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Heute geht´s auf´s Land. Genau genommen in den Odenwald.
Die liebe Friederike hat mich gebeten einen Gastbeitrag für ihr wunderbares LandLebenBlog zu schreiben.
Sie hatte von Berliner Bloggern wissen wollen, ob und was sie in Berlin hält. Ob nicht manchmal die Provinz lockt. Ob sie es nicht machen wollen wie sie: abhauen, aufs Land gehen.
Dazu habe ich mich selbst befragt und heraus kam dieser Text:

Berlin, Berlin

Viel Spaß beim Lesen und Stöbern, drüben auf dem Land!

 

Mike hat zu diesem Thema kürzlich ebenso einen Gastbeitrag bei Friederike geschrieben:

Dass ich gehe steht fest

 

(Bild: Wikipedia, Blick auf den Odenwald)

 

Whiteout

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Whiteout

Ununterschiedenes Oben und Unten.
Himmel und Erde, die weisse Wand.
Finis terrae. Unbestimmt, zum Nichts hin..
Welt ohne Übergang. Schattenlos und hell.
Oben ist unten. Hoch ist tief.

„Im Altus ist die Differenz des Anderen aufgehoben:
alter verschwindet im altus.“

Tischgespräche, mon coeur.
Dazu gibt es Rührei mit Brot und Haselnüsse.
Für Dich Kaffee, für mich Salbeitee.

 

 

 

(Bildquelle: Wikipedia, Whiteout)

Die Welten der Anderen (4)

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Es ist wieder soweit. Ich bin durch das Netz flaniert und habe dabei schöne Texte gefunden, die ich sehr gerne mit meiner Leserschaft teilen möchte.
Hier sind sie:

Leise Töne, Anleitung zur Gratwanderung
Das Smartphone und der Straßenverkehr. Immer ganz entspannt bleiben, auch wenn es mal knallt.

Begleitschreiben, Staat und Religion
In diesem Essay skizziert metepsilonema das Verhältnis zwischen Staat und Religion.
Nicht nur interessant vor dem Hintergrund der Islamismusdebatte und dem Ruf nach Verschleierungsverboten.
Der Mensch ist ein metaphysisch bedürftiges Wesen, eine Grenzziehung zwischen Staat und Religion unerlässlich.
Ein langer Text, der etwas Zeit beansprucht, die ich mir sehr gerne genommen habe.

Makulatur, Rückkehr und Stimmen: 1. Erzählung eines Traumes
Ein älterer Text, auf den ich jetzt wieder gestoßen bin und von dem ich genau so begeistert bin, wie beim ersten Lesen. Sehr dicht und präzise geschrieben. Die Spannung steigt und steigt.
Wer so formulieren kann, hat meine ungeteilte Bewunderung.
Fantastisch!

emorfes, Treehoppers- the masters of mimikry
Zum ersten Mal verlinke ich auf eine große Seite, die ausschließlich Fotos zeigt.
Aber die unglaubliche Anpassungsleistung dieser Insekten sich vor Fressfeinden zu schützen und ihre hierfür „entwickelte“, beinahe karnevaleske, Tarntracht, hat mich so nachhaltig beeindruckt, dass ich diesen Beitrag unbedingt teilen muss.
Um es mit Frau crocodylus zu sagen: Überall ist Wunderland, überall ist Leben.

Tapfer im Nirgendwo ist eine von mir ganz besonders geschätzte und regelmäßig besuchte Seite (befindet sich in meiner Blogroll).
Gerd Buurman vom ARTheater „Kunst gegen Bares“ in Köln betreibt dieses Blog (mit Unterbrechungen) seit April 1986 (!)
Wer sich in Zeiten des rasant zunehmenden und immer unverhohlener geäußerten Antizionismus und Antisemitismus abseits vom Mainstream informieren möchte, dem sei diese Seite dringend ans Herz gelegt. Hier gleich zwei Texte von Gerd Buurmann:

Eine Erfindung von links.  Vom Antijudaismus zum Antisemitismus zum Antizionismus.
Verschiedene Namen für das gleiche Phänomen: Judenhass.

