Die Welten der Anderen (4)

800px-Pigeon_wingtips
Es ist wieder soweit. Ich bin durch das Netz flaniert und habe dabei schöne Texte gefunden, die ich sehr gerne mit meiner Leserschaft teilen möchte.
Hier sind sie:

Leise Töne, Anleitung zur Gratwanderung
Das Smartphone und der Straßenverkehr. Immer ganz entspannt bleiben, auch wenn es mal knallt.

Begleitschreiben, Staat und Religion
In diesem Essay skizziert metepsilonema das Verhältnis zwischen Staat und Religion.
Nicht nur interessant vor dem Hintergrund der Islamismusdebatte und dem Ruf nach Verschleierungsverboten.
Der Mensch ist ein metaphysisch bedürftiges Wesen, eine Grenzziehung zwischen Staat und Religion unerlässlich.
Ein langer Text, der etwas Zeit beansprucht, die ich mir sehr gerne genommen habe.

Makulatur, Rückkehr und Stimmen: 1. Erzählung eines Traumes
Ein älterer Text, auf den ich jetzt wieder gestoßen bin und von dem ich genau so begeistert bin, wie beim ersten Lesen. Sehr dicht und präzise geschrieben. Die Spannung steigt und steigt.
Wer so formulieren kann, hat meine ungeteilte Bewunderung.
Fantastisch!

emorfes, Treehoppers- the masters of mimikry
Zum ersten Mal verlinke ich auf eine große Seite, die ausschließlich Fotos zeigt.
Aber die unglaubliche Anpassungsleistung dieser Insekten sich vor Fressfeinden zu schützen und ihre hierfür „entwickelte“, beinahe karnevaleske, Tarntracht, hat mich so nachhaltig beeindruckt, dass ich diesen Beitrag unbedingt teilen muss.
Um es mit Frau crocodylus zu sagen: Überall ist Wunderland, überall ist Leben.

Tapfer im Nirgendwo ist eine von mir ganz besonders geschätzte und regelmäßig besuchte Seite (befindet sich in meiner Blogroll).
Gerd Buurman vom ARTheater „Kunst gegen Bares“ in Köln betreibt dieses Blog (mit Unterbrechungen) seit April 1986 (!)
Wer sich in Zeiten des rasant zunehmenden und immer unverhohlener geäußerten Antizionismus und Antisemitismus abseits vom Mainstream informieren möchte, dem sei diese Seite dringend ans Herz gelegt. Hier gleich zwei Texte von Gerd Buurmann:

Eine Erfindung von links.  Vom Antijudaismus zum Antisemitismus zum Antizionismus.
Verschiedene Namen für das gleiche Phänomen: Judenhass.

„Der Antizionismus wird in Deutschland so fahrlässig unterschätzt wie einst der Antisemitismus. Der Antijudaismus hatte einst mit Luther seinen bedeutendsten deutschsprachigen Unterstützer. Der Antisemitismus hatte in Hitler seinen besten Verbündeten. Heute wütet der Antizionismus. Wie wird sich Deutschland wohl diesmal entscheiden?“

Wer über Israel spricht und in diesem kleinen Land die größte Gefahr für den Weltfrieden sieht, sollte für eine ausgewogene Meinungsbildung bitte erst einmal den oben verlinkten Text lesen. Und diesen gleich hinterher:

Jeder nur einen Stern!
Nicht zu fassen, welche Minderheiten heute einen Stern für sich reklamieren, um sich als Opfer kenntlich zu machen, deren Leidensweg nicht geringer zu bewerten sei als der der Holocaustopfer. Bernd Jacks von der AfD fordert auch für seine vielgeschmähte Partei einen solchen Stern. Geschmackloser geht es eigentlich kaum noch.

Und wo wir gerade bei Minderheiten sind, möchte ich noch auf diesen Beitrag von
Gay West hinweisen: Homosexualität ist falsch!
Die „Angst“ vor Homosexualität scheint manch einem tief in den Knochen zu stecken. Eine Sendung auf KiKa, in der sie thematisiert wurde, und in der ein 11 jähriger Junge sich outete, zog eine Welle der Empörung nach sich: Igittigitt, wie kann man um diese Uhrzeit und ohne Vorwarnung die vor dem Fernseher geparkten Kinder mit solchen Schweinereien überfallen und ihre Eltern damit in derartige Schwulitäten bringen.
Zu jung um schwul zu sein.

voces intimae  Aequilibrium
Das Gleichgewicht der Dinge. Das Große im Kleinen.
Es so lassen wie es ist: in der Schwebe des Lebendigen.
Eine wunderschöne Liebeserklärung. Ach.

