Kretins, oder Zurück in Berlin

Hochhaus in Berlin-Gropiusstadt

Hochhaus in Berlin-Gropiusstadt (Photo credit: Wikipedia)

Kaum zurück in Berlin, bringt bereits der erste große Spaziergang mit Töle übelste Verwünschungen mit sich.
Die der ganz schlimmen Sorte, die tourettigen, die, die den Anderen vom Erdboden wegwünschen, mit vorausgehendem, grauenerregendem Schmerzensweg, weswegen an dieser Stelle auf wörtliche Rede verzichtet werden muss.
Ja, das kann ich. Das macht Berlin aus schwerverliebten und frischerholten Rekonvaleszenten. Leuten also, die eigentlich ständig pfeifen oder singen, und tagein tagaus mit Dauerlächeln und nachsichtig, verzeihendem, weltumarmendem Blick durchs Leben taumeln, bis ihnen irgendein bösartiger Idiot aus diesem nicht-enden-wollenden Defilee der Kretins vorsätzlich ein Bein stellt und mit der typischen, dumm-dreisten, bellenden berlinischen Keife noch lachend nachtritt. Typen mit Vergewaltigermentalität.
be like berlin heisst offensichtlich nichts anderes als behave like an asshole.

Berlin, Dein Gesicht hat Acne conglobata.

(Ja, ja, ich weiß: nächste Woche rede ich schon wieder ganz anders)

39 Kommentare zu “Kretins, oder Zurück in Berlin

  1. Ja. Bei meinem letzten Miniaufenthalt hat es mich seit langem mal wieder klein gekriegt. Auf einmal hab ich den Schmutz, den Lärm und die Boshaftigkeit und Aggressivität wieder wahrgenommen. Ein bisschen war ich beruhigt, weil ich mir mein ständig pfeifen oder singen, und tagein tagaus mit Dauerlächeln und nachsichtig, verzeihendem, weltumarmendem Blick durchs Leben taumeln selbst ein bisschen suspekt war.

    Andrerseits. Wie furchtbar. Wie schade. Und wie ätzend für alle Beteiligten. Nagt. Saugt. Verschlingt.

    Nehmen Sie sich mehr Landkleinstadtauszeiten. Nichts dort kann so wichtig sein, als dass man nicht gut für sich sorgen sollte. Und noch dazu haben alle was davon. <3

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    • Mehr Auszeit ist eine fabelhafte Idee.
      Unglaublich, wie schnell das geht: frisch und erholt, mit weich gespülter Seele nach Berlin zurück kommen, und bereits am dritten Tag wieder besudelt sein von Hass und Rücksichtslosigkeit seelenloser Robots.

      „Nagt. Saugt. Verschlingt.“

      Genau das.

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  2. Ich glaubte die letzte Zeit herauszulesen, dass du Berlin doch noch magst. Aber ich sehe, dass du die Stadt doch als sehr grob wahrnimmst bei deiner Rückkehr. Ich möchte auch nicht mehr dorthin, dann lieber ins Ausland, wo die Menschen freundlicher und entspannter sind als fast überall hierzulande.

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    • Berlin und mich verbindet so etwas wie ein Hassliebe, würde ich sagen.
      Immer wenn ich eine Weile an freundlicheren Orten war, ertrage ich die Stadt kaum.
      Nach und nach gewöhne ich mich dann wieder an den Ton, und irgendwann fällt mir gar nicht mehr auf, wie grob es hier zugeht.
      Langsam glaube ich, dass ich hier nie wieder weg komme.

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  3. Das kommt einem manchmal wirklich so vor, das mit den Aggressiven in Berlin. Ich kann mich an dieser Stelle loben, indem ich berichte, dass ich vor ein paar Tagen verhinderte, dass eine etwa 60jährige von einem aggressiven 25jährigen eine aufs Maul bekam. Die Frau hatte wohl einen Dachschaden, sie stellte sich vor Fremde und lächelte sie an. Der Typ wurde sofort aggressiv und es fehlte nicht viel, da wäre er übergriffig geworden. Ich berührte die Frau an der Schulter und drehte sie in meine Richtung, dann lächelte sie mich an und der Typ ging weg. Leider wurde ich sie kaum noch los.

