Streifendes Licht

Leuchtturm in Blankenese

Bei Gaga Nielsen lese ich von der Nationalen Kohorte und verliebe mich sogleich in dieses Wort, wie ich mich einst in Caracas verliebte, als Wort, als Idee, als Traum (longing) und jahrelang vorgab Botschafterin an diesem fernen Ort werden zu wollen. Botschaften haben, teilen, in die Welt tragen, ganz egal, jemand sein. Das Meer atollklar, lagunengrün, azur, turquoise, (frisch), die Schildkröte mit hellem Bauchpanzer im kühlen Wasser, Verheißung, Zukunft, Leben, nach oben zum Licht. Urzeitlich unbeirrbar.

So geht es mir auch mit anderen Wörtern, die Stimmungen erzeugen oder wecken (wer weiß das schon), vage Gefühle, ein Bild, die Julius-Leber-Brücke in Schöneberg zum Beispiel, die Rote Insel, Gleise, das alte Berlin, ein Kino, die Goltzstraße, wenn ich an die Schlussmacherin via sms denke. Ich selbst am Strand von Kerleven, eine Jugenderinnerung, die ich bereits pflegte, als ich noch sehr jung war. Jeanne Moreau, das müde Lächeln im juvenilen Gesicht, Augenbrauen, wie auf Porzellan gemalt, weiche Lippen, schmale Fesseln, Kontur.
Stimmungen, mein ganzes Leben. Der Leuchtturm, dessen Feuer sich einsam dreht, en passant das Verborgene streift, schemenhaft erhellt, um es sogleich wieder in abgewandtes Vergessen sinken zu lassen. Die Krabbe im Sand, in der Bewegung erstarrt, wie das nächtliche Reh auf der Landstraße im Zauberwald.

Verborgene Existenzen. Klandestines Leben. Geheimnisse, die niemand lüften möchte. Tiefsee des Alltags. Überall Moos.

Planlos nach vorne handeln und klar nach hinten denken. Die Spuren entdecken, die das ziellose Schlendern hervorbringt, mein Weg einer Schneckenspur gleich. Deuten, einordnen, begreifen, hinnehmen. Das vor allem.

Schon wieder Bombenalarm am Jüdischen Museum. Die übergewichtigen Polizeibeamten, die zur Bewachung gefährdeter Bereiche eingeteilt sind, plötzlich ins Licht gestellt, getaucht. Getroffen vom öffentlichen Blitz, harte Schatten. Der Stein unter dem sie ruhten. Das Potenzielle als Tatsächliches, ganz kurz nur. Haltung annehmen, die Welt schaut zu, türloser Abort. Am Abend Zuhause, kaum hebt die Frau den Blick,
Dein Essen steht in der Küche,
Hast du es gehört?
Keine Zeit jetzt, ich schaue gerade fern.

Das geht vorbei. Wieder zurücktreten in den flutlichtumdunkelten Alltag, unter den Stein, in die feuchte Erde, die bemooste Heimeligkeit. Wesen.

Ein veritabler Lichtblick: der relevante Pankreaswert des Hundes liegt bei 30 Irgendwas. (ab 400 wird’s blöd, darunter ist es gut). Mehr als zufrieden, wenn nicht glücklich, jubelnder Festtagseinkauf bei Olmo, italienische Delikatessen im Kreuzberger Herbst. Die Sonne kämpft sich durch den Hochnebel.

 

 

 

Bild: http://photoblog.hildania.de/2008/08/06/leuchtturm-in-blankenese-i/

 

 

 

 

 

4 Kommentare zu “Streifendes Licht

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