Ozeanisch

Mit dem Gesicht nach unten liege ich in dem flachen Bassin, der Boden grün und voller Algen, dunkel ist der Park und still, Wasser läuft in meine Ohren und ich höre Puck, wie er sich biegt vor Lachen, seine Facettenaugen drehen sich im Kreis und ich versuche aufzusteigen, ein Schmetterling, steif  der Rücken, wie eine Scherbe, Puck lacht und die Schwestern stehen auf dem Beckenrand und rufen meinen Namen und lachen und winken und die Kleine springt hinein, der Druck, die Welle schwappt in meine Nase und ich lasse los, ich lasse los, doch die Brüder greifen nach beiden Flügeln, mit spitzen Fingern, sie nicht zu zerstören, ganz vorsichtig, greifen sie nach den Flügeln und ziehen mich rückwärts aus dem Nektar, der rüsselhoch steht; und das Lachen von Puck, sein breiter Mund und die Spiegelaugen schillern in der Nacht.

Die Schwestern lächeln, die blasse Kleine, die Brüder sind irgendwo im Park verschwunden, balancierend, und der Mann auf dem Plakat sieht aus wie M.B. so schön, setzt die Flasche an die Lippen, die grünen, legt den Kopf in den Nacken und es läuft und läuft und läuft die Kehle herunter, ich schlucke, die Zunge klebt am Gaumen und ich gehe zurück zum Bassin kniee auf dem Rand und bücke mich nach vorne, wie Narziss im Flur, und bücke mich ganz grün, wie M.B. und falle und tauche ein in mein zitterndes Gesicht; liege, die Augen geschlossen, bewegungslos brandet die Nacht und das Grün und das Schwarz in meine Ohren.

Im Bett liegt die Kleine neben mir. Der Mann geht an uns vorbei und singt, die Engelmacherin summt dazu und die Messer fallen und fallen herunter, gleißendhell; geschickt duckt sie sich, ich strecke beide Handflächen nach oben und fange sie auf.

Es ist hell, die Engelmacherin reicht mir den Stab, drückt und drückt und ich beisse zu, es schäumt und ich schließe die Augen und es knistert ganz sachte und löst sich auf in Dunkelheit.
Ich schlafe schon, ich schlafe.

Dieser Text ist ein Beitrag zu diesem Projekt, (das zwölfte Wort/ Rausch).

 

 

 

 

 

9 Kommentare zu “Ozeanisch

  1. Kurz, ganz kurz, war ich erstaunt (die Initialen passen, wie die Faust aufs Auge).

    Unabhängig davon erneut ein fantastischer, abstrakter (Traum)Text.

    Sind das eigentlich erdachte oder erträumte Träume?

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  2. Ich liebe das Foto. Ich hab auch oft versucht die Stimmung in einer nächtlichen Stadt einzufangen, aus dem Handgelenk, ohne große Technik. Ein bisschen Einsamkeit unter grellen Staßenlaternen, ein wenig Verheißung auf Geborgenheit aus gelb leuchtenden Fenstern und Leere. Bei dir ist alles da.

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