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    • Da lobe ich Dich gleich mal mit.
      Erstaunlich, dass das Lächeln einer 60Jährigen einen 25Jährigen so derart provozieren kann, dass er ihr eine semmeln möchte.
      Da ist doch so ziemlich alles schief gelaufen in seinem Leben.
      Und wer da den Dachschaden hat, steht für mich außer Frage.

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      • Genauer gesagt, stand die Frau erst vor der Freundin des 25Jährigen und guckte sie an. Sie regte sich sofort auf, dann kam ihr Freund dazu. Die waren vermutlich beide auf Drogen. Ich denke in solchen Situationen immer an Breaking Bad, Crystal Meth.

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      • (Poste ich jetzt an der richtigen Stelle?)

        Ich hatte bei der Szene (die in Treptow stattfand) exakt eine bestimmte Szene aus Breaking Bad vor Augen, nämlich die, die am Ende der ersten Staffel spielt, wenn ich das richtig erinnere: Der blöde Tuco bekommt von White den Stoff, testet ihn, und schlägt ohne Grund diesen Knilch tot, der eigentlich auf seiner Seite stand. Der Stoff ist gut, heißt das. Es ist diese für Außenstehende völlig unvermittelte extreme Gewaltanwendung, die in der Serie zeigen soll, wie extrem Christal Meth wirkt.

        Diese Szene hat mich beeindruckt, was ich gar nicht beim Gucken merkte, sondern daran, dass ich seitdem bei solchen Szenen, die ich real mitbekomme oder in der Zeitung lese, an genau diese Szene denke.

        Leider habe ich immer noch nicht den zweiten Teil der fünften Staffel gesehen.

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        • (Richtige Stelle)
          An die von Dir beschriebene Szene erinnere ich mich auch noch gut. Diese unvermittelte Gewalteskalation.Grauenhaft.
          Ich habe nach der vierten Staffel aufgehört, bis dahin aber alle Folgen innerhalb weniger Tage angeschaut.
          Eine Meldung, die mich nachhaltig verfolgt und mir in den Sinn kommt, wenn ich von Übergriffen unter Drogeneinfluss höre, ist die von dem Obdachlosen, dessen Gesicht von einem Mann zerbissen wurde, der unter dem Einfluss von Cloud Nine stand.
          Als mir neulich ein aggressiver Typ auf der Schillingbrücke entgegenstapfte und mich hasserfüllt und seelenlos anstarrte, dachte ich sofort daran.
          Drogen zu benutzen, muss man schon beherrschen.

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    • Sagen wir mal so: Die südlichen Deutschländer erscheinen tatsächlich weniger aggressiv als die Menschen im Norden (wobei ich in Berlin keinerlei schlechte Erfahrungen gemacht habe) und vielleicht macht Bier ja aggressiv und Wein weniger, aber freundlicher sind die Menschen hier keineswegs, eher brummeliger. Vom Ruhrpott bis einschließlich Mittel-/Südhessen kenne ich die meiste Freundlichkeit.

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  4. Jetzt pienzt nicht so rum ihr Berliner.
    Frankfurt wurde von zwei gänzlich unterschiedlichen Schmonzetten zur siebt unfreundlichsten Stadt gewählt.
    http://www.cntraveler.com/daily-traveler/2014/08/the-2014-friendliest-and-unfriendliest-cities-in-the-world_slideshow_7–Frankfurt–Germany_17
    http://www.huffingtonpost.com/smartertravel/10-most-disappointing-des_b_5148382.html

    Das liegt aber nur daran, dass in den Apfelweinkneipen neuerdings freundlich bedient wird.
    Wir sind da früher immer hingegangen um uns veräppeln zu lassen.

