Wilm & Shlomo

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Die Katze schleppt eine Babymaus an, die ich ihr (nur leicht verletzt) entwinden kann.
Wilhelm nenne ich den Knaben, sollte es ein Mädchen sein, dann Wilma. Am besten nuscheln wir so, dass er oder sie sich immer angesprochen fühlen kann: Wilm.
In der Zooabteilung des Baumarktes kaufen wir Aufzuchtmilch für Katzen und Nagerstreu.
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– In drei Wochen ist sie sowieso tot, sagt der Eine. Und: Wieso eigentlich diese willkürliche Bevorzugung gegenüber Kellerasseln?
– Weil sie Fell haben, weil sie Säugetiere sind, weil ich nicht anders kann.
– Ich weiß doch.

(Und die Asseln, die von draußen herein kommen fege ich zusammen, wenn sie sich zur Kugel zusammengerollt haben, um sich vor den Katzen zu schützen und trage sie ins Freie. Schöne Insekten übrigens, wie winzige Gürteltiere.)

Unser Abschied steht mir bevor und ich bin ungewöhnlich weinerlich.

Zu dem kleinen Wilm hat sich inzwischen noch Shlomo, sein Geschwister gesellt.
Shlomo ist groß und agil, während das kleine Wilm immer schwächer zu werden scheint.
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Du sollst bitte überleben, kleines Wilm, es gibt noch so viel Hirse zu nagen!

Falls es die Nacht schafft, bringen wir es auf einen Gnadenhof oder suchen das Mäusenest aus dem es geraubt wurde.
Und dann endlich setze ich mich ins Auto und fahre gen Süden.

25 Kommentare zu “Wilm & Shlomo

  1. „ich habe einen spatz gefunden, der aus dem nest gefallen ist. jetzt ist er gerade eingeschlafen. ich habe ihm ein nest gebaut und er hat sogar etwas gefressen.
    armer spatz. hast keine chance. um diese zeit fallen viele vögel aus dem nest und gewöhnlich sterben sie unbemerkt. man nennt das wohl die natürliche auslese. es gibt schon prachtvolle fachausdrücke!

    jetzt versucht er sich selbst zu wärmen. oh sülzwilli! ist nicht das erste küken, das du durch bringst. auch nicht das letzte, dass sterben will. geh ins bett, junge! der spatz will auch schlafen.“

    Es ist mir so passiert.

    Ich kann Dich gut verstehen. mick

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    • Es ist schwer auszuhalten, wenn man es sich s sehr wünscht und alles dafür tut und es dann doch nicht klappt.
      In meinem Falle scheint es sich zum Guten zu fügen. Beide Mäuse sind wohlauf, das Wilm ist noch etwa wacklig, putzt sich aber schön, wenn es nach dem Fütten mit der Pipette voller Aufzuchtmilch und Haferbrei ist.

      Danke für Deinen Kommentar. Es ist schön verstanden zu werden, wenn man Tiere pflegt, deretwegen andere den Kammerjäge rufen.

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  2. Wir hatten mal zwo Schweine, Meeriger Natur. Die mussten wir weggeben, komme was wolle (es kam: Ein Kind). Kurz vorm Urlaub war es, und die bessere Hälfte meinte dann, nochmal nach dem Behalten der beiden gucken zu müssen … keine gute Idee, denn das von einem der beiden war nicht Wohl – es ist vor Gram gestorben.

    Seitdem keine felligen Tiere mehr zuhause. Ist besser so.

    Liebe Grüße und (hoffentlich) erholsamer Süden!

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  3. Oh weh, das erinnert mich an Leni (von Leni Riefenstahl), die kleine Ratte, die lange bei mir lebte, immer mit mir Käse frühstückte, meinen halben Schlafsack zu Nistmaterial verarbeitet hat und dann gestorben ist. Im Wald beerdigt unter einem großen Stück Rosenquarz.

