Privatoffenbarung

Tausendmal daran vorbei gegangen und heute zum ersten Mal gesehen:
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diese zerknirscht lächelnde Stufe, die sich irgendwo in meiner Nachbarschaft befindet.

Litte ich unter Schizophrenie, so lese ich, nennte man das Erkennen von Vertrautem in rein zufälligen Mustern nicht Pareidolie, sondern Apophänie.
Etwas ähnliches sind auch Marienerscheinungen (Privatoffenbarungen). Ihnen wird allerdings, je nach Glaubwürdigkeit, von der römisch-katholischen Kirche, gemäß der 1978 von der vatikanischen Glaubenskongregation festgelegten Normen, die Übernatürlichkeit zuerkannt oder abgesprochen (Constat de supernaturalitate).
Mit meiner Pareidolie Privatoffenbarung wird man sich in Rom wohl erst dann beschäftigen, wenn ich behaupte, dass Maria hier in Kreuzberg wie eine Bordsteinschwalbe jeden über sich rüberlässt, dabei aus zahnlosem Munde grinst und dem Gesichtsausdruck nach zu urteilen ganz offenkundig unter Drogen steht.

Bei näherem Hinsehen fiel mir übrigens auch noch auf, dass man das Haus nicht nur über diese besondere Stufe erreicht, sondern zusätzlich noch ein Berliner Schloss öffnen muss, wenn man eintreten möchte.

Ein Tag voller Wunder!

17 Kommentare zu “Privatoffenbarung

    • Soweiso ein wunderbares Haus. Die Bewohner haben es vor Jahrzehnten, als Kreuzberg noch nix kostete, gekauft, es aus eigener Kraft saniert und leben nun friedlich darin, in bester Kiezlage.
      Das Tollste: die Einen haben ihr Geld dafür eingesetzt, die Anderen ihr handwerkliches Geschick, jeder was er hatte und konnte. Sowas gefällt mir.

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  1. Neulich erspähte ich in der Baumkrone vor meinem Fenster ein grimmiges Gesicht – ich war so verblüfft, dass ich das mehrfach fotografierte, und mir extra die genaue Position merkte. Auf dem PC-Monitor aber war’s weg und trotz intensiven Suchens nicht zu rekonstruieren. Da lobe ich mir doch Deine Offenbarung aus Stein über die Generationen oller BerlinerInnen drüber latschen müssen ehe die Stufe nix mehr zu lächeln hat…

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    • Das ist ja beinahe unheimlich. Und Du hast es nie wieder gesehen? War es ein Menschengesicht?

      Ja, da lobe ich mir auch die geduldig lächelnde Stufe, die alles erträgt und niemals klagt und zuverlässig da ist, wann immer man sie ansehen möchte.

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      • Ein kantiges Männergesicht. Die Fotos sind ja noch im Rechner, vielleicht schaue ich bei Gelegenheit nochmal mit etwas Abstand. Vor Jahren hing am Gerüst vorm Küchenfenster der leidende Christus himself, ein damals allmorgendlich wirklich schockierendes Bild, das sich in mein Leben einfach nicht einfügen wollte. Irgendwann hatten Wind und Wetter es bis zur Unkenntlichkeit entstellt, und nach beendeter Fassadensanierung war dann Schluss. Muss das Foto mal rauskramen und schauen, was es jetzt mit mir macht…

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    • Das könnte durchaus sein. Wobei genau dieses Haus eines der wenigen ist, das von der Gentrifizierung verschont bleiben wird, weil die Bewohner ein Eigentümerkollektiv sind.
      Vielleicht eine empathische Stufe?

      (Zum Steinerweichen is jut)

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  2. Keine Ahnung, was Du da gesehen hast. Die Stufe ist übrigens kaputt.

    Aber sind die die beiden Tanzenden und die beiden Liegenden unten rechts auf der Tür aufgefallen? Die machen gerade Party beim Lagerfeuer am Strand.

    ;-)

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