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  5. Laß Dir nicht die Laune und den wunderbaren Sommer von solchen Idioten verderben. Und wenn Du eine Stadt-Auszeit brauchst, komm einfach wieder in den Spessart, wir freuen uns immer auf Dich. :)

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    • Mach Dir keine Sorgen. Die Laune ist schon wieder tipsitopsi, was aber mit Berlin so gar nichts zu tun hat.
      Spessart, richtig. Immer denke ich, dass es doch der Odenwald sein müsse. Aber der liegt ja gegenüber, auf der anderen Mainseite. So war das, oder?
      Wenn es mir hier zu bunt wir, sattele ich auf und komme wieder zu Euch.
      Hol schon mal die Blockflöte raus, und halt uns die Bank unter schattigem Apfelbaum frei.
      Schön war´s, so schön!

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  6. Wirklichkeit und Glück sind vielleicht zu starke Begriffe, wenn man sie wesenhaft auffasst, sie reifiziert, wie manche es nennen. Soviel verstehe ich auch als Außenstehender und daher bezweifle ich, dass Verschmelzung von oder vollständige Hinwendung zu was auch immer Wege sind, die Wirklichkeit oder das Glück herbeizuführen.

    Es kann ebenso Grade von Wirklichkeit und Grade von Glück geben, sie lassen sich auch als betonende Akzente von Momenten verstehen; Zustände unseres Bewusstseins oder unserer Seele im ganz areligiösen Sinn.

    Wir können eine Strasse entlang gehen und nichts um uns herum wahrnehmen, weil wir in Gedanken vertieft sind. Diese Gedanken sind dann für uns ‚wirklicher‘ als die Wirklichkeit, die uns umgibt, obwohl deren Vorhandensein nicht bezweifelt wird. Und je nachdem, welche Gedanken es sind, sind wir glücklich oder eben nicht. Unabhängig von dem, was gerade sonst alles wirklich ist und obwohl wir mit nichts verschmolzen oder sonst etwas sind, sondern nur bei unseren eigenen Gedanken und Gefühlen.

    Davon auszugehen, dass keine wirkliche Wirklichkeit und kein ewiges Glück vorhanden ist, die manchmal disparate Vielfältigkeit der eigenen Existenz nicht als zu überwindendes Manko zu betrachten, sondern als Möglichkeit von sehr unterschiedlichen Arten des Glücklichseins zu nutzen, scheint mir die bessere Lebensweise zu sein.
    Ergreifen Sie doch einfach, was der konkrete Augenblick Ihnen ermöglicht. Wenn Sie in dem Moment glücklich sind, dann sind Sie es. Wirklich.

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    • Danke für Ihren ausführlichen Kommentar.
      Aber, sehen Sie, bereits die ersten Zeilen Ihrer Replik zeigen mir, dass Sie tatsächlich nicht verstehen, was ich meine. Wie könnten Sie auch.
      Weder begreife ich Wirklichkeit und Glück wesenhaft, noch glaube ich, „dass Verschmelzung von oder vollständige Hinwendung zu was auch immer Wege sind, die Wirklichkeit oder das Glück herbeizuführen.“
      Dass Glück nicht ewig ist und sein kann ist ebenso mir bewusst, und ich betrachte die „disparate Vielfältigkeit“ meiner Existenz in keiner Weise als Manko. Ganz im Gegenteil.
      Die zwei Welten über die ich schrieb, existieren, gleichzeitig, und machen mich auf ganz unterschiedliche Weisen glücklich.
      Manchmal aber verlangt mir die Gleichzeitigkeit einiges an Kraft ab, und zwingt mich zu einem Spagat, wobwohl ich mich eigentlich lieber entspannt zurück lehnen würde.
      Dies zu erläutern ist mir an dieser Stelle nicht möglich.
      Einen schönen Abend wünsche ich Ihnen.

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