slow like honey

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Before it ends just tell me where to begin

Mit dem Finger deute ich auf ein Gericht in der Speisekarte und frage den Kellner ob es vegetarisch ist. Er nickt. Nach einer Weile kommt er aus der Küche zurück, beugt sich diskret zu mir herunter und raunt: Excuse me, what exactly do you mean by vegetarian?
Die drei Männer, die sich mit ihren breitkrempigen Strohhüten neben uns aufgestellt haben, unterbrechen ihr Geigenspiel. Ich schaue auf die rot-weiß gewürfelte Tischdecke und denke: Lettuce und Lompoc, so heißen die Dinge und Orte hier. Ringsum Wüste. Niemand weiß wo wir sind.
Die Aubergine erklärt dem Mann, dass ich keine Tiere esse.

Ich ess nix was ne Muddä hat, wird Moses Jahre später auf die gleiche Frage antworten und gemeinsam werden wir im Garten der Großherzogin einen Grand Cru Superieur zwitschern, der unsere Zähne blau einfärbt, bis der Morgen graut. Am nächsten Mittag werde ich mit dir am Main liegen und du sagst: schöne Schuhe, statt meine hautenge Hochzeitshose zu bewundern, die dort sitzt, wo sie sitzen soll und wo du deine Hände hast.
Wir werden diesen Nachmittag am Ufer verbringen in der ersten und letzten Hitze des Sommers und du wirst mir von deinem Job erzählen, von deiner Ehe, deiner Odyssee und dem Königsweg. Königswege haben es dir schon immer angetan. Wenn mir jemand den Kopf abbisse liebtest du mich noch mehr, denke ich und habe keine Ahnung was du mit Königsweg meinst.

Der Kellner bringt das Essen und stellt es mit feierlichem Ernst auf den Tisch. Nach der ersten Gabel nicke ich ihm zu und lächle. Er verbeugt sich und geht. Wie auf Kommando treten jetzt die Geiger, die sich seit der Bestellung im Hintergrund gehalten hatten, wieder an uns heran, legen das Kinn auf ihre Instrumente und fiedeln mit langsamem Bogenstrich liebliche Töne, süß wie Honig, in den überdekorierten, niedrigen  Raum. Wir sind ihre einzigen Zuhörer.

Im Auto lege ich die CD ein, nehme beide Hände vom Lenkrad und trete das Gaspedal durch. Hinter uns steigt Staub auf. Im Westen verbrennt die untergehende Sonne den Himmel.

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Musiik zum Text: Fiona Apple, Slow Like Honey

(youtube-Direktlink)

Inspiriert von: Dame.Von.Welt. (Danke!)

Bild: Death Valley, flickr,  Allie Caulfield
Lizent: https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/

9 Kommentare zu “slow like honey

    • Ich hatte auch vergessen, wie schön das Lied ist und wie begabt Fiona. Hatte sie eine Weile nicht gehört, bis Sie ihr ein Blogpost widmeten.
      Ich danke Ihnen für´s Erinnern und für´s Bauchpinseln, wie man bei uns Zuhause sagte. Freut mich sehr, dass Sie meine Texte lesen und mögen.

      Gefällt mir

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