freier Wille

Am frühen Morgen erreichte mich eine Mail mit Instruktionen für ein zufriedeneres Leben.
Es war dort auch die Rede vom freien Willen.
Obgleich ich zuerst schmollen oder zumindest ein bisschen meckern wollte, weil ein vom Glück gepamperter Mensch mir erklären möchte, was ich falsch mache, bzw. wie ich es besser machen könnte, fand ich dann aber seinen Hinweis auf den freien Willen und dessen Wirkkraft doch so charmant und putzig, weil nämlich dieser mit meinem ganz realen und nicht nur entworfenen oder erträumten Leben, in dem Tag für Tag der gleiche Schnellzug, ohne Rücksicht auf Verluste, durch mein Gemüt rauscht und ich mich nur noch entscheiden kann ob ich das lustig oder erschreckend finde (mal so, mal so) die Weichen aber offenkundig anderswo gestellt werden, bekanntermaßen nur sehr wenig zu tun haben scheint, dass ich, während des Lesens der Mail, dann doch noch sehr herzlich lachen musste, darob mein inneres Grummeln vergaß und mit bester Laune aus dem Bett stieg.

Danke! Auch für´s Lesen dieses langen Satzes, der einfach so aus mir herausgesprudelt ist, ohne mein Dazutun.

Musik zum Text: David Bowie, Always Crashing Into the same Car

13 Kommentare zu “freier Wille

  1. Manches was ich von dir lese, erinnert eben doch an diese atemlose Zeit, voller grösserer und kleiner Katastrophen in dieser Wahnsinnsstadt, die ich liebhasse, mehr lieb … aber meine Nerven … jaha, ich war die Frau nahe am Nervenzusammenbruch (Lassie Singers, do you remember?) – der Berg schenkte mir nicht nur dickere Nerven zurück, sondern auch ein Bewusstsein, dass ich viel mehr in der Hand habe, als ich es bis dahin wahrhaben wollte … diese Stadt fordert viele Reaktionen, wenn man nicht ganz stumpf ist und das bistde ja nu ma nich … wa-

    dein Satz: erste Sahne :)
    herzlichst
    Ulli

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    • Lassie Singers, klaro. Hab kürzlich das Buch von Almut Klotz gelesen. Hart.
      Berlin, ja Berlin, uff.
      Ich kokettiere natürlich ein bisschen wegen meines Pechs, denn wie man hier unschwer als Subtext mitlesen kann, bin ich insgesamt ganz zufrieden und oft auch glücklich mit meinem Leben. Den Glauben ich könne die Dinge beeinflussen verliere ich aber zunehmend. Da entwickle ich mich also entgegengesetzt zu Dir. Es kommt, wie es kommt und ich schaue, wie ich am besten oben auf dem Wellenkamm reite und nicht mit ihm herunterbreche.

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      • anderes mache ich ja auch nicht, als Wellenkamm reiten, dazu ist diese Welt zu sehr, wie sie ist, das schwappt bis auf den Berg, aber weniger hecheln, weniger ausgeliefertsein, gelassener werden … soweit so gut und nicht gut …

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  2. Ach, mir gefällt dein Kokettieren mit dem privaten Weltuntergang. Wahrscheinlich bist du auf die Art bisher immer knapp daran vorbeigeschrammt und im großen und ganzen mit deinem Leben eh zufrieden ….. Mit diesem Überschachtelsatz mit gekonnt gesetzten Beistrichen bekommst du sicher ein transzendentales Lächeln von Thomas Mann :)

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    • Den Willen gibt es, keine Frage.
      Wahrscheinlich müssten wir erst einmal darüber reden, was wir in diesem Zusammenhang unter „frei“ verstehen.
      Ich habe nicht das Gefühl frei zu sein in meinem Denken und Handeln und ich strebe das auch nicht an. Ich bin hineingeboren in Gegebenheiten, aus denen ich das Beste zu machen versuche und die ich versuche mit Humor und anderen Hilfsmitteln zu meistern. That´s it.
      Ich glaube, dass Dein Blick und der meine auf das Leben und dessen Gestaltbarkeit oder Schicksalhaftigkeit sehr verschieden sind.
      Es liegt auch eine Geborgenheit für mich in dem Gedanken im Schwitzkasten gefangen zu sein, wie Pegamund es so schön nennt. Ich kenne meine Grenzen udn handele innerhalb meiner Möglichkeiten.

