Guadeloupe, oder Ein Jahresrückblick

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Silvester am 17. Juni
, steht auf den Plakaten, die für die alljährliche Jahresendparty am Brandenburger Tor werben, und wie in jedem Jahr entlocken mir die beiden Datumsnennungen für dieses besondere Ereignis ein kleines Lächeln.
Beide Daten spielen übrigens in meinem persönlichen Kalender, beziehungsweise für meine Freizeitplanung keinerlei Rolle: Silvester gibt mir grundsätzlich nichts, und seit der 3. Oktober den 17. Juni als Tag der Deutschen Einheit abgelöst hat, ist letzterer auch nichts mehr, als ein ganz normaler Arbeitstag, sowie der Ort (Location) für die größten Massenbesäufnisse Deutschlands.
Mein persönliches Jahresende wird dieses Jahr bereits am 4. November erreicht sein, wenn der Wind von Norden weht und mit der Kälte die Wärme kommt.
Dann bin ich durch mit 2014, dem Jahr, das mich so durchgeschüttelt hat, wie nur wenige zuvor in meinem Leben.
Mir reicht es. Ich habe genug.
Fing der Januar mit einer kleinen Erkältung an, in deren Verlauf mir die beiden Jahresmotti zufielen, denen ich bis heute treu geblieben bin und auch in Zukunft treu bleiben werde, so verliefen der Februar und März zwar nicht gerade ereignislos, ließen mich aber nicht einmal erahnen was noch auf mich zukommen sollte.
Im April nahm ich einen ganz besonderen und für mich sehr wertvollen Faden auf, der mich schon ein kleines Weilchen begleitet hatte, und begann ihn lose und ohne Vorsatz, aber mit großer Sorgfalt und Vorsicht in meinen Lebensteppich ein zu weben. Den Mai verbrachte ich zwischen Vergangenheit und Gegenwart, brach zur Elbe auf, landete an der Oder, reiste ans Meer und lauschte der Tempelglocke, sprach in die Muschel und horchte auf das Echo. Diese Reisen und Ausflüge setzte ich bis zu einer Operation am 17. Juni (ausgerechnet) fort, die zwar mehrere Stunden dauerte, aber immerhin komplikationslos verlief und mir berauschende Erlebnisse zwischen Propofol und Diazepam bescherte.
Im Juli dann reiste ich ins Allgäu und später nach Franken, wo ich die Nächte mit Nietzsche verbrachte, und meine Wunden im Sommerglück und im Kreise meiner Freunde verheilen ließ.
Im August dann wurde es metaphysisch und physisch zugleich, und im September gingen wir zusammen auf den Dortheenstädtischen Friedhof und wurden beim Betreten mit einem sachten Windstoß empfangen, der das gelbe Laub eines Akazienzweiges auf uns herabwehen ließ, wie Blütenregen. Ich sagte dir welche Musik ihr zu meiner Beerdigung spielen möget, du zeigtest mir die Gräber von Hegel und Fichte. Wir entdeckten kleine Kaninchenfutterstellen unter verholzten Koniferen.
Die Spiegelungen gegen Monatsende zogen einen Eingriff nach sich, dessen schlamperte Durchführung mir die kommenden 2 Wochen zur Hölle machten, bis ich schließlich aus ganz anderem Grunde und völlig überraschend am 5. Oktober zu Boden ging aber glücklicherweise wieder auf die Füße gebracht wurde. Ewiger Dank der Berliner Feuerwehr!
Nun neigt auch dieser Monat sich seinem Ende zu, und die dunkle Zeit beginnt.
Ich bin noch immer schwach und sehr erschöpft, aber auch glücklich und freue mich an dem besonderen Webmuster und der Beschaffenheit meines Lebensteppichs.
Für 2014 habe ich sämtliche Energie verbraucht. Die verbleibende Zeit bis zum Jahreswechsel werde ich im Interim verbringen, von wo ich der geneigten Leserschaft weiter berichten werde.
Das Jahresmotto für 2015 indes, steht schon heute fest. Es wird zugleich die Inschrift auf meinem Grabstein sein. Irgendwann.

Vertragt Euch.

 

24 Kommentare zu “Guadeloupe, oder Ein Jahresrückblick

  1. Dieser Clip ist wunderschön. Gesungen von einem Australier und kopiert von dem Programm „RAGE“ unseres ABCs.

    http://www.abc.net.au/rage/

    Der Himmel über Berlin, so schön in Deinem Foto getroffen, spannt sich über die Erde von Berlin bis nach Australien. Ich hoffe Du möchtest Dich erholen und planst keine Dummheiten.

    Deine Gedanken, immer so schön in Deinem Blog ausgedrückt, sind wichtig.