„Der Antizionismus wird in Deutschland so fahrlässig unterschätzt wie einst der Antisemitismus. Der Antijudaismus hatte einst mit Luther seinen bedeutendsten deutschsprachigen Unterstützer. Der Antisemitismus hatte in Hitler seinen besten Verbündeten. Heute wütet der Antizionismus. Wie wird sich Deutschland wohl diesmal entscheiden?“

Wer über Israel spricht und in diesem kleinen Land die größte Gefahr für den Weltfrieden sieht, sollte für eine ausgewogene Meinungsbildung bitte erst einmal den oben verlinkten Text lesen. Und diesen gleich hinterher:

Jeder nur einen Stern!
Nicht zu fassen, welche Minderheiten heute einen Stern für sich reklamieren, um sich als Opfer kenntlich zu machen, deren Leidensweg nicht geringer zu bewerten sei als der der Holocaustopfer. Bernd Jacks von der AfD fordert auch für seine vielgeschmähte Partei einen solchen Stern. Geschmackloser geht es eigentlich kaum noch.

Und wo wir gerade bei Minderheiten sind, möchte ich noch auf diesen Beitrag von
Gay West hinweisen: Homosexualität ist falsch!
Die „Angst“ vor Homosexualität scheint manch einem tief in den Knochen zu stecken. Eine Sendung auf KiKa, in der sie thematisiert wurde, und in der ein 11 jähriger Junge sich outete, zog eine Welle der Empörung nach sich: Igittigitt, wie kann man um diese Uhrzeit und ohne Vorwarnung die vor dem Fernseher geparkten Kinder mit solchen Schweinereien überfallen und ihre Eltern damit in derartige Schwulitäten bringen.
Zu jung um schwul zu sein.

voces intimae  Aequilibrium
Das Gleichgewicht der Dinge. Das Große im Kleinen.
Es so lassen wie es ist: in der Schwebe des Lebendigen.
Eine wunderschöne Liebeserklärung. Ach.

Und zum Schluss noch drei Texte über das Ende, den Tod, und damit über das Leben. Geschrieben für das beeindruckende Projekt des Frohmann-Verlages, auf das mich schon Asal aufmerksam gemacht hatte (Vielen Dank, liebe Asal!).

Casino  Der Tod ist nicht.
Hypoglykämie. Unterzuckerung des Gehirns. Und plötzlich ist man an der Grenze zwischen Leben und Tod. Ein Rückblick auf eine lebensbedrohliche Situation und ein sehr lebensbejahendes Resümee. Toll geschrieben.

Erase and Rewind
  Bluten

„Erst hieß es: Das sieht nicht gut aus. Und dann: Es ist vorbei, wir haben den Tod rausoperiert, alles gut. Und es war für ein paar wenige Wochen auch alles gut, bis die Wunde aufplatzte. Dass der Tod so kommen würde, hätte keiner gedacht.“

Zoë schreibt über das Bluten, das Verbluten. Wie das Leben aus ihr heraus fließt und sie eine Blutspur hinter sich her zieht. Eine „Unannehmlichkeit“, für die sie sich entschuldigt. Bei den Sanitätern, den Ärzten und den Schwestern.
Atemlos habe ich ihren Text gelesen, der mich sehr bewegt zurück gelassen hat.
Es ist alles noch sehr frisch, auch bei mir.

Passe. Par. Tout. The old man´s friend
Einer kommt, der andere geht. Hochbetagt und ganz ruhig ergibt er sich.
Ein leiser, versöhnlicher, ein schöner Text.
So einfach kann das sein: „einfach annehmen und hinnehmen.“

Auf dem Rücken eines Tigers

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Was weiß der Mensch eigentlich von sich selbst! Ja, vermöchte er auch nur sich einmal vollständig, hingelegt wie in einen erleuchteten Glaskasten, zu perzipieren? Verschweigt die Natur ihm nicht das Allermeiste, selbst über seinen Körper, um ihn, abseits von den Windungen der Gedärme, dem raschen Fluß der Blutströme, den verwickelten Fasererzitterungen, in ein stolzes, gauklerisches Bewußtsein zu bannen und einzuschließen! Sie warf den Schlüssel weg: und wehe der verhängnisvollen Neubegier, die durch eine Spalte einmal aus dem Bewußtseinszimmer heraus und hinabzusehen vermöchte, und die jetzt ahnte, daß auf dem Erbarmungslosen, dem Gierigen, dem Unersättlichen, dem Mörderischen der Mensch ruht, in der Gleichgültigkeit seines Nichtwissens, und gleichsam auf dem Rücken eines Tigers in Träumen hängend.

