Hase, Zen und hohe Berge

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Großer Mann und kleiner Hase.
Ein gemeinsamer Cappuccino. Blick auf die wolkenverhangenen Alpen. Es regnet.

Was ich seit Tagen für Sandflecken halte sind in Wahrheit Schneefelder. Ende Juli! Das lerne ich. Und noch manch anderes. Sprachliche Feinheiten zum Beispiel.
Einmal heisst es Schrank, Zuhause aber sagt man Schank. Bloß nicht verwechseln. Wie intim der Gebrauch von Dialekt sein kann, wenn er nur en famille gesprochen wird.
Auch Sprache ist Heimat.

In Würzburg waren wir beide eine Zeitlang. Ich vergaß zu fragen in welchen Jahren er dort war. Vielleicht saßen wir sogar an einem Regentag nebeneinander im Café oder leerten gar im Zauberberg einen Humpen Würzburger Hofbräu zu schrammelnder Grungemusike.
Eher nicht.

Zen am Fuße des Frauenlandes

Aber in Berlin, da hätte man sich begegnen können. Irgendwo in Kreuzberg.
Hätte.
Stattdessen im Landgasthof Rubihorn am Fuße der Alpen.
Im Hintergrund deutsche Schlager, die Kellnerin im feschen Dirndl mit rauer Stimme und Allgäuer Slang.
Der Emil, der eigentlich Augustin heisst, so erzählt sie mir am Vortag als mich Gewissensbisse wegen der unterlassenen Rettung im Vorjahr plagen und ich mich nach dem Verbleib des bezaubernden Grauchens erkundige, der Emil also, lebt nun mit einem Beistellpferd auf einer Alm. Den Sommer über. Gottseidank! Ich befürchtete er sei längst verpackt und auf der anderen Seite der Alpen verspeist worden. Antipasti. Nein, das sind anständige Leute. Da hat er es gut.
Ich zweifle keine Sekunde daran.

Unsere Taschen liegen schon im Wagen. Wir sind auf dem Sprung. Abreise in den Odenwald.
Die tödliche Doris zeigt den Hunden noch ein Mal den Wald, die rauschende Iller im hellen Kiesbett und die grasenden, karamellfarbenen Kühe mit den friedlichen Gesichtern und dem kastigen Rumpf.
Es hat sich ordentlich eingeregnet. Zeit zu gehen.
Schön war es. Das machen wir wieder. Hier oder dort.
Der große Mann und der weiße Hase (ein promovierter Doktor!) verlassen den Gasthof.

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Pfiat aich!

6 Kommentare zu “Hase, Zen und hohe Berge

  1. S’hot dir gfalla. Schön. Ich bekomme bei deinen Zeilen Heimweh nach der rauschenden Iller und den ganz sanftschmatzenden Geräuschen der grasenden Rinder und der umständlichen Schwere meines Dialekts, den ich nur noch kann, wenn ich dort bin.

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    • Du kommst aus der Ecke?
      Da beneide ich Dich ja. Eine Kindheit in dieser Gegend, stelle ich mir sehr schön vor.
      Wir wohnten nur wenige Minuten vom Illerursprung entfernt mit fantastischem Blick auf die Berge.
      Die Landschaft macht mich glücklich.

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      • Ja, wenn auch von der anderen Seite des Oberallgäus. Tja, und was Kindheit und Landschaft betrifft: Was für einen selbstverständlich ist, schätzt man oft nicht sehr wert. Meine Kindheit auf Weilern war recht isoliert und die Berge interessierten mich nicht groß. Das tun sie erst seit sehr wenigen Jahren.

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