Das Spätere als Früheres

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Der Mittvierziger denkt über über den Rückzug in ein Brandenburgisches Dorf nach, das einen Tiernamen trägt.
Dort möchte er in einem Haus mit diversen Nebengebäuden leben (Asbestplatten. Kann man wegmachen), die sich um einen Innenhof gruppieren.
In einem dieser Gelasse will er eine seltene Katzenrasse züchten.

Morgens, noch vor der Arbeit, wird er sich um den Wurf und die laktierende Mutterkatze kümmern, jedes Tier wiegen und die Katzentoiletten reinigen.
Abends, wenn er nach Hause zurück kehrt, wird er sie noch einmal säubern, die Katzen füttern, kraulen und nach dem Rechten sehen.

Anschließend lässt er eine Maschine Wäsche durchlaufen, kocht Nudeln, macht die Bolognese vom Vortag warm und raspelt sich Parmesan darüber. Während des Essen schaut er in den Rechner. Was so passiert ist in der Welt. Manchmal hat er noch Lust einen Film zu gucken oder ein wenig zu schreiben. Meist ist er zu müde dafür.

Am Wochenende macht er den Großeinkauf bei Kaufland, fährt wegen der Hanfschnur beim Baumarkt vorbei, putzt später das Haus, bezieht das Bett frisch und repariert den tropfenden Wasserhahn.
Wenn es warm genug ist dürfen die Kitten zum Spielen in den abgeschlossenen Innenhof.

Für soziale Kontakte bleibt keine Zeit. Davon gab es genug in Berlin.

 

Bild: Wikipedia, gemeinfrei

23 Kommentare zu “Das Spätere als Früheres

      • In der Traurigkeit des Rückzugs und dem Abschlotten von Kontakten schwingt in dem Text dennoch eine schöne Hoffnung mit. Vielleicht auf inneren Frieden oder was andres Fremdes.

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          • Bei so Texten denke ich immer an Rainald Grebes Lied „Zivilisationsmüdigkeit“ und es schleicht sich ein Lächeln ein.
            Resignation ist zeitweise auch okay. Finde ich.

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            • Zivilisationsmüdigkeit wäre ein gutes Motiv für den Rückzug.
              In diesem Falle glaube ich eher an Midlife Crisis und die Flucht vor dem eigenen Leben.
              Aber Du hast Recht, Resignation muss nichts Schlechtes sein. Die Waffen zu strecken, wenn ein Kampf verloren ist, ist beinahe schon weise.

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                • Je älter ich werde umso weniger glaube ich daran, Kämpfe gewinnen zu können. Man trägt sie aus, man arbeitet sich ab und man geht aus ihnen hervor. Gestärkt oder geschwächt, in jedem Falle verändert (wie eigentlich aus Allem, was wir tun oder unterlassen).
                  Mir erscheint der Entschluss eines Stadtmenschen, der niemals auch nur 3 Tage auf dem Land verbracht hat, in die Brandenburgische Pampa zu ziehen als traumtänzerische Flucht. Into the wild, sozusagen. Das Dorfleben und insbesondere die soziale Kontrolle passen mit der Freiheit, die man sich erhofft nicht unbedingt zusammen.
                  Da kann man ganz schnell wunderlich und sehr sehr einsam werden.
                  Ich hoffe, dass er die Kurve kriegt und sich auch (wieder) den Menschen zuwenden kann, denn ich glaube daran, dass wir vor allem durch die Begegnung mit anderen Menschen zu uns selbst finden.

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  1. als Endvierzigerin fand ich mit dem Liebsten ein kleines altes Haus auf dem Land, das als Ferienhaus dienen sollte.
    Mit jedem Renovierungsschritt und Aufenthalt wurde meine Allergie gegen das Stadtleben größer, das tiefe Seufzen ebenso und nun kommt alles ganz anders, als sich das manche(r) so denkt.
    Wir verkaufen das Haus in der Stadt und gehen ganz aufs Land. In lustigster und vergnügtester Resignation und Freude, dem Wahnsinn entronnen zu sein.
    :-)

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    • Das, liebe Meertau, ist aus meiner Sicht eine ganz andere und eine wirklich schöne Geschichte. Ein Happy End sozusagen.
      Da ziehen zwei Städter in ihr Ferienhaus, an einen Ort, den sie sich zuvor gemeinsam vertraut gemacht haben.
      Die Geschichte des Bekannten hingegen finde ich traurig. Ganz allein, ohne jemals nur einen Tag auf dem Land gelebt zu haben, zieht er in ein Dorf. Exakt auf dem Höhepunkt seiner Midlife Crisis und nach einer Trennung. Die Katzenzucht unterstreicht das Eigenbrötlerische nur noch.
      Ich glaube einfach, wie ich weiter oben schrieb, dass der Mensch in und an sozialen Kontakten wächst und durch sie sich herausschält und er selbst wird.
      Die Abgeschiedenheit des Landlebens kann Paradies aber auch Hölle sein. Freunde von mir habne erlebt, dass vor ihnen ausgespuckt wurde, weil sie nicht rechtzeitig den Gehweg gekehrt hatten.
      Wer auf´s Land zieht und glaubt, dass damit alles gut sei, der wird wahrscheinlich enttäuscht werden. Schneckenhaus halt.

      Danke für Deine tolle Geschichte und viel Erfolg beim Verkauf des Stadthauses!

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