Im Hola

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Du kommst nicht drin vor. Ich denke gerade nicht an dich. Nicht ständig, jedenfalls.
Ich lehne das Gefühl ab, das entsteht, wenn mich deine Kälte streift. Oder Gleichgültigkeit. Dein Hadern vielleicht.
Ich frage mich nicht, ob wir uns verloren haben. Es geht nicht immer um alles oder nichts, obwohl es doch immer in Allem enthalten ist, das Alles und das Nichts, und immer auf´s Neue durchschimmert.
Ich wundere mich. Manchmal. Angestrengtes Wundern, wenn es so etwas gibt.
Da glaubt man, wundern wäre etwas Schwebendes, Federleichtes. Kinderleicht sogar. Mit Ah! und Oh! Ich aber wundere mich stirnrunzelnd und schwer und auch ein wenig traurig, nur Tränen vergieße ich nicht. Heute jedenfalls nicht. Sie stören bloß. Auf die Palme bringen sie dich innerlich, irgendeine Verachtung oder einen Ärger schüren sie, so genau weiss ich das nicht. Du vielleicht ebensowenig. Und es spielt auch gar keine Rolle, denn Verdruss und Überdruss hängen schwer an mir, wie regennasse Kleidung und sofort sprudeln die Erinnerungen, auch an diesen Nachmittag (so viel Grün, Juliregen, dampfige Schwüle/ cruel summer) an dem ich unter Tränen und ohne Appetit vor der kleinen Asia-Bude am S-Bahnhof Treptower Park sitze und weder Eierreis noch Gemüse herunter bekomme, so traurig ist mir, so beladen ist mein Herz und nebenan raucht einer Kette und der Rauch wabert über unseren Köpfen umher, in der klammen Luft, dem bleiernen Tag, und trinkt ein Bier nach dem anderen, in Handwerkerpose, den Ellbogen weit abgewinkelt, im Blaumann, so sitzt er hier, jeden Tag, von früh bis spät, mit eingefallenen Wangen, Oberlippenbart und dünnem Haar.
Ich bin dort im Sommerkleid, mit dem Unterfranken, der nicht weiss wie ihm und noch weniger wie mir geschieht, ich weiss es ja selbst nicht, weiss nur, wie traurig ich bin über dieses letzte Gespräch und sein unerwartetes Ende und das Ende überhaupt, nach einem langen Anfang, den wir hatten, so intensiv und klimperleicht.
Den Schlüssel im Zündschloss,

rrrrrrooooaaaaaaaaaaarrrr

warst du verschwunden. Wenige Worte nur, kühl und nasal. Klipp und klar. Verschwunden aus meinem Leben, ohne Bedauern und ohne Wiederkehr. Und ich nahm nicht in Anspruch, was ich mir erbeten hatte: ein paar Tage Aufschub, zum Verstehen, für Fragen. Nicht mehr. Ich nahm sie nicht in Anspruch, die gewährte Frist, wozu auch, deine Worte ließen keinen Zweifel, du liebst mich nicht, nicht mehr oder noch nie, legte die Hände in den Schoß und weinte, schmal wie eine Prinzessin, und schoß ein Foto, das ich dir nie würde zeigen können, nur mir selbst, zu Dokumentationszwecken und zum Unterhalt von  Schmerz und Tränen. Oh, holdes Selbstmitleid.

Ich sitze dort an der S-Bahn vor dem großen Haufen Reis und weine und zittere und der Unterfranke wird erst unsicher, dann ärgerlich. Das hast du dir selbst eingebrockt, soll ich etwa Mitleid mit Dir haben, ausgerechnet ich?
Ja, das sollst du nicht, nein,
mit bebendem Kinn, der Hund zu meinen Füßen, verpasse ich den Bus und erreiche tropfnass die Wohnung, wo ich dir nah genug bin um mich von dir zu entfernen. Auf dem Weg ins Hola, wie man in Frankfurt sagt, dem Ort, an dem ich frei bin und unverwundbar.
Später dann wirst du mir deine Fotos zeigen. Am dritten Tag war der Schmerz einem soldatisch beherrschten Ausdruck gewichen.
Ich wusste nichts von deinen Tränen.

 

 

 

Bild: http://publicdomainreview.org/collections/the-nantucket-sea-serpent-hoax-1937/

 

 

 

 

 

 

2 Kommentare zu “Im Hola

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