Friedrich Wilhelm Nietzsche,
Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne

Zwänge

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Der Tag an dem ich eigentlich leer ausgehen sollte ist der Tag, an dem die Sonne bereits am frühen Morgen den Nebel aufgelöst und die Welt in ein freundliches Licht getaucht hat.
Keine Schokolinse im Adventskalender, dafür aber große Vorfreude nach beinahe schlafloser Nacht. Immer wieder das Smartphone zur Hand genommen und eine Runde Solitaire gespielt. Stets der gleiche Score. Nur einmal, da muss ich irgend etwas anders gemacht haben, denn die Statistik zeigt für Mitte September eine dreimal so hohe Punktzahl wie gewöhnlich an. Das verstehe mal einer.
Aber um Rekorde geht es ja nicht beim Patiencen legen, sondern, wie der Name nahelegt, um Geduld. Patience eben. Davon habe ich in diesem Jahr derartig viel aufbringen müssen, dass man meinen könnte ich solle mich besser mit Ballerspielen in den Schlaf schunkeln, um wenigstens noch ein wenig Wut loszuwerden und mich so wieder herunter zu dimmen. Ganz falsch. Für mich gibt es in diesem Zustand zwischen Wachsein und Schlaf nichts besseres als Ordnung zu schaffen. Karten aufzunehmen und sie schön der Reihenfolge und Farbe nach auf 4 Stapel zu sortieren.
Ich räume eben einfach gerne auf.

Y. arbeitete in einem Café in Schöneberg. Ein sehr angenehmer, eleganter Laden, in dem ich viele Stunden meines Lebens verbracht habe, nicht zuletzt, weil Y. mir so gut gefiel mit seinen lackschwarzen Haaren, dem kräftigen Kinn, den hellbraunen Augen und der tragenden Stimme.
Jahre später trafen wir uns an einem anderen Ort wieder und saßen bald darauf zusammen in meiner Küche. Er lag mit dem Oberkörper auf der Tischplatte, beide Arme zu mir herüber gestreckt, jede seiner Hände umfasste eine meiner Brüste. So unterhielten wir uns.
Y. erzählte mir, dass ich in seiner Erinnerung die Frau war, die sobald sie im Café Platz genommen hatte anfing aufzuräumen, Salz und Pfeffer nebeneinander zu stellen, die Eiskarte quer statt hochkant, damit sie nicht mein Gegenüber verdeckte, die Speisekarte gerade vor mich hin und an der Tischkante ausgerichtet, den Ascher exakt in die Mitte. Meine Zigaretten, das Zippo und mein Porti legte ich aufeinander gestapelt links neben mich.
Gut beobachtet, dachte ich und genierte mich ein wenig.
Y. und ich verbrachten ein paar Wochen miteinander. Irgendwann hörten wir auf uns anzurufen. Das letzte Mal, als ich ihn sah stand er vor dem alevitischen Gemeindezentrum und unterhielt sich mit anderen Gläubigen. Wir nickten uns zu und lächelten.
Sein Zwang mir mit festem Griff die Brustwarzen umzudrehen, hatte die Beziehung bereits in einem frühen Stadium im Keime erstickt.

Was du willst, das man dir tu, das füg auch einem andern zu

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Manche Blogger erbitten sich eine Spende, um ihre journalistische Arbeit weiter leisten zu können, andere fügen zu diesem Zweck einen flattr button in ihr Blog ein.
Was ich aber gestern zum ersten Mal sah ist, dass die Leser per Klick auf eine
amazon-Wunschliste weiter geleitet werden, um private Wünsche der Autorin oder des Autors zu erfüllen. Schmuck, Bücher, DVDs. Was man eben so braucht.
Da will ich nicht nachstehen.

Hier ist meine persönliche Wunschliste.
Tut mir die Liebe und folgt einem oder mehreren Links und lasst möglichst viel Geld dort!

http://www.welthungerhilfe.de/home.html

http://www.proasyl.de/

http://www.kub-berlin.org/

http://www.nepia-berlin.de/index.php?id=3

http://www.berliner-obdachlosenhilfe.de/

https://www.regenwald.org/

Die Liste ist alles andere als vollständig und kann sehr gerne über die Kommentarfunktion ergänzt werden. Sollte eine der genannten Orgas in irgendeinem schlechten Ruf stehen und die Spende nicht verdienen, lasst es mich bitte wissen.

