Neue Beiträge sind nicht nur gut für die Statistik, sie verdrängen auch den letzten Beitrag von seiner Pole-Position und sorgen mitunter für bessere Stimmung

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Der Eindruck verdichtet sich zur Gewissheit: die Bauarbeiter kommen nur deshalb jeden Morgen zur Arbeit, um einmal mit dem Kabinenlift aufs Dach zu fahren, von dort ein paar Ziegel und Latten unter lautem Gepolter herunter zu schmeissen, auf diese Weise treffsicher alle noch schlafenden Bewohner der umliegenden Häuser zu wecken und alsdann beschwingt und laut redend das Gerüst hinabzusteigen und zum zweiten Frühstück nach Spandau oder Grünheide zu fahren, von wo sie erst am nächsten Morgen um 6.30 h oder 7 h voller Tatendrang wieder zurückkehren- pünktlich zum Wecken.

Besonders lästig ist dieser ungebetene Service, wenn man eigentlich erst um 8 h aufstehen müsste und gleich um eine ganze Stunde betrogen wird, die man irrtümlicherweise in den sorgsam errechneten Mindestnachtschlaf einkalkuliert hatte, weil man jeden Abend zu müde oder zu stulle ist, sich an das morgendliche Lärmdesaster zu erinnern und ihm Rechnung zu tragen.

Unter dem Gerüst sammelt sich einstweilen Müll, in meinem Herzen Groll gegen die Arbeiterklasse.

Freundin A. hingegen gerät schon ins Ekstase, wenn sie nur hört, dass irgendwo Bauarbeiter oder Handwerker zugange sind. Wird die Nachbarswohnung für neue, solvente Mieter saniert, so schmiegt sie sich mit dem ganzen Körper und voller Inbrunst an die Wände ihrer Wohnung um möglichst nahe und auf Tuchfühlung mit der malochenden Männlichkeit zu sein. Gentrifizierung ist für sie pure Erotik.

Nicht auszudenken, sie wohnte in meiner Straße und jeden Morgen weckten sie die Geräusche der Arbeiter. Ich bin fast sicher, sie würde sich nackt und bei geöffnetem Fenster ins Bett legen und einen vorbei kletternden Dachdecker bitten sie zuzudecken.

 

 

 

Bild: https://www.flickr.com/photos/abuaiman/12071085003/in/photostream/
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/

16 Kommentare zu “Neue Beiträge sind nicht nur gut für die Statistik, sie verdrängen auch den letzten Beitrag von seiner Pole-Position und sorgen mitunter für bessere Stimmung

  1. Oh ja, so sind sie, die Bauarbeiter. Ich habe letzten Sommer einen zusammengebrüllt, weil er um 7 Uhr Betonplatten in den Container geworfen hat. Ich hatte frei und viel Zeit für Gwaltphantasien.

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  2. So hatte ich mir das ganz weit früher während meiner schüchternen Lehrjahre auch immer vorgestellt: Erst aufwecken (reife willige erfahrene Frauen, mit Krach), dann Kinder machen resp. Sex haben, dann erstmal Kaffeepause. Das realitätsgeschuldet einzige diesbezüglich war mal eine mittelalterliche immerhin Gräfin (mit greisem Gatten), der ich im schlösslichen Treppenhaus den rückwärtigen Reissverschluss „zumachen“ zu helfen von ihr gebeten wurde, während sie die Treppe langsam hinaufschritt. Wahrscheinlich verstand ich damals die Zeichen noch nicht, aber ich zehrte noch Monate davon. Am liebsten und schönsten sind mir, nach nun langen Jahren der Baustellen, die Kaffeepausen.

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    • Eine echte Gräfin mit rückwärtigem Reissverschluss, die die Treppe hinaufschreitet!
      Und Sie haben ihr nicht geholfen?
      Wahrscheinlich träumen Handwerker und Frauen ständig voneinander und keiner weiss es.
      So bleibt es ein Traum, an dem man sich während der Stunden im Büro oder auf dem Gerüst wärmen kann.

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  3. Schön immerhin, dass Handwerker irgendwann damit anfingen, sich Plastiktüten über die Schuhe zu ziehen bevor sie die Wohnung betreten. So entfällt das Hinterherwischen. Der Vorgang des umständlichen Sich-Plastiktüten-über-die Schuhe-Ziehens dürfte allerdings den Erotikfaktor absenken. (Oder wie findet Freundin A. das?)

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  4. Was dem einen sein Handwerker ist dem anderen seine Uniform. Manche fahren sogar auf Russisch ab. Andere auf spanisch oder französisch. Irgendwo hat jeder seine Vorlieben. Grüße an die A. Alles vollkommen normal.

    (Isch muss mal nach dem Blaumann suchen…)

    Ne ernsthaft, bei mir sind es mehr die Texte. Wobei mir vom Text her „Zärtliche Polizisten“ gut (also, ich meine jetzt ein klitze klein wenig „besser“… also nur persönlich) gefallen hat.

    Ups, nicht flasch verstehen. Alles rein platonisch.

    (Wo verflixt ist der Blaumann geblieben? Ernaaaa wo ist min…)

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