ausschließlich nur

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Von Praxis zu Praxis. Die Nadel im Heuhaufen. Den Weg finden. Wie es mir zum Halse heraus hängt. Und wie es mich in Panik versetzt- warum sollte es immer nur die Anderen treffen?- und wie ich wieder ganz gelassen bin und mir alles so absurd und abwegig erscheint. Man kommt rum, das immerhin. Urban, Charité, Hausärztin (nein, der unqualifizierten Mutmaßung des Charité-Arztes will sie sich nicht anschließen), Zahnarzt, HNO.
Geduldig erdulden.

In der Röntgenpraxis steht ein ausgemergelter Mann vor dem Anmeldetresen.
Gibt es Brustkrebs auch bei Männern?
Manchmal macht Frau Doktor auch bei Männern eine Mammographie, antwortet die Sprechstundenhilfe und schaut dabei auf ihren Monitor.
Also gibt es Brustkrebs bei Männern?
Sie nickt.
Ich stehe hinter der Diskretionslinie und tue, als hätte ich nichts gehört. Plötzlich erscheint mir der raspelkurze Haarschnitt der kurvenreichen Schönheit vor mir wie eine nachwachsende Nebenwirkung.
Kranksein macht krank und lenkt den Blick auf das Kranke, das Versehrte.

Das Leben ist nicht nur Siechtum, aber es endet häufig darin.

Die parapelvine Rucksackzyste, ein Nebenbefund, ist dem Anschein nach gutartig, sagt der Internist. Sicherheitshalber solle ich sie alle 3 Monate schallen lassen.
Je häufiger ich mich untersuchen lasse, umso kränker (am kränksten) scheine ich zu werden.

Auf dem Heimweg prophylaktisch grünen Tee gekauft. Wegen der Antioxidantien und des tipsi-topsi Krebsabwehreffektes. (Nicht mehr lange, dann ziehe ich den Katzen das Fell ab um Rheuma vorzubeugen).

Seinem Schicksal entkommt man nicht, behauptet Neunmalklug und ich frage mich was genau das Schicksal sein soll. Der fehlspritzende Notarzt, oder der reanimierende Feuerwehrmann?
In guten Momenten weiß ich, dass Letzteres stimmt.
Die schlechten Gedanken versuche ich abzuschießen, wie vorbeiziehende Entensilhouetten in der Jahrmarktbude.
Plong!

Und, ermutigende, empiriegestützte Binse: auf Regen folgt doch immer Sonnenschein, falls nicht gerade Apokalypse,
was Bokonon verhüten möge.

18 Kommentare zu “ausschließlich nur

    • Das wird wieder gut, daran glaube ich. Aus irgendeinem Grunde und aus der Erfahrung zahlloser überstandener Katastrophen, halte ich mich noch immer für unzerstörbar.
      Vielleicht bin ich nach allem was war, auch einfach übervorsichtig und gehe wegen Beschwerden zum Arzt, die mich früher nur mit den Schultern hätten zucken lassen.

      Gefällt 3 Personen

  1. Das ist … wuchtig.

    Ich selbst plagte mich jüngst (und plage mich noch) mit den Komplikationen einer Unfall-OP sowie unverhältnismäßig heftiger Krankheit. Da hat man dann schonmal einfach keine Lust mehr und fragt sich, ob krank sein immer noch kranker macht.

    Momentan geht es wieder bergauf (denke ich). Und finde eben gerade in diesem Moment die Bezeichnung sehr bezeichnend … es geht ‚bergauf‘ …

    Ganz schön mühsam, so eine Bergbesteigung …

    Gefällt mir

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