Matten opfer

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Matten opfer auf dem Autohof. Doch kein Mensch drischt bei diesen Temperaturen seine Fussmatten gegen den vergitterten Kasten. Stattdessen vesuchen die Reisenden die Reste ihrer Obstmahlzeit in die braune Biomülltonne zu werfen ohne sich dabei die Hände zu beschmutzen. Vergeblich: der grifflose Deckel lässt sich nur unter Einsatz der Fingernägel öffnen.
Mancher scheut, keiner verweigert. Brav Brauner.

Die Erinnerung an den Tod des kleinen Wilm verblasst. Wird unwirklich.
(Verblichen, wie das Blau der Hortensien im Spätsommer.)

Kein Netz ist auch ein Segen.
Keine Anrufe, Verabredungen, Verpflichtungen, Aufträge.
Ruhe. Mal wieder den Staub eines Jahres aus den Kleidern klopfen.

Am Morgen finden wir den Aschenbecher auf der Baumhausterrasse leer geräumt. Daneben liegen ein Eichendeckelchen und eine rostrote Kralle. Das Eichhörnchen, das tags zuvor die Hunde schnalzend mit Zweigen beworfen hatte, war zu Besuch.

FEU-ER auf dem Autobahn in Form eines leuchtendroten Kleinwagens, der mehrmals an uns vorbei zieht.
Kannst Du mal aufhören ständig `Feuer´ zu schreien. Ich erschrecke mich jedes Mal, sagt die Goldschmiedin und steuert souverän den Wagen durch die verbrannte Mainebene bei Ochsenfurt.

Eine Baumwanze sirrt nachts in unserem Badezimmer umher. Wie ein außerirdisches Wesen sieht sie aus: der Körper spitz zulaufend, breite Schultern wie ein American-Football- Spieler, dazwischen der kleine Kopf mit den langen, gebogenen Fühlern.
Wir tragen sie nach draußen. Soviel Natur verträgt das Stadtkind nicht.

Der Sonnenstich ist auskuriert, jetzt schwitze ich. Zum ersten Mal seit zwölf Jahren. Es war zuletzt am Lago Maggiore, als mir der Schweiß herunterlief und die Unterwäsche am Leibe klebte. Und wie damals bade ich meine sonst immerkalten Füße freiweillig in einem Kübel mit Eiswasser. Was für ein Sommer!

Und noch ein Eintrag im Buch der persönlichen Rekorde: zum ersten Mal seit 1991 verbringe ich eine Nacht ganz ohne Wärmflasche. Nicht einmal zum Einschlafen lege ich sie mir auf den Bauch. Das fühlt sich beinahe so besonders an, wie der Tag an dem ich aufhörte zu rauchen.

7 Kommentare zu “Matten opfer

  1. Chapeau!!! Ich liebe ihre Textereien! Und nun lese ich vom Tod des kleinen wilm…. Heerjeee wie leid mir das tut…. !!!!
    Wenigstens hat sich der Sonnenstich verabschiedet und Wärmflaschen gibt’s ja dann eh wieder schon bald

    Gefällt 2 Personen

  2. Das freut mich sehr, wertes Schlippsche!

    Ja, der Tod des kleinen Wilm, angefressen von seinem Bruder Shlomo, hat mich wirklich traurig gemacht. Es sah so gut aus und er begann am Vorabend selbständig an den Futternapf im Terrarium zu gehen.
    Wir haben ihn im Garten begraben, gleich neben dem Spatzenkind, das die Bösekatz vor kurzem erwischt hatte.
    Ich befürchte, ich bin einfach nicht gemacht für dieses Fressen-und gefressen-werden.

    Und, ja, der Sonnenstich ist auskuriert, ich freue mich an der neuerlichen Hitze und was die Wärmflasche betrifft, bin ich bereits nach einem Tag schon wieder rückfällig geworden.
    Schöne Grüße auf die Insel!

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    • Die Abenteuer waren eher ganz kleiner Natur.
      Das gefährlichste von allen war die Begegnung mit einer riesigen Spinne, die in einem Mülleimerdeckel ihr Netz gebaut hatte. Das hastige Zufallen-lassen desselben kostete das arme Tier (eine wiedergeborene chinesische Prinzessin) sein Leben. Nun frage ich mich, ob das versehentliche Töten eines Lebewesens einen Abzug auf dem Karmapunktekonto nach sich zieht, oder ob dies als unvermeidbarer Kollateralschaden gewertet werden wird, und falls ja von wem.

      Gefällt 1 Person

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