Too drunk

Mercedes-Benz_W115_front_20080816
Um 1 Uhr nachts verlasse ich den Elfer.
Als ich das Auto aufschließe spricht mich eine Männerstimme an:

Cooles Auto.

Öh, ja.

Nimmste mich mit?

Nee.

Wieso nich?

Kenn dich nich.

Bin schwer in Ordnung.

Nee.

Bitte.

Geht nich.

So´n nich?

Könntest mir was antun.

Too drunk.

Eben.

Ich komm sonst nich in die Stadt.

Du kotzt ins Auto.

So blau bin ich nich.

Aha.

Nur halb. Und nett.

Sicher?

Ja.

Steig ein.

Im Auto legt er direkt seine Hand auf meinen Oberschenkel und lächelt mich aus tiefbraunen Augen an.

Zu betrunken, ja?

Ja.

Wo musst du hin?

Berger Straße, und du?

Geht dich nichts an.

Küssen?

Nein.

Schade.

Geht so.

Beim Aussteigen schreibt er seine Telefonnummer in den Staub auf dem Fahrzeuglack.
Ein knappes Jahr später zieht er nach Frankreich um Ziegen zu züchten.
Gerade habe ich ihn zufällig auf twitter entdeckt. Er lebt wieder in Frankfurt.
Mit Katze.

(Photo: „Mercedes-Benz W115 front 20080816“ von Rudolf Stricker – Eigenes Werk. Lizenziert unter Attribution über Wikimedia Commons – http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Mercedes-Benz_W115_front_20080816.jpg#mediaviewer/File:Mercedes-Benz_W115_front_20080816.jpg)

20 Kommentare zu “Too drunk

  1. Boa ey – ´n Strichacht. Genau so einen hatte ich. Erste Serie. Für 1000 Makk inklusive schwarzer Fahrerbrille. Handeln war nicht und eigentlich wollte ich auch nicht. Die Schönheit mit dem Stern hatte grauselig graue Sitzbezüge, bis ich auf den Trichter kam, daß es nur Schonbezüge waren – die allerdings von Meisterhand aufgebracht, so daß man das wirklich nicht sah. Darunter kam unverbraucht rote Ware zum Vorschein. Das war ein ähnlicher Freudentag wie der erste erfolgreiche TÜV-Termin.

    Weil meine Frau keinen Autosex will und ich auch nicht – weder mit ihr noch mit anderen – war Armlehne vorne Pflicht. Der Umbau auf Lehne kostete mich echten Schweiß, genau wie der erste zerbröselte Zündverteiler. Hab ich geflucht! Und hinter mir meine Frau und die Kinder, weil wir eigentlich nach Bremen wollten. Aber ohne Zündung war auch schlecht und so standen sie eisenhart hinter mir, bis die Maschine wieder lief. Das war der Trip, wo mir bei der Rückfahrt das Kühlwasser einfror und ich auf dem Seitenstreifen betend zu allen Göttern des silbernen Sterns wartete, bis das Knacken in den Schläuchen nachließ.
    Man lernt dazu. Seither sehe ich die ersten Meter immer scheel auf die Temperaturanzeige, ob sich da was tut. Wenn nicht: Rechts raus!

    Das weiße Lenkrad war irgendwann nicht mehr so weiß. Zuviele ölige Hände hatten ihre Spuren in die feinen Risse des Qualitätsplastiks gedrückt und dreckige Finger waren beim /8 der Normalzustand. Auf irgend einer »Reparatur-Testfahrt« stand Benz für 2 Minuten unbeaufsichtigt und danach war der Stern weg. Der Stern! Nachdem ich den Reflex, das Arschloch zu suchen und ihm ein paar aufs Maul zu hauen überwunden hatte, hin zum Mercedeshändler; erstes und einziges Nobelhaus am Platze. Dreckig bis in die Poren, köchelnd vor Wut und auch sonst durchaus unansehnlich stand ich vor dem Tresen: »Der Herr – nun setzen Sie sich erst mal und nehmen Sie einen Kaffee! Unser Werkstatt-Personal wird sich der Sache sofort annehmen!«

    Keiner fasst meine Karre An! Keiner, hört ihr? Das war, glaube ich, das einzige Mal, wo doch jemand Hand an das geheiligte Blech legte. Ich bekam meinen (guten) Kaffee und sah zu, wie Herr Mercedes eigenhändigst einen neuen Stern (die guten alten dünnen) in das passende Loch bosselte. Zwar sah ich vermutlich so aus, wie sich ein Mercedeshändler einen typischen Sternsammler vorstellte, aber ich fuhr die richtige Marke.

    Irgendwann rostete synchron beim zuschweißen des Loches auf der rechten Seite links an der selben Stelle ein anderes Loch auf. Es ging wirklich nicht mehr; die Restaurierung hätte ein Vermögen verschlungen. Beim letzten verzweifelten Aufbäumen beim Schweißer meines Vertrauens stand da ein anderes Auto auf seinem Hof. Auch Benz. Schwarz. Groß. W126 war sein Name und wir wurden allerbeste Freunde. Es war, wie sich bald herausstellte, die beste S-Klasse, die Mercedes jemals gebaut hatte. Der erste hatte 2,8 Liter. Eine sehr gute Maschine, wenn auch nicht vergleichbar mit dem 420.

    Aber das ist eine andere Geschichte.

    /8

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    • Schwarz mit rot- ein Glücksgriff. Du hast Recht getan ihm so zu huldigen! (Bist Du eigentlich mit Benzin im Blut geboren?)
      Wir hatten die Kombi mal bei einer DS, Marseiller Polizeiwagen. Auch so ein Auto… eine Göttin eben.
      Und stell Dir vor: ein / 8 stand auf meiner Schule auf dem Hof. Er war grau, hatte des rote Adlerwappen der Stadt Frankfurt an der Fahrertür und wir durften in der Fahrschul-AG damit auf dem Schulhof herum kurven und dabei sogar rauchen. Unsere Deutschlehrerin war Frau von Plottnitz. Zeiten in denen alles möglich schien.

      Früher habe ich selbst Strene gesammelt und an einer Kette gertragen. Als bei meinem dann das gute Teil fehlte und die Kühlerhaube plötzlich gewölbt aussah wie bei einem VW-Käfer, war ich sehr verärgert.
      Und: Armlehne ist Pflicht!

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      • Also:
        Die neue Kapp –
        Ooookaaaay … Halt‘ Konzerthalle mit viel Beton, neuen Klos, Garderobe, sauber und gross … Nicht mehr die Kapp.

        Der Elfer ist in Sachsenhauseb, Kellerclub quasi, verwinkelt… ganz cool für Konzerte … Kleiner als die alte Kapp aber gut …

        Ja, die reissen das alles ab da,Verbreiterung der Gleise ist glaub auch geplant … Schade … ein Stück meiner Jugend dahin :-)

        Gefällt 1 Person

    • Be young, be foolish but be happy!

      Too drunk to fuck passt, ist mir freilich im Original viel lieber. Nouvelle Vague haben es geschafft so ziemlich jedes Lied weich zu spülen und ihm den Biss oder die Schärfe zu nehmen.

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      • Not that young, probably foolish and not so very happy…
        Das Original ist mir auch lieber, aber ich mag das Gekicher bei Nouvelle Vague, deren Konzept tatsächlich eher limitiert ist. In diesem Sinne: Prost!

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