don´t give up (im Puppenhaus)

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Ämter bekleiden stelle ich mir seit jeher vor wie Papppuppen (9 Buchstaben und 6 davon p!) anziehen. Man knifft und zwackt einen Talar oder eine Robe an das gesichtslose Amt heran und schon kann die steifhüftige Darbietung losgehen.

Wenn ich nicht gerade die Weltpolitik verfolge, bin ich immer noch unterwegs in Sachen Justiz und Kriminalität und lese dieser Tage unter anderem folgendes: ein Mann googelt am Abend welche Strafe auf vorsätzlichen Totschlag steht, legt sich anschließend eine Bratpfanne zurecht und erschlägt am nächsten Morgen seine Lebensgefährtin beim alltäglichen Streit in der Küche damit. Hinterher behauptet er, im Affekt gehandelt zu haben. Wer glaubt, Tante Google würde irgendetwas für sich behalten, ist ein Dussel. Außerdem: wieso trennen Leute sich nicht, statt sich bratpfannenreif zu zanken. (Bitte nicht antworten, ich weiss warum und möchte das Thema wegen der zu erwartenden Abgründe nicht vertiefen. Die Streithähne sollten besser anfangen sich mit Politik zu beschäftigen, das macht anders unzufrieden, reifer irgendwie. Oder sie könnten ein Puppenhaus bauen, um mal einen Einblick zu bekommen).

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Nach einer halben Stunde Citizenfour meldet sich meine Paranoia und ein unheilbarer Frust über den Zustand unserer Welt. Das ist schlimmer als Dokus über das Universum, unendliche Weiten, Weltraum und Hubble. Blanker Horror. Wir brechen unseren Filmabend ab.
Snowden, den ich vorher nie hatte reden hören, ist ein so kluger, ruhiger und aufgeräumter Kopf. Ich bin voller Bewunderung, auch für das Opfer, dass er zu bringen bereit war, für sein Verantwortungsbewusstsein und für seine Reflektiertheit. Ob er seine Familie jemals wiedersehen wird?

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Den Text, der mich seit langem  am meisten anrührt, lese ich bei der hochgeschätzten dame von welt. Nicht zögern einfach anklicken und eintauchen, bitte. Das Detail mit der Kellertreppe im Weckglas wird mir ewig im Kopf bleiben. Ich plane es nachzubauen. Statt echtem Blut muss Lebensmittelfarbe reichen.

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Wer ist eigentlich merkwürdiger, derjenige, der immer wieder nachfragt, oder der, der nie antwortet.
Darüber können jetzt alle mal nachdenken. Ich aber sage Euch: don´t give up und immer weiter Fragen fragen.

15 Kommentare zu “don´t give up (im Puppenhaus)

  1. Wer keine Lust hat, immer weiter jemanden zu fragen, der nie Antworten gibt, sollte den Partner wechseln. Und umgekehrt…
    Wenn du allerdings die Weltverhältnisse meinst, da musst du wohl zunächst herausfinden, wer für Antworten zuständig ist.
    Am besten gefällt mir das mit den Papppuppen, natürlich.
    Allerliebste Grüße! Gerda

    Gefällt 1 Person

    • Manche Antwortzurückhalter sind Schlüsselwächter und somit die einzigen, die eine bestimmte Türe öffnen könnten.
      Entweder sprenge ich mir einen anderen Eingang oder ich vertraue auf die Erosion, die aus Alpen Mittelgebirge und am Ende Sand macht, oder aber ich verzichte auf die Beantwortung der Fragen. Aber weisst Du, was ich tue, weil ich so sehr ich bin: ich frage Löcher in schweigede Bäuche und hege haltlose Hoffnung. Sisyphos.

      Gefällt 1 Person

  2. papppuppen im puppenhaus – bringen die vielen p`s unglück? Bis zu diesem Artikel kannte ich nur sockenpuppen und marionetten. im puppentheater baute ich früher viele puppen aber das ist eine andere geschichte.

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