Das gezeichnete Ich

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Zwei Plakate an denen ich seit Tagen vorbeikomme. Und jedes Mal lösen sie eine lange Gedankenkette aus:
Benn, Nationalsozialismus, unwertes Leben etc.

In diesem Zusammenhang möchte ich auf einen der Anwärter für den diesjährigen Grimme-Online-Award (Publikumspreis) hinweisen:

Wer darf leben? In leichter Sprache

Ich habe schon abgestimmt. Vielleicht findet die Leserschaft den Beitrag der Zeit genauso gut und wichtig.

Möglicherweise wird die Präimplantationsdiagnostik in Zukunft den eugenischen Abtreibungen zuvorkommen.
Wie ich das finde, muß ich wahrscheinlich nicht erklären.

4 Kommentare zu “Das gezeichnete Ich

  1. Eugenische Abtreibungen gab es übrigens im sog. Dritten Reich zu Hauf. Die Methode Abtreibung wurde dabei völkisch eingeordnet und bewertet. Sie waren verboten, wenn „reines“ deutsches Blut betroffen war; hingegen GEboten, wenn das Aufwachsen von „Mischlingen“ verhindert werden sollte (als geheim eingestufte Reichsverordnung zur „Zwangsabtreibung bei Fremdarbeiterinnen“ von 1943). Das Mutterkreuz gab es halt nur für reinrassigen Nachwuchs. Die Zwangsabtreibung für Fremdarbeiterinnen ist dabei gewissermaßen der Gegenpol zur Organisation Lebensborn, wobei jeweils dieselbe ideologische Basis wirkte. Alles wurde dem völkischen Diktat unterworfen.
    So kam es zu massiver Gewalt gegen Frauen, die als solche im Rahmen der feministischen Bewegung der 70er Jahre nicht thematisiert worden ist, weil ja die Abtreibung positiv besetztes Kampfthema der Frauenbewegung sein sollte.
    Auch die NachfolgerInnen der Generation Mutterkreuz waren in ihrer Zeit gefangen, hatten ein gezeichnetes Ich – so wie wir.

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  2. Welche Haltung ist es heute, die Menschen dazu bringt ihr zukünftiges Kind, schon lange ehe es sich in der Gebärmutter einnisten darf, auf die Güte und Tadellosigkeit seiner Gene testen zu lassen?
    Wie wird eine Gesellschaft in Zukunft mit Jenen umgehen, die nicht rechtzeitig entdeckt und aussortiert wurden und ihren „Genmüll“ voll entfalten durften? Und was machen Eltern, wenn ihr genetisch gesundes Kind nach einem Einbruch ins winterliche Eis einen Hirnschaden hat? Darf man diese Kinder in Zukunft töten?
    Worin liegen die wesentlichen Unterschiede dieser Ethik zu jener der Nationalsozialisten?

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