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    • Lieber Peter,

      danke für Deinen Kommentar und den Link.
      Das Foto habe ich vom Krankenbett im Franziskus-Krankenhaus in der Budapester Straße gemacht. Ein wunderbarer Himmel über einer schönen Stadt.

      Ich freue mich, über Deine freundlichen, warmen Worte. Vielen Dank dafür!

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  2. Nur kurz:

    Was verflixt hast Du da für eine Kamera?
    (Also nicht, dass ich da Ahnung hätte…)

    Und verflixt, Du kannst ja auch noch ganz „anders“ (schreiben).

    Sollte … ah nein, nein – das sollte „nur kurz“ sein. Sorry.

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  3. Die Kamera ist ein ganz simples smartphone von Samsung. Nicht schlecht, oder?
    Und ja, ich kann auch ganz anders schreiben. Wobei… was meinst Du eigentlich damit?

    Niemals entschuldigen für´s Kommentieren. Gerade Du nicht, bitte.

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    • Erstaunlich, was ein Smartphone so kann. Ist allerdings „nur“ ein Bild für’s WEB – doch was für ein Bild!

      Was ich damit meine, dass Du auch anders kannst?

      Es gibt da einen Film „Queckley der Australier“. Mäßige bis schlechte Filme sind so wunderbar plakativ, es fallen Sprüche mit universeller Wahrheit raus, ohne dass es irgend eine Absicht dabei gab. Ich liebe diese Sprüche. Für Dich fällt mir da diese Szene ein:

      Showdown, das Duell. Die Gegner: der absolute Bösewicht, der den Helden als Scharfschützen mit ultra weit treffender Flinte zur Jagd auf Eingeborene einstellte. Der Held rebellierte natürlich und weil das Böse immer sterben muss, das Duell mit dem Colt.

      Der sterbende Böse fragte erstaunt: „wie …“ und der Held meinte, er wüsste nicht viel damit anzufangen (mit dem Colt), doch hätte niemals gesagt, er könne es nicht (so aus dem Gedächtnis).

      Du hast einen Stil. Du hast einen, aus meiner subjektiven Sicht, wunderbaren Stil. Es zeichnet einen guten Schriftsteller aus, dass er auch anders kann.

      Das ist weit weniger ein Lob, als eine allgemeine Feststellung. Sehr schön sieht man das zum Beispiel bei Doris Lessing. Nein, ich vergleiche Dich nicht mit ihr, keep real, das wäre vollkommen sinnfrei. Ich werte nicht oder bemühe mich, nicht zu werten. Doch

      lass Dich niemals von irgend jemandem auf irgend etwas festlegen, ja? Denn Du kannst auch Anders.

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      • Mensch, Joachim! Das ist mal wieder ein sehr großes Kompliment von Dir, über das ich mich ebenso sehr freue.
        Ich glaubte, mit dem „anders“ meintest Du die Tonart des Textes, der getragen ist von Zufriedenheit und Liebe.
        Vielleicht befürchtete ich auch, mein 3 minütiges Ableben könne meine Schreibe auf irgendeine Weise verändert haben, die mir selbst nicht ersichtlich ist.
        Über meinen eigenen Stil weiß ich nichts. Lese ich meine Texte nach Monaten, dann bin ich manchmal wirklich ganz zufrieden mit dem einen oder anderen und wundere mich, wer ihn geschrieben hat, weil ich unterdessen schon wieder viele Schritte weiter geeilt bin in meinem Leben und mich von dem Menschen, der ich war entfernt habe.
        Da Du aber feststellst, dass ich auch anders kann, scheinst Du für gewöhnlich eine Kontinuität, einen bestimmten Stil in meinen Texten auszumachen. Das freut mich.
        Ich werde weiter schreiben und mich dabei von meinem Gefühl leiten lassen. Hoffentlich kommt immer mal wieder etwas überraschendes dabei heraus.
        Schönen Abend Dir!

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    • 2014 ist vorbei, 2015 hat noch nicht angefangen. Die Tage bis dahin verbringe ich im Interim. Also im Nowhereland. Werde rekonvaleszieren, mit den Beinen baumeln und mich mit ausgewählten Menschen umgeben, um mein Glück zu mehren.

      Mittlerweile mag ich den Gesang von Gibb auch gerne. Früher war ich kein Fan derartiger Falsettstimmen.
      Dieses Lied aber ist ohnehin ein besonders schönes. Auch in der Version von Faith no more, wie ich finde.

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  4. Mensch,du legst ein Tempo vor. Ein Jahresrückblick im Oktober für den November und noch keine Spur vom Weihnachtsmarkt. Entschleunigen wäre vielleicht auch ein Motto für dich? Tue dir bitte Ruhe an und denke weniger häufig vom Ende her. Ein fröhlicheres 2015, happy new year, liebe Chronistin.

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