Corrida

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Vom Anfang bis zum Ende der Corrida saß sie in angstvoller Spannung, erfüllt von Schrecken, der Ausdruck eines unüberwindlichen Verlangens war, einmal dabei zu sein, wenn einer der ungeheuerlichen Hornstöße, mit denen eine Stier in blinder Wut unablässig auf die Leere der roten Tücher einstürmt, den Torero in die Luft warf. Hier ist im übrigen zu sagen: wenn das furchtbare Tier ohne langen Aufenthalt und ohne Ende wieder und wieder unter der Capa hindurchschießt, nur einen Fingerbreit von der Körperlinie des Toreros entfernt, ahnt man das Gefühl einer totalen und wiederholten Projektion, wie sie dem physischen Liebesspiel eigen ist. Und in der gleichen Weise empfindet man hier die Nähe des Todes. Solche Folgen von glücklichen pases sind selten und entfesseln in der Menge ein wahres Delirium; die Frauen erleben in diesen pathetischen Momenten einen Orgasmus, so sehr spannen sich die Muskeln ihrer Beine und ihres Unterleibes.

Georges Bataille, Das Obszöne Werk

Bild: diadà
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/

14 Kommentare zu “Corrida

  1. So eine corrida hat schon eine abstoßende Faszination. Ich gehe nie hin, weil ich das Spektakel eigentlich ablehne, aber weiß, dass ich mich der Stimmung nicht ganz entziehen kann …

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  2. Mal ganz echt: Ich habe sowohl Familie in Spanien (von Cordoba bis Barcelona) als auch eine ganze Menge Freunde. Kein einziger von denen geht Stierkämpfe gucken. Ich auch nicht.
    Ich stelle die These auf, dass das ganze Spektakel inzwischen sehr tourilastig ist.

    Aber historisch gesehen – also aus den Perspektiven von Bataille oder meinetwegen Hemingway – ist die Corrida durchaus ein Thema. Auch eines, das auch heute noch unter die Haut gehen kann.

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    • Ist es nicht sogar so, dass in Spanien mehr und mehr Menschen gegen die Corrida sind?
      Ich finde die Variante, bei der der Stier durch die Straßen getrieben aber nicht verletzt wird ganz akzeptabel. Letztlich frage ich mich aber welche Freude man empfinden kann, wenn ein anderes Lebewesen leidet.

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      • Die meisten U60-er, die ich kenne, haben so wie ich tatsächlich noch nie eine Corrida besucht.
        Die Stierrennen, am bekanntesten durch die Sanfermines in Pamplona, sind eine andere Nummer. Da geht es nicht um Stierkampf sondern darum, sich unter Einfluss von Alkohol mit den Jungstieren durch die Straßen treiben zu lassen, um möglichst als toller Macker bei den Chicas, also den Damen gut dazustehen.
        Den Tieren passiert dabei eher selten etwas, unter den Läufern gibt es aber fast jedes Jahr Schwerverletzte oder Tote. – Ist aber mittlerweile auch mehr ein Touristenspektakel geworden. Die Tauromaquia ist eine aussterbende Kunst oder Fertigkeit. Und ich glaube, das ist gut so. Passt einfach nicht mehr in unsere Zeit. Vielleicht so wenig wie das oktoberliche Massenbesäufnis in München :-}

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  3. Ich vermute, Herr Bataille hat nie in seinem Leben einen Stierkampf gesehen?
    Ich kann weder nachvollziehen was er über die Stiere schreibt, noch über die Matadore, noch über die Frauen.
    Hätte ich nicht viele Corridas gesehen, würde ich ansonsten jetzt die Klappe halten.
    Sollte ich eh besser….. Sie können jetzt die Beschimpfungen herausholen….

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    • ich habe nicht vor Sie zu beschimpfen, liebe Frau meertau. Ich beschimpfe auch niemanden der Fleisch isst, und die Tiere in den Ställen haben oft ein schlimmes Leben. Ich bin erstaunt. Sie und Stierkämpfe hätte ich nicht in Verbindung gebracht. Darf ich fragen wie es dazu kam? Hat es Ihnen gefallen, bzw. was genau daran ist sehenswert?

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      • Ich möchte gerne und kann darauf doch nicht wirklich antworten. Schon gar nicht auf die letzte Frage, was daran sehenswert sei. In meinem ersten Blogs habe ich gelegentlich versucht, darüber zu schreiben, nur um dann festzustellen, dass ich es nicht vermag. Ich habe mich nicht gegrämt, denn meiner unbescheidenen Meinung nach, ist auch Hemingway bei diesem Thema grandios gescheitert.
        Ich bin mir sicher, dass es ein Thema ist, dass man erzählen kann, aber nicht im geschriebenen Wort.
        Am besten haben es für mich ältere Andalusier beschrieben. Die gehen nicht zum „Stierkampf“ (corrida), sondern zu den Stieren (toros). Und auch die Aficionados verehren viel mehr die Stiere als den Matador. Zugeben, es fliegen auch Schlüpfer in die Arenen, aber ….. das ist ein Thema für sich, denn das findet nur bei einigen Matadoren statt und die sind nicht die besten.
        Touristenspektakel sind deshalb so schrecklich, weil die Matadore nicht töten können und das Publikum trotzdem johlt, vermutlich weil sie nicht zugeben wollen, dass sie es schrecklich finden und keine Ahnung davon haben.
        Aber ich schreibe wieder schneller als ich denke…. und das hat noch nie wohl getan.
        Aber ja… ich bin viele Jahre im Mai zu den Stieren gefahren. Erst nach Madrid (Feria San Isidro) und im Anschluss nach Cordoba.
        Es ist lange her…., mein Büro zieren noch die alten Fotos, Autogramme und Plakate…. aber ich geh nicht mehr hin. Und ich mag auch nicht für oder wider schreiben.
        Ich wollte nur sagen, dass ich Herrn Batailles Zeilen nicht nachvollziehe.
        Und sollten wir uns je begegnen, so freue ich mich, vom Stierkampf zu berichten. Aber nicht für und nicht wider.
        :-)

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  4. Also, mir grausts da, es wehrt sich alles in mir, Erotik mit Gewalt und Schinderei zu verknüpfen, ich mag keinen Schmerz, für wen oder was auch immer und wenn es Kerle gibt, die kämpfen wollen, dann sollen sie es gefälligst mit ihresgleichen tun und keine Tiere da anstochern…bäh!

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