    Das klappt hoffentlich alles mit Ihrer kleinen Maus.

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    • Eine Ratte, wie nett!
      Wussten Sie, dass auch Heidi Klum ihr erstes Kind Leni genannt hat?
      Das Traurige an den Hausratten ist , dass sie alle und ausnahmslos an Krebs sterben. Als Nachkommen von Laborraten wurden sie so gezüchtet. Wäre das anders, dann häte ich auch längst ein paar Zuhause.

      Unter einem Stuck Rosenquarz beerdigt zu werden (der Stein repräsentiert nach meinen geringen esoterischen Kenntnissen die Tränene der Maria), ist doch wirklich nobel.

      Danke für die guten Wünsche- sieht so aus, als könne das Wilm übeleben!

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  4. So entzückend Ihr Text und Ihr Bemühen.
    Aber echt nicht nett, dass Schlomo das kleine Wilm erledigt hat.
    (Ich freue mich ja über jede gerettete Maus. Da das Frl. Möchtegernwindhund leidenschaftlich Mäuse fängt und ich es nicht immer verhindern kann, befürchte ich meine Widergeburt als armes Mäuschen)…. örks

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  5. Ich habe mal einem Hamster das Leben gerettet – er war im Winter am Hohenzollerdamm in einer Telefonzelle ausgesetzt. Das undankbare Tier hat mir die halbe Wohnung zerlegt und in der anderen Hälfte Bunker angelegt. Er starb zwei Jahre später als Helmut Kohl Bundeskanzler wurde. In einer solchen Welt wollte er nicht mehr leben.

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      • und falls Sie mal wieder ein Netzchen haben und der Sonnenstich sich getrollt hat, dann könnten Sie feststellen, dass ich Sie nominiert habe – ja nominieren musste – für den „Liebster-Award“
        (und falls Sie sowas nervig finden…. ja…. schon…. aber manchmal auch nett)

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        • Gar nicht nervig, nein! Vielen Dank für die Nominierung über die ich mich gerade von Ihnen wirklich sehr freue.
          Werde mich demnächst mit neuer Kraft den Fragen widmen. Bis dahin genieße ich noch das schwache Netz und die ohrenbetäubende Stille, die mir als Städterin eine echte Herausforderung und zugleich beruhigender Balsam ist.
          Schöne Grüße auf die Insel!

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  6. Asseln sind allerdings keine Insekten sondern Höhere Krebse, sozusagen die nächsten landlebenden Verwandten von Krabben, Hummer, Garnelen usw. Obwohl sie im Unterschied zu diesen für gewöhnlich nicht dem menschlichen Verzehr zugeführt werden – was wiederum auf Mäuse ebenfalls zutrifft ; )
    Gutes Gedeihen dem kleinen Tierchen.

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    • Ach, Sie haben ja Recht. Vielen Dank für Ihren Kommentar!
      Wegen dieses Fehlers, bzw. diese ignoranten und beinahe himmelschreienden Ungenauigkeit meinerseits bekam ich tatsächlich sogar schon Post aus Amerika (Nord). Ein Lehrerssohn und Architektenenkel wies mich ebenso auf meinen Fehler hin.
      Eigentlich (so fangen oft die interessantesten Sätze an) wusste ich sogar, dass Asseln zu den Krebsen gehören, dachte aber ich könne das unbemerkt hinten runter fallen lassen, weil es nur vom Kernthema des Beitrages ablenkt und weil ich im Alltag so ziemlich alles, was klein ist und krabbelt der Einfachheit halber (und wider besseres Halbwissen) Insekt nenne.

      Das kleine Wilm ist leider verstorben. Gemeuchelt von seinem Bruder lag es morgens im Stroh. Shlomo hingegen haben wir im begrünten Innenhof ausgesetzt und ihm noch eine Ladung Futter ins Gebüsch gekippt. Was er nicht frisst holen sich dann die Asseln.

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