Wohlan

Preening_Dodo

Es ist übrigens reiner Egoismus, wenn ich um sterbende Arten trauere. Aussterbende Arten, genau genommen.
Arten gibt es zum Einen sowieso nicht, sie sind eine Erfindung der Biologie, und zum Anderen war das schon immer so: sterben, vergehen, entstehen. Platz für Neues schaffen.
Der Gipfel der Menschlichkeit ist Logik, nicht aber das egoistische Dahinschmelzen über die eigenen Verluste.
Trauern, weil ich etwas nicht missen möchte.

In egomaner Selbstumkreiselung wünsche mir sogar, dass mein Hund wieder gesundet, mein Kiez nicht weiter gentrifiziert wird und der Winter nicht so kalt werden möge.

Wohlan!

 

 

 

 

 

20 Kommentare zu “Wohlan

    • Danke!
      Ich hab heute mit der Station telefoniert. Sie hat letzte Nacht endlich etwas mehr geschlafen. Das Antibiotikum wurde jetzt abgesetzt und nun hoffen wir, dass sie stabil bleibt, weiter isst und zunimmt.

      (Heute Abend ziehen 2 Katzen aus. Das ist das wirklich Traurige dieses Tages…)

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      • huch… Katzen ziehen aus??? wieso das denn????? gut… es geht mich nichts an… also hoffe ich, die katzen ziehen in ein chiques loft mit perektem roomservice und dachgarten oder so…. (aber natürlich lässt mir die frage des warum keine ruhe).
        Wohlan!!! ich finde ihre egomanische Selbstumkreiselung keineswegs egomanisch und möge ihr kiez von der gentrifizierung und das tölchen vom krankheiten befreit werden.

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        • Die Katzen mussten ausziehen, weil die Krankheit des Hundes sämtliche finanziellen Ressourcen verbraucht. Das ist sehr traurig, aber sie haben ein wunderbares Zuhause bei einer Freundin, die die beiden von Anfang an kennt und sich nach dem Tod ihres Katers im Sommer sehr dringend wieder feline Familienmitglieder gewünscht hat. So bleiben die Katzen und ich wenigstens in Kontakt. (trotzdem schluchz).
          Der Pankreaswert des Hundes von heute liegt wieder im Normalbereich, sie erbricht nicht mehr und ich darf sie am Montag aus der Klinik holen. Dem Verdacht auf eine beginnende Pankreasinsuffizienz muss nachgegangen werden. Erstmal aber aufatmen! Ich liebe diesen Hund so sehr…

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  1. In egomaner Selbstumkreiselung wünsche mir sogar, dass mein Hund wieder gesundet, mein Kiez nicht weiter gentrifiziert wird und der Winter nicht so kalt werden möge.

    Das wünsche ich dir auch.

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  2. „Der Gipfel der Menschlichkeit ist Logik, nicht aber das egoistische dahinschmelzen über die eigenen Verluste. Trauern, weil ich etwas nicht missen möchte“

    Du meinst, das sei ein Gegensatz?
    Du meinst, Arten könnten aussterben?
    Du meinst also Zeit sei eine linear fortschreitende Konstante?

    Die Antworten sind ganz logisch „nein“, „ja, doch eigentlich nein“ und nein. Wir könnten jetzt diskutieren.

    Statt dessen: Halt mal an. Die Zeit. Das geht. Ein Augenblick Ruhe.

    Deinen Wünschen schließe ich mich an.

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    • Ein Gegensatz zu was?
      Arten können nicht aussterben, wohl aber das letzte Exemplar von ihnen.
      Oh, und die Zeit! Wenn wir damit anfangen, ob linear oder nicht, dann werden wir nicht mehr fertig.
      Innehalten, da mach ich mit. Ruhe.
      Hoffen.

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      • Der Gegensatz, dieses „nicht aber das“, zwischen Logik und dahinschmelzen ist kein Gegensatz. Ich finde es unlogisch oder vergebens etwas nicht mit ganzem Herzen zu tun.

        Das mit den Arten ist komplizierter. Was sind Arten oder gar „Rassen“? Sind die Menschen vor x1000 Jahren nicht auch lange ausgestorben? Selbst unsere Gesichter sehen anders aus. Können wir da überhaupt von Menschen sprechen? Wir können. Wir tragen alle Gene aller unserer Vorfahren in uns. So gesehen sind sie nicht ausgestorben. Schlauer sind wir übrigens nicht geworden.

        Doch natürlich, der Dodo ist ausgestorben. Ich denke, es gibt keinen Nachfahren. Aber sind wir da so sicher? Ist die einfache Logik „Ende des Astes dieser Art“ wirklich so eindeutig? Was ist, wenn die Dinge alle zusammen hängen würden?

        Und dann ist da ja noch die Zeit.

        Die Zeit? Lassen wir einmal Einstein. Denk mal über die subjektive Zeit nach. Manchmal vergeht sie blitzschnell und dann wieder zäh wie Teer. Die subjektive Zeit ist per Definition individuell.

        Es stellt sich die Frage, ob dann nicht die Zeit des Einen die Zeit des Anderen überholen kann. Natürlich kann die das nicht. Aber wieso? Müsste die Zeit sich nicht dann in Knoten winden, damit Konsistenz gewahrt bleibt?

        Oder ist das einfach der falsche Begriff? Nun, dann nimm eben die Zeit der Entropie und miss sie einmal lokal und dann global. Der Effekt wird identisch. Bei Einstein sowieso. Die Zeit könnte gar in wilden Schleifen laufen, gekringelt sein und aufgedreht. Sie könnte uns nur eindimensional erscheinen. Nahezu Einfrieren kann sie sogar in unserer primitiven Sicht, da am Ereignishorizont eines schwarzen Loches.

        Es ist möglich, dass unsere Wahrnehmung und ein vollkommen falsches oder besser ein sehr pragmatisches Bild der Zeit projiziert. Vielleicht kann man die Dimensionen nicht trennen? Rein logisch könnte es sein, dass Zeit so isoliert, so unabhängig und ewig fließend, gar nicht existiert. Es könnte sein, das Gestern, Morgen und Heute identisch sind.

        Manchmal ist das so. Manchmal sehen wir den Moment. Manchmal haben uns winzige Augenblicke geprägt.

        „Der Fluß floß sanft und leise, es war in der trockenen Jahreszeit, aber seine Stimme klang sonderbar: sie lachte! Sie lachte deutlich. Der Fluß lachte, er lachte hell und klar den alten Fährmann aus. Siddhartha blieb stehen, er beugte sich übers Wasser, um noch besser zu hören, und im still ziehenden Wasser sah er sein Gesicht gespiegelt, und in diesem gespiegelten Gesicht war etwas, das ihn erinnerte, etwas Vergessenes, und da er sich besann, fand er es: dies Gesicht glich einem andern…“

        (aus Siddhartha: eine indische Dichtung, Hermann Hesse)

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