Warten

hochsitz-auf-haenger-foto-bild-102864501

Pas de bruit avec mes adieux
Pas pour nous les moments perdus
En attendant un uncertain au-revoir

 

 

Plötzlich war da dieses Loch unter dem Teppich in das Du und alles andere hinein gerutscht ist.
Und ich steh oben, alleine. Oder unten. Schwer zu sagen.
Was andere Fernbeziehung nennen ist unsere Art zu sein.
Getrennt zusammen. Erfrischend schmerzhaft.
(was wollte ich mit soviel Nähe/ wie könnte ich/ könnte ich?/
peux-tu: veux tu me recevoir sans trop te deranger?)
Erneuerung durch Abstand.  Zurücktreten um sich anschauen zu können.
Vorfreude.

_

Was andere Herbst nennen, nenne ich Hölle.

_

In meiner Straße haben Bauarbeiter ein Gerüst aufgestellt. Dacharbeiten bis Dezember.
Vier Tage Aufbau, drei Tage Ruhen und jetzt der Abbau.
Unverrichteter Dinge.

_

Wie sehr mir der Hund ans Herz gewachsen ist merke ich, wenn ich sie nicht um mich habe.
Mein Tagesablauf ist ganz und gar auf sie abgestimmt. Vier Spaziergänge und zwei Mahlzeiten (in Zukunft sollen es 5 täglich sein, falls sie überhaupt eine Zukunft hat) geben einen Rahmen, der mir jetzt fehlt.

Für morgen erwarte ich den entscheidenden Blutwert. Ist es nur akut oder bereits chronisch?
Gerade ist sie wieder bei der Infusion, das liebeliebe Schätzchen.

_

Draußen im Flur spricht die Nachbarin mit dem Tischler. Früher hat sie im Treppenhaus Tonleitern gesungen.
Jetzt sehe ich sie jeden Tag im tropfnassen Garten mit einem Stecken im Erdreich herumstochern.
Wie der Mann, der im Tiergarten auf den ordnungsgemäßen Abfluss des Wassers durch ein Brückengitter achtet und mit einem Stock jede Verstopfung und jeden Stau durch Laub und Unrat gewissenhaft beseitigt.
Wenn er nicht den Wasserlauf hegt, dann raucht er.

Die Nachbarin hatte Unterleibskrebs, sagt der Nachbar. Jetzt ist sie unglaublich dünn, trägt Turban und ansonsten nur noch Neonkleidung. Ganz so als müsste sie etwas tun um sich wieder sichtbar zu machen, ihr Leben zu beschreien.
Es beschwören, damit es bleibt.
Die erdbraunen Kleider ablegen um sich nicht gleich zu machen, nicht versehentlich verschluckt zu werden. Den Tod blenden.
Ich schließe sie in meine guten Gedanken mit ein.

_

Draußen ist es trübe und das Laub zerfällt.
Der Herbst hat alle Farben und alle Freude weg gewischt.

 

 

 

 

 

 

8 Kommentare zu “Warten

  1. He, da ist doch auch noch die Vorfreude. Herbst und Winter sind prädestiniert zum Kuscheln. Wenn das Laub zerfällt, so wächst es doch auch wieder.

    Ach ja, der erste Absatz, tikerscherk, ich hasse es zu werten, doch einen Augenblick hatte ich an Kafka gedacht. Ich will ja nicht stören, also sage ich einfach nur wow zu diesem Text.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s