Sowohl das Wasser, als auch die heruntergebrochenen Deckenbalken hatten ganze Arbeit geleistet.
Noch am gleichen Morgen musste ich mir also ein Hotel suchen, in dem ich, gemeinsam mit den Katzen, die nächsten drei Monate auf die Wiederherstellung meiner Wohnräume wartete. Keine Versicherung kam je für diese Kosten auf.
Doch auch im Hotel fand ich keine Ruhe, Bereits eine Woche nach meinem Einzug hörte ich Nachts den Alarm und kurz darauf rückte die Feuerwehr an. In der Etage unter mir hatte ein Gast ein wenig im Papierkorb gezündelt.

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Wahrscheinlich glaubt mir niemand mehr, wenn ich jetzt noch von dem Motorbrand meines alten Golf und dem Feuer in der Bordküche des Flugzeuges nach Kuba berichte. Beides noch im gleichen Jahr.

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Warum ich seit dem Hausbrand eine ausgeprägte Spinnenphobie habe, erzähle ich auch irgendwann noch. Es hat lange gedauert, bis ich darauf kam, was da geschehen war.

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Nachtrag:

Mein Herd ist inzwischen übrigens durch einen in der Wand eingelassenen Knopf gesichert. Ist dieser eingedrückt und der Herd betriebsbereit leuchtet der Knopf unübersehbar neonschrill auf. Die Katzen haben keine Chance mehr.

 

 

 

 

 

Bild: Wenni, Rabbit, flickr
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/

23 Kommentare zu “burning like a fire

    • Das tue ich, von morgens bis abends. Nur nützt das leider nichts, wenn die Nachbarn nicht mitspielen.
      Ich trau mich gar nicht zu sagen, dass es ruhiger hier geworden ist. (Man möchte es ja nicht beschreien).

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  1. *Schluck* Du hast offenbar wirklich eine ganz besondere Beziehung zu Feuer. Der heurige Mini-Brand meines Adventkranzes war mein allererstes Erlebnis in diese Richtung und ich bin nicht jung ! Sehr lehrreich finde ich den Hinweis auf das nicht -mit-Wasser-löschen von brennenden Kochplatten.

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    • Ich hab mal gelesn, dass die Wahrscheinlichkeit, dass beim Lotto 6 x die 1 gezogen wird, genauso hoch ist wie jede andere Zahlenkombination. Seitdem glaube ich nicht mehr daran in irgendeiner Weise auserwählt zu sein. Ich bin dem Universum vollkommen egal. Glaube ich.

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      • Rein mathematisch ist die Wahrscheinlichkeit, dass beim Lotto 6 X die 1 gezogen wird, 0, denn die 1 kommt in jeder Ziehung nur einmal vor. Was das nun für die Aufmerksamkeit des Universums bedeutet, weiß ich leider nicht.

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        • Selbstverständlich haben Sie Recht. Ich hatte hier Lotto mit einer beliebigen Würfelei verwechselt. Also: die Wahrscheinlichkeit, dass in einer Lottoziehung die Zahlen 1 bis 6 gezogen werden ist genau so hoch jede andere Zahlenkombi, so wie es genauso wahrscheinlich ist 6 mal hintereinander die eins zu würfeln, wie jede andere Zahlenkombi. Besser?

          Sollten Sie zufällig gerade in einer Bibliothek sitzen, können Sie das bestimmt irgendwo nachschlagen und verifizieren.
          Aber glauben sie mir, dem Universum ist das freilich alles ganz egal.

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      • Ich rede auch nicht von Auserwähltsein. Daran glaube ich genau so wenig. Aber ich glaube daran, dass wir Dinge anziehen. Dass wir uns immer wieder selbst mit Aufgaben konfrontieren oder konfrontiert werden. Das Feuer scheint eine große Bedeutung in deinem Leben zu haben, vielleicht ja sogar aus einer früheren Existenz, wer weiß das schon…

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  2. Das mit dem Herd hatte ich auch. Ich war nicht im Haus, hatte aber das Glück, das (dieses mal, das war sehr oft anders) nichts brennbares da stand oder lag. Sonst hätte ich wohl kein Haus mehr, jetzt.
    Jetzt haben wir einen Herd mit versenkbaren Knöpfen.
    Man ahnt es nicht, bis man es erlebt….
    Du aber hast eindeutig genug Feuer fürs Leben gehabt. Ab jetzt sind Kerzenflammen genug!!! *mahnenddenFingergegendasLebenerhebt*

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    • Das mit dem Herd scheint schon einigen passiert zu sein. Du hast wirklich Glück gehabt.
      Ich stelle Kerzen inzwischen nur noch in Gefäße, die mindestens so hoch sind wie die Kerze selbst und lasse sie keine Sekunde unbewacht, wegen der Katzen…

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      • das predige ich dem gatten schon seit … *seufz* … laaaaaaaaaaaaangem. er hält mich für übervorsichtig.
        aber ich bin lieber übervorsichtig und wohne weiter in unserem haus zusammen mit ihm und den katzen, und zwar alle heile, als dass ich mich seinem „wird schon nix passieren“-mantra anschließe.
        übrigens: ein brandsachverständiger erzählte mir mal, dass die meisten wohnungsbrände von überhitzenden toastern und wasserkochern ausgelöst würden. seither bin ich auch da zum manischen immerimmerimmer-ausstöpsler mutiert.

        und es ist ein sehr hilfreiches wissen, öliges niemals mit wasser zu löschen. damit kann man aus einem unscheinbaren „pfanne brennt“ buchstäblich in zehntelsekunden einen rasenden vollbrand machen. boning und hoecker haben das mal eindrucksvoll demonstriert: https://youtu.be/IxRLgsyoJyE?t=26m

        fazit: bitte bleiben Sie heile!

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