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(Bildquelle: „200 Euro.Recto.printcode place“ von Robert Kalina – http://www.ibiblio.org/theeuro/paper.s01.htm. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons – http://commons.wikimedia.org/wiki/File:200_Euro.Recto.printcode_place.png#mediaviewer/File:200_Euro.Recto.printcode_place.png)

Schei*endrecken, oder Rechtschaffen wütend

Surgical_stapler_&_cutter_linearDass die Kollegen in der anderen Klinik Murks gemacht haben sieht der Oberarzt auf den ersten Blick. Zuwenig weg geschnitten und das Ganze dann auch noch falsch vernäht und geklammert. Auch die dazu gerufenen Spezialisten nicken. Das muss noch einmal operiert werden, da führt kein Weg dran vorbei. Der Eingriff wird dieses Mal allerdings aufwändiger, eine andere Technik ist vonnöten, die verpfuschte OP hat Narben hinterlassen, die deutlich größere und auch risikoreichere Schnitte erfordern. Wie einschneidend es wirklich ist, wird man erst unter der Narkose sehen.
Eine deutlich längere Verweildauer ist einzuplanen.
Dieses Jahr wird das nichts mehr, aber für Anfang Januar könne ich gleich einen Operationstermin bekommen.

Sehr freundlich, aber da habe ich Geburtstag.

Kein Problem, dann eben in der Woche drauf.

Wäre ich keine Katastrophenchronistin, würde ich jetzt verzweifeln.
So aber fluche ich wie ein Seefahrer und freu mich drauf, wenn´s irgendwann vorbei und überstanden ist.

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(Bild: „Surgical stapler & cutter linear“ von ignis – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons – http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Surgical_stapler_%26_cutter_linear.JPG#mediaviewer/File:Surgical_stapler_%26_cutter_linear.JPG)

Solidarität

Beggars-sleep-near-the-LUKOIL
Vorwärts, und nicht vergessen,

worin uns’re Stärke besteht!
Beim Hungern und beim Essen,
vorwärts und nicht vergessen
die Solidarität!

Bertold Brecht

 

Es ist nicht so, dass ich nichts zu sagen hätte. Ich bin einfach nur unglaublich erschöpft.
Output is gerade nicht viel. Außer bei den und dem Lieblingsmenschen.
Ansonsten hilft nur lesen und ruhen. Nicht soviel quasseln. Zuhören, mir die Weltgeschichte erklären lassen.
Blood, toil, tears, sweat.
Musik: Cello.
Die letzten Monate waren anstrengend genug. Nichts mehr an mich heran lassen was unnötig zehrt oder nervt.
Zum Beispiel dieses Internet. Der alljährliche Verdruss überkommt mich auch heuer.
Kann an der Witterung liegen, an den kurzen Tagen, dem Lichtmangel. Kann aber auch andere Gründe haben.
Jedenfalls habe ich aus meinem Reader mal wieder einige Blogs gelöscht.
Zu banal, zu gehässig, zu kleingeistig, zu antisemitisch, antizionistisch oder israelkritisch, wie sie selbst sich wahrscheinlich nennen würden.
Zuviel warme Luft von zu vielen kaltschnäuzigen oder ignoranten Langweilern.
Kalter Wind von rechts (nein, ich meine nicht Osten, wenn ich rechts sage, oder Süden, wenn ich von unten spreche).
Überhaupt ist es erschreckend, wie sehr die deutsche Bevölkerung, nennen wir sie der Einfachheit halber „das Volk“, das verstehen sie am besten, nach rechts rutscht.
Zack.
HogeSa und Pegida, Seehofer und manche Montagsdemonstranten.
Undsoweiter, undsoweiter.

Schwarzseherisch? Icke? Woher denn!

