Gespräch mit Gott

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Dampfend liegt der Park im Sommerregen.

Eine unergründliche Melodie dringt durch die abgekühlte Luft an mein Ohr. Sphärisch und klar zugleich.
Unter einer kleinen, mit Schlingpflanzen überwucherten Brücke sitzt ein Mann im Schneidersitz und spielt auf seinem Hang.
Beide Augen geschlossen, streichelt und klopft er mit Fingerspitzen und Handballen über die metallene Kuppel des Instrumentes und lauscht mit zur Seite geneigtem Kopf den Klängen, die in das Gewölbe der Brücke aufsteigen, wieder herabsinken um von dort auf die abendlichen Wiesen zu strömen.

Eine hochgewachsene Afrikanerin mit schmalen Hüften und Turban schreitet durch den Regen.
Im Vorbeigehen treffen sich unsere Blicke, ein unsichtbares Lächeln, ich kenne dich.
Von weiter oben höre ich den hellen Tanz eines Violinbogens, irgendwo zupft jemand sachte die Saiten seiner Gitarre.

Der junge Chinese geht langsam über den Weg, versunken in ein stummes Gespräch mit Gott.

Das Wasser hat die Krempe des Hutes aufgeweicht; Regen läuft meine Wange herunter.

6 Kommentare zu “Gespräch mit Gott

    • Es ist nur ein Bild. Ein kurzer Moment in einem verregneten Park voller Töne. Ein Kraftfeld zwischen einer Handvoll Menschen, nur für diesen kurzen Augenblick und nur an diesem Ort. Flüchtig und doch bleibend.
      Etwas, das sich der Sprache entzieht.

      Schön, wenn es Dir gefällt.

      Gefällt 2 Personen

      • Entzieht sich der Sprache? Wirklich? Dann war der Text umsonst?

        Finde ich nicht. Ich kann nicht sicher sein, doch will ich mal dreist und ungefragt versuchen, ein unsichtbares Lächeln zu erwidern.

        Gefällt 1 Person

        • Lieber Joachim, das genau ist doch das Wesen der Poesie, dass sie sich der Sprache entzieht.

          „Der Begriff bezeichnet im übertragenen Sinn ferner eine bestimmte Qualität. So spricht man etwa von der „Poesie eines Moments“ oder einem „poetischen Film“[1] und meint damit in der Regel, dass von dem Bezeichneten eine sich der Sprache entziehende, oder über sie hinausgehende Wirkung ausgeht, etwas Stilles, ähnlich wie von einem Gedicht, das eine sich der Alltagssprache entziehende Wirkung entfaltet.“

          (Quelle: Wikipedia)

          Das unsichtbare, also geahnte und gefühlte Lächeln erwidere ich.
          Es ist Mai, die Sonne scheint.
          :)

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