Morgenröte

640px-Noctilucent_clouds_bargerveen

Fluchtmotiv und Fluchtrichtung der Gefangenen sind unbekannt, sagt der Polizeisprecher.
Darüber muss ich wirklich lachen.

Ansonsten sind das eher zähe Tage und Wochen, die meiner Frohnatur (ja, Frohnatur!) ziemlich viel abverlangen und den Menschen um mich herum inzwischen auch, weil meine Mimik einfriert und der Ton scharf wird, der Geduldsfaden reisst und der Regler sich Stück für Stück in Richtung totale Eskalation schiebt, während die Tür der Kapsel sich schließt.

Über den Hund mag ich gerade nicht schreiben, weil sich sowieso alles jeden Tag wieder ändert und ich erst, und auch nur unter der Bedingung, dass sie dann ohne weitere intravenöse Infusionen und Antibiotikum auskommt, am kommenden Montag mit ihrer Entlassung rechnen kann.
Neue Pankreaswerte erwarte ich für morgen, die Eosinophilie bleibt rätselhaft, aber ein Satz hat mich heute wirklich zuversichtlich gestimmt. Auf meine Frage nämlich, ob sie sich große Sorgen machen würde, wenn Töle ihr Hund wäre, sagte die zuständige Internistin:
Nein, so wie es jetzt gerade aussieht nicht.
Ihr entspannter Gesichtsausdruck und das leichte Lächeln um ihre Mundwinkel haben mir sehr, sehr gut getan und es fiel mich plötzlich leicht ihr zu glauben.

Vielleicht ist das noch kein Grund zu feiern, aber es fühlt sich doch ein wenig  an, wie die beginnende Morgenröte.

 

 

Bild: „Noctilucent clouds bargerveen“ von Hrald – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Noctilucent_clouds_bargerveen.jpg#/media/File:Noctilucent_clouds_bargerveen.jpg

 

 

 

 

 

4 Kommentare zu “Morgenröte

  1. Ich tue mir immer schwer mit diesen Situationsberichten, weil man/ich nichts tun kann… und dieses Daumendrücken, ich weiß auch nicht… ich empfinde es als so… oberflächlich (ich spreche ausdrücklich für mich, das ist kein Angriff gegen alle Trostspender).

    Schön, dass es scheint, als würde es dem Hund besser gehen.

    Schön, von Morgenröte zu lesen.

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    • Das verstehe ich.
      Ich freue mich, wenn mir Leute alles Gute wünschen, aber ich kann auch verstehen, wenn man sich nicht in eine lange Kondolenz- oder Gratulationsreihe stellen mag und dann ritualisiert sein Mitgefühl, Glückwünsche oder sonst was überbringen möchte.
      Insofern: do, as you like it, mir ist es recht :)

      Gefällt 1 Person

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