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  3. Ein Freund, den ich aus den Augen verloren habe, glaubte fest an die These, man könne sein Leben willensmäßig beeinflussen. Als Besitzer einer Villa in Belgien, schöner Oldtimer in der Garage, an seiner Seite die große Liebe, eine attraktive junge Künstlerin, schien seine ganze Existenz die These zu beweisen, dass er sich seine Welt zurechtdenken könne, dass die Welt sich vor seinem Willen im Staub kringeln würde. Doch irgendwann gestand er mir, dass die Frau seines Herzens ihn für immer verlassen hatte. Als ich sie noch einmal traf, sagte sie, dass ihr das Leben an seiner Seite zu eng geworden war. Ich weiß nicht, wie es mit ihm weitergegangen ist. Zuletzt muss er wohl auf den Hund gekommen sein – als ein Wesen, das er nach seinem Willen formen konnte.
    Möglicherweise lebt jeder Mensch nach einem inneren Plan und verstärkt unbewusst durch sein Handeln und Denken, was in seiner Welt plausibel ist. Aber die Möglichkeiten der willensmäßigen Beeinflussung sind gering.

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    • Es gibt viele Menschen, die daran glauben ihres Glückes Schmied zu sein. Vielleicht tröstet sie der Gedanke. Manche haben auch einfach Glück und interpretieren dies als eine höhere Gerchtigkeit oder einen Verdienst. Unsere Möglichkeiten ergeben sich aus den Grenzen, die das Leben setzt und das, was uns persönlich mitgegeben wurde. Ich glaube, die ganz große Kunst ist genau das anzuerkennen und das Beste daraus zu machen.

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  4. also eines meiner lieblingsbücher hat einen ersten satz, der sich über insgesamt fünf !!! seiten hinzieht.
    ich liebe also bandwurmsätze, besonders wenn es erzählende bandwurmsätze sind.
    erklärende bandwurmsätze hingegen braucht die welt, meiner unbescheidenen meinung nach, nicht. aber dies ist ja glücklicherweise kein ich-erklär-dir-die-welt-blog, denn sonst würde ich hier ja nicht lesen.
    da die ratgeberliteratur ja sagenhaft gute verkaufszahlen hat, überlegte ich vor einigen jahren, einen ratgeber zu schreiben, wie man mit ratgeber-literatur umgehen könne. gespickt natürlich mit vielen lustigen beispielen, aber dann musste ich feststellen, dass es auch diesen ratgeber schon gibt.
    freier willen oder mikronanosekundenbruchteile im autonomen nervensystem? ich würde mich als schicksalergebene anhängerin des freien willens bezichtigen.
    wie auch immer…. sie sind lachend aus dem bett gehüpft….. das ist zumindest ein schöner anfang für so einen oktobertag.

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    • „ich würde mich als schicksalergebene anhängerin des freien willens bezichtigen.“

      Sehr schön, das bin ich auch. Es kommt wie es kommt und ich mach das Beste draus. Dass ich in manchen Situationen das Ruder noch herumreißen kann macht mich nur frei innerhalb einer engen Wahlmöglichkeit. Ich find´s ganz cosy in meinem Schicksalsstübchen.

      Ihnen die herzallerliebsten Grüße nach Insulanien und dem Windhundfräulein die süßen Öhrchen gekrault!

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  5. boa hey, ja, mein leben ist auch weitestgehend so ein schwitzkasten und ein freier wille kommt da nicht drin vor, jedenfalls meiner nicht – aber was solls: take it as ist is and keep smiling und danke für den post und guats nächtle jetzt ;)

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