MaoaM

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München sieht aus, als hätte Hitler den Krieg gewonnen, sagte C. Dann erzählte er mir von dem Schleudergang der Waschmaschine und den sexuellen Möglichkeiten, die ihm dieser kürzlich eröffnet hatte.

Kennen gelernt hatten wir uns bei Compuserve als Kathe und Igor. Im Laufe unserer Chats und angestachelt von Igors albernem Frohsinn nannte ich mich schließlich Stute.
Später dann, als Heike Makatsch mit dem e-Plus-Service sms-to-speech, der telefonisch übermittelten sms, das Büffet eröffnete, schickten wir uns gegenseitig frivole Kurznachrichten mit flankenhaftem Inhalt und freuten uns, wenn die kühle elektronische Frauenstimme uns diese vorlas.

Als Stute flog ich dann auch bald aus dem Forum, weil ich mich weigerte meinen Namen gegen einen weniger anzüglichen zu tauschen. Tanzbären gab es schon zur Genüge dorten, wie überall. Brumm, brumm.

So kam es, dass wir uns in Berlin trafen. Kein Sex auf oder mit der Waschmaschine, dafür ein unvergessener Abend mit THC und Maoam. Eine Geschmacksorgie. Stöhnend und mit geschlossenen Augen.

Ah, probier mal Zitrone! Cola, wie himmlisch! Ich stääär-beeee!

Mehr als Mundwinkel küssen und Nase/Nase lief nicht zwischen uns. Die Anziehung reichte genau bis dorthin. Ansonsten: Maoam und Lachen.

Womit wir nicht rechnen konnten war der Tobsuchtsanfall des Bruderkumpels von Kindesbeinen an, den ich als Übernachtungsgast in der Wohnung hatte, sein koksiger Wutausbruch und die schlimmen Dinge, die geschehen würden, nachdem C. gegangen war.

Ein Brief, den er später schrieb sollte wohl Zeugnis ablegen von seinem Irrsein und ihn auf diese Weise entlasten. Irgendetwas von Glanz und Gloria und meinen wohlverdienten, längst überfälligen Tränen.

Ein Freund der Familie war und blieb er, auch als Bruder und Vater längst wussten, was geschehen war.

 

 

 

 

 

Bild: annchristin, bathroom. no vanity, flickr
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

7 Kommentare zu “MaoaM

    • Ja. Es gab dazu eine interessante Diskussion mit dem Moderator der Gruppe.
      Stute, so schrieb er mir, sei ein Name, der gegen jede Netiquette verstoße. Meinen Einwand, dass die Namen anderer Mitglieder, wie „Zerstörer“ oder „Barbarella“ und „Lolita“ doch sehr viel verstörender wären, als die Bezeichnung für das weibliche Pferd, wollte er nicht gelten lassen. Da bin ich gegangen.

      Gefällt 1 Person

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