Und zum Schluss noch drei Texte über das Ende, den Tod, und damit über das Leben. Geschrieben für das beeindruckende Projekt des Frohmann-Verlages, auf das mich schon Asal aufmerksam gemacht hatte (Vielen Dank, liebe Asal!).

Casino  Der Tod ist nicht.
Hypoglykämie. Unterzuckerung des Gehirns. Und plötzlich ist man an der Grenze zwischen Leben und Tod. Ein Rückblick auf eine lebensbedrohliche Situation und ein sehr lebensbejahendes Resümee. Toll geschrieben.

Erase and Rewind
  Bluten

„Erst hieß es: Das sieht nicht gut aus. Und dann: Es ist vorbei, wir haben den Tod rausoperiert, alles gut. Und es war für ein paar wenige Wochen auch alles gut, bis die Wunde aufplatzte. Dass der Tod so kommen würde, hätte keiner gedacht.“

Zoë schreibt über das Bluten, das Verbluten. Wie das Leben aus ihr heraus fließt und sie eine Blutspur hinter sich her zieht. Eine „Unannehmlichkeit“, für die sie sich entschuldigt. Bei den Sanitätern, den Ärzten und den Schwestern.
Atemlos habe ich ihren Text gelesen, der mich sehr bewegt zurück gelassen hat.
Es ist alles noch sehr frisch, auch bei mir.

Passe. Par. Tout. The old man´s friend
Einer kommt, der andere geht. Hochbetagt und ganz ruhig ergibt er sich.
Ein leiser, versöhnlicher, ein schöner Text.
So einfach kann das sein: „einfach annehmen und hinnehmen.“

14 Kommentare zu “Die Welten der Anderen (4)

    • Gerne.
      Bewundernswerte Formulierkraft. Eine beinahe prähistorische und urgewaltige Erzählung, die bis zum Schluss ohne Menschen auskommt.
      Habe sie gestern zum wiederholten Male gelesen und mich auch an der ungewöhnlichen Interpunktion erfreut, die anzeigt, wie sich eines aus dem anderen ergibt.

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    • Da haben wir ihn:

      Überall ist Wunderland.
      Überall ist Leben.
      Bei meiner Tante im Strumpfband
      Wie irgendwo daneben.
      Überall ist Dunkelheit.
      Kinder werden Väter.
      Fünf Minuten später
      Stirbt sich was für einige Zeit.
      Überall ist Ewigkeit.

      Wenn du einen Schneck behauchst,
      Schrumpft er ins Gehäuse.
      Wenn du ihn in Kognak tauchst,
      Sieht er weiße Mäuse.

      Sehr schön, danke!

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      • Oh, ich sollte Threads auch lesen. Jetzt habe ich schon gedacht, so beim drüberfliegen, im ersten Augenblick, Du fängst an zu dichten. Siehste mal, was ich Dir alles zutraue.

        Ja, sehr schön, danke! Auch für die Links.

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        • Dichten tu ich nur privat, und dann reimt sich Mutter auf Kutter und Stock auf Bock. Das erspare ich der Leserschaft.
          Der Unterfranke, der kann und macht das manchmal. Mit ölverschmierten Fingern ein luftiges Gedicht schreiben. Mit Versmaß und allem drum und dran.
          Ich fühle mich geschmeichelt, dass Du mir das ebenso zutraust.

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      • Ach, ich kann den Mund nicht halten. Mutter auf Kutter und Stock auf Bock ist nicht zwingend so schlecht. So auf die Schnelle fand ich nur das als Beleg (OMG, besser als selbst zu „dichten“…)

        Reisen

        ach, vergeblich das Fahren!
        Spät erst erfahren Sie sich:
        bleiben und stille bewahren
        das sich umgrenzende Ich.

        Na, wer ist das? Rate mal. (Ich hätte wohl daneben getippt).
        http://www.deutschelyrik.de/index.php/reisen.html

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      • Nicht geschummelt? Wow. Und dann noch mit einer plausiblen Begründung. Ich berücksichtige das in Zukunft, wenn ich Dir vom Universum erzähle. Keine Bange, „wenn“ ist eine kausale Bedingung. Ich lerne (sehr langsam). Deshalb und wegen Deiner längeren Linkliste oben

        kannst Du Dir vorstellen, hier stünde noch Text zu Benn. Weil Winter ist, alles sowieso dermaßen dunkel und kalt, während gerade deshalb, sozusagen als Gegensatz, als Protest, ich das einfach nicht zulassen kann, habe ich das gestrichen.

        Wahr bleibt: Benn finde ich … „faszinierend“ …

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