Aber ich wollte ja eigentlich gar nix schreiben. Nur mal andeuten. Eine Hausnummer nennen, wie ein früherer Vermieter zu sagen pflegte, wenn er über bevorstehende Mieterhöhungen sprach. Die Zahlen waren immer nur eine Hausnummer, nichts Konkretes, zeigten aber schon mal die Richtung an. (Nach oben natürlich, wohin sonst. Hat mal jemand eine Mietsenkung erlebt? Ist irgend jemandem solch  Wunder und Glück widerfahren?)
Was mich direkt zu dem Vermieter führt, dem das Haus gegenüber samt Seitenflügeln und Hinterhaus gehört. Der Mann wurde vor vielen Jahrzehnten in dieses riesige und mächtige Imperium hinein geboren. Als deutscher Fürst lässt er nur Deutsche und auch nur Pärchen in sein Reich einziehen. In jeder Wohnung hat er eine Gegensprechanlage installiert, bei der das Drücken eines bestimmten, mit seinem Namen versehenen, Knopfes direkt in seine Schaltzentrale führt. Auf diese Weise überwacht der greise Souverän seine Untertanen, wenn er nicht gerade dafür Sorge trägt, dass die Pozilei den vor seinem Haus Parkenden ein Knöllchen an den Scheibenwischer klemmt, weil die AU schon 1 Tag überfällig ist. So isser. Und er kann es sich leisten, denn er dealt mit einer der wertvollsten Waren im Kiez: Wohnraum.
In diesem Zusammenhang könnte ich mal wieder über Gentrifizierung schwadronieren. Mal erzählen, wie mich das ankotzt, was hier in Berlin und in meinem schönen Kreuzberg passiert. Aber das spare ich mir heute. Weiß ja eh schon jeder und in absehbarer Zeit wird es auch den Bewohnern der weiter außen gelegenen Bezirken an den Kragen gehen. Denen, die jetzt noch glauben, dass das allein ein Problem von Kreuzberg oder Mitte sei.

Dann wäre da noch Weihnachten. Auch darüber mag ich nix lesen oder hören und schon gar nicht schreiben. Reicht schon, wenn es überall blinkt.
Statt darüber nachzudenken, wie man sich zum Fest der Liebe am besten mit weiterem Luxus belastet, könnte man sich ja mal daran erinnern, dass es da draußen viele Menschen gibt, die den lieben langen Tag Hunger haben und frieren, die auf der Straße leben und verzweifelt sind, weil sie wissen, dass sie nie wieder aus der Misere rauskommen werden. Menschen ohne Perspektive und ohne Ansehen.
Gebt denen doch bitte Eure Kohle, die Ihr ansonsten sinnlos für Weihnachtskitsch oder nutzloses Zeug verpulvern würdet, sie brauchen es, sie freuen sich darüber und es ist allemal besser, als das Geld für überflüssigen Krempel aus dem Fenster zu schmeißen! Es fühlt sich auch besser an, glaubt mir.
Oder wenn Ihr schon nichts abgeben wollt, dann tut wenigstens nicht so, als würdet ihr den Geburtstag von Jesus Christus begehen. Dem stünden nämlich sämtliche Haare zu Berge, wenn er mitansehen müsste wie ausgerechnet in seinem Namen und vorgeblich zu seinem Gedenken die Armen in der Welt alleine gelassen werden, während die Wohlhabenden sich gegenseitig noch mehr Pralinen in den Rachen schieben und Milliarden verjubeln, ohne sich auch nur eine Sekunde daran zu erinnern, auf wessen Kosten sie eigentlich leben, geschweige denn diese Menschen, das Fundament ihres unverdienten Reichtums, an ebendiesem teilhaben lassen.

Und hier noch eine kleine Erinnerung für die, die es vergessen haben: Jesus´ Eltern, die heilige Maria und ihr angetrauter Gatte Josef, waren auch obdachlos. Und ihnen wurde Unterschlupf gewährt. Das lernt man bereits als Kind, denn diese ergreifende Szene wird alljährlich vor der großen Beschenkung im Familiengottesdienst beim Krippenspiel zum Besten gegeben. Danach wischt sich die ganze Familie die Tränen der Rührung aus den Augenwinkeln und freut sich bei der Rückkehr in die festlich geschmückte Wohnung gleich doppelt an der Wärme, den bunten Päckchen unterm Weihnachtsbaum und dem Duft der Zimtsterne.

Freue dich, freue dich, oh Christenheit

Wenn ich mir etwas wünschen durfte, dann wäre das Folgendes: drücken Sie bitte  ihrem Kind einen Geldschein in die Hand und gehen Sie zusammen an einen Ort von dem Sie wissen, dass dort Obdachlose übernachten oder tagsüber Zuflucht suchen. Wenn es keine Obdachlosen in Ihrem Ort gibt, dann beschenken Sie das Tierheim oder gehen Sie zur Sparkasse und zahlen Sie Geld für die Welthungerhilfe ein.
Zeigen Sie Ihrem Kind, wie man es richtig macht.
Lehren Sie Ihr Kind Nächstenliebe und Solidarität.

Herzlichen Dank!

 

(Photo credit: Obdachloser in Russland, Wikipedia)