So alive

English: Jellyfish in the New England Aquarium...

Milchig steht der Nebel in den Straßen. Es ist tiefe Nacht.
Eine unbestimmte Ahnung. Ich kann nichts erkennen, bremse ab, blinke und überhole langsam.
Durch das Beifahrerfenster sehe ich einen bärtigen, schwarz gekleideten Mann im Rollstuhl.
Beide Beine hochgelagert, auf dem Schoß ein großer, dampfender Suppentopf.
Ich lasse die Scheibe herunter und spreche ihn an.
Er hat es nicht mehr weit
Ich begleite ihn bis zu seinem Ziel.

Er weiß, dass er lebt.

7 Kommentare zu “So alive

  1. Eigentlich schade, dass hier keine „richtigen“ Kommentare aufschlagen. Dabei habe ich extra gewartet…

    Schön erzählt, ein passendes Bild mit den Quellen (oder auch nicht?), viele Möglichkeiten zu fragen, warum. Da ist etwas, das mit der Aufhebung von Diskriminierung zu tun haben könnte, etwas mit Alutrismus oder auch Heldentum im Kleinen. Etwas Menschlichkeit, vielleicht Zufall, ein Hauch Angst oder Schrecken, Selbstüberwindung, Schuld, Richtig und Falsch oder einfach nur eine andere Sicht.

    Es ist Literatur.

    Was mir dabei auffällt ist, deshalb meine unangebrachte Ausführlichkeit, es war dunkel, ein Bart verdeckte das Gesicht.

    Hast Du ihn gesehen? Sein Gesicht? Die Farbe seiner Augen, vielleicht im Licht einer Laterne? Hast Du gesehen, „das er lebt“? Was ist mit der Frage nach dem, wie er lebt?

    Das ist also eine konkrete Frage nach Deiner Sicht auf Menschen, speziell die Frage nach Deiner Wahrnehmung. Es ist nicht die Frage nach einer Wertung (etwa von Wahrnehmung).

    Du musst aber (wie immer) nicht unbedingt antworten…

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    • Eine verspätete Antwort. War viel los, Du weißt ja…

      Ich sah sein Gesicht im Schein einer Laterne, als ich unmittelbar neben ihm stand. Die Farbe seiner Augen konnte ich nicht erkennen.
      Zuerst einmal `spürte´ich, dass er lebt. Ich ahnte es, als er vor mir auf der Straße fuhr und nicht zu sehen war. Und ich habe mich später immer wieder gefragt, ob sein Wissen um die eigene Existenz und um eine Unversehrbarkeit, die jenseits körperlicher Einschränkung liegt, ihn nicht überhaupt erst für mich erahnbar gemacht haben. Da ist jemand, ich muss nur versuchen ihn zu sehen.
      Als Rollstuhlfahrer dürfte er es gewohnt sein einerseits von vielen angestarrt, also gesehen zu werden, andererseits aber nicht wirklich als Mensch wahrgenommen zu werden. Was sogleich zu der nächsten Frage führt, inwieweit wir andere, die nicht zu unserem engsten Kreis gehören, oder auf den ersten Blick nicht attraktiv erscheinen, überhaupt sehen, bzw. wahrnehmen.

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