Prärie

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Tinca tinca, die Schleie, einzige ihrer Gattung, the doctor fish mit dem heilsamen Schleim. Auch den Huflattich, Tussilago farfara, gibt es nur als sich selbst und gegen Hustenschleim (Tussamag). Pica pica die schäckernde Elster. Icke dicke als icke.

Seit ich weiß, dass es Löcher macht, löse ich die Dinge nicht mehr so sorglos aus ihrem Zusammenhang/ Kontext wie zuvor (die Textorstraße in Frankfurt, der Geliebte, der dort im Souterrain hauste. Seine Haut, die sauer nach Cognac riecht, als ich in jener Nacht unter seine Decke schlüpfe) es sei denn sie sind perforiert und wollen das so, wie die Indianer und Cowboys aus den Bastelbüchern der Kindheit. (Sogar Papppuppen – Petra-  bekleideten wir mit Papierklamotten, die wir zuvor mühselig mit Nagelscheren ausgeschnitten hatten. Nicht über die Linie. Bärenmarke. Mit gefalzten Papierstreifen knifften und zwackten (Verben, Verben, verliebt in Verben!) wir Hemd und Hose an sie heran, die Frauen trugen Röcke und Kleider, wie auf den Verkehrsschildern, bis heute. (Der Bauarbeiter mit dem Spaten neben dem Schutthaufen. Hoffentlich erschlägt er niemanden, oder hattaschon und hebt soeben das Grab aus?)
Hinter der Pappbühne bewegten wir die Western-Figuren hin und her und langweilten uns quälend und zäh ins Unermessliche hinein, über uns der Himmel, der graue, feuchte Deckel zwischen den Mittelgebirgen.

Indianer zu Pferd. Wie toskanische Zypressen stehen sie nebeneinander auf dem Hügel. Eine Hand lässig auf dem Sattelknauf abgelegt (hatten sie Sättel oder war das John Wayne?), die andere darauf in einer Art Gebet. Der Zügel liegt locker in der Nehrung zwischen Daumen und Zeigefinger. Warten auf ein Signal, das der Wind ihnen geben wird. Mit fliegenden Federn.

Ist es immer Provokation, Heraus-Forderung, weshalb eins das andere vernichtet? Etwas, ein Wort eine Geste, oder auch nur ein Blick, das dazu führt, weil es sich aus dem Ganzen gelöst hat, sich gezeigt hat, geschlüpft ist.
Unauffällig bleiben oder gefällig.
Nicht aus der Menge hervorstechen (spitz), sich lösen, in Erscheinung treten, auftauchen.
Sich den Umweg sparen. (Von Ewigkeit zu Ewigkeit).

Splash!

Das Kind mit dem Schiefhals, durch das der Ultraschall hindurchrauschte, jeden Tag, wie ein Schnellzug, im dunklen Kabuff. Schau mal wie es sich bewegt, ein Junge! Zwei Menschen, nicht einer, und dann ist er da, hier die Mutter, dort der Sohn, inzwischen einen Kopf größer als sie. Sichtbar gemacht auf dem dunklen Bildschirm, herausgerissen aus der stillen Versenkung, der Vorbereitung für den Weg. Pre-retreat. In sich gehen und aus sich heraus.

Die U-Bahn, die das Haus in Schöneberg durchstößt.

Sieben Jahre spricht man nicht darüber, dann erst öffnet man den Mund und erzählt, obwohl es viel zu frisch noch ist, zu feucht, zu empfänglich, dass der Schmutz daran haften bleibt. Mit gespreizter Seele, einen Finger zwischen den Lippen, entblösst man sich, dass es eine Wonne ist für niemanden.

Keiner ist in den Brunnen gefallen und niemand hat es gesehen

Eins hat den Anstoß gegeben, dann hat alles Fahrt aufgenommen und jetzt ist kein Halten mehr (All´arme! Hände in die Speichen!) Ain´t no way. Und man weiß nicht, ob man sich einen Abgrund oder eine Wand wünschen soll, damit es aufhört oder keins von beidem, nicht einmal Watte. Bloß nicht stehen bleiben, weiter, immer weiter.

Ein Loch für alles was geliebt und ungeliebt war. Verbannung oder Heimkehr, eine Frage der Perspektive und am Ende doch wieder nur dasselbe.

 

 

 

 

Bild: diadà, come abitante della terra dovevo credere a tutto quello che dicevano gli orologi..e i calendari
Lizenz:
https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/

11 Kommentare zu “Prärie

  1. Klingt nach nem Job für den schwarzen Mann vom Baustellenschild. Und wir anderen merken, daß langsam Frühling wird wenn die Dichterin T aus K wieder gute Laune kriegt und anfängt, das Unbewusste umzugraben. Bin gespannt, was uns da im Sommer an exotischen Blüten erwartet!

    Gefällt 1 Person

    • Muss ich erwähnen, dass in jener Zeit alle Welt auf dem Boden schlief, auf Matratzen, im Keller. Nicht weil man sich nichts anderes leisten konnte, sondern als standesgemäße attitude? Das Untergründige, im Loch und aus dem Loch, aber nur Jene, die das Geld dafür hatten. Wer arm war arbeitete für Essen, Seife und eine Wohnung. Obendrauf noch Bier.
      Der Cognactrinker wurde ein bekannter und sehr wohlhabender Mann.

      Wie würdest Du das einschätzen? Hab ich schon gute Laune, krieg ich noch welche oder bin ich on my way?

      Dein Kommentar jedenfalls ist ein Anfang, ein guter.

      Gefällt 1 Person

        • Frohe Kunde! Ich dachte ich wäre inzwischen die depressivste Frau Deutschlands und selbstmitleidiges Grabesgeflüster klebte an meinen Füßen wie Schleim, dass es den Magen der Leserschaft hebt. Nicht schon wieder!

          Jetzt bin ich allein von der unterstellten bzw. vermuteten Heiterkeit ganz heiter. Danke!

          Gefällt 2 Personen

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