To whom it may concern

20140712_0910301. Korinther 13

1 Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte die
Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle.

2 Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüßte alle Geheimnisse
und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben,
so daß ich Berge versetzen könnte,
und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts.

3 Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib
verbrennen, und hätte die Liebe nicht, so wäre mir’s nichts nütze.

4 Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht,
die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf,

5 sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre,
sie läßt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu,

6 sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit,
sie freut sich aber an der Wahrheit;

7 sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.

8 Die Liebe hört niemals auf,
wo doch das prophetische Reden aufhören wird
und das Zungenreden aufhören wird
und die Erkenntnis aufhören wird.

9 Denn unser Wissen ist Stückwerk,
und unser prophetisches Reden ist Stückwerk.

10 Wenn aber kommen wird das Vollkommene,
so wird das Stückwerk aufhören.

11 Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind
und dachte wie ein Kind
und war klug wie ein Kind;
als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war.

12 Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild;
dann aber von Angesicht zu Angesicht.
Jetzt erkenne ich stückweise;
dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin.

13 Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei;
aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

22 Kommentare zu “To whom it may concern

  1. Liebe tikerscherk, ich muss an dieser Stelle mal den advocatus diaboli geben. Ein schöner Text, zweifellos. Aber was genau hat er mit uns zu tun? Dass ohne Liebe alles nichts ist? Ja. Klar. Aber wenn ich nicht lieben kann, weil ich z. B. keine Liebe erfahren habe. Wenn ich Gefühle von Wut, Verbitterung, Hass in mir trage, weil mir übel mitgespielt wurde. Wenn ich jemanden einfach nicht lieben kann, weil er nicht nett zu mir war. Einfach wegdrücken, diese Gefühle, und mich zwingen, Liebe zu empfinden? Wie? Ich fürchte, heutzutage ist diese Bibelstelle ein Text für die typische Sonntagspredigt. Anhören, Gut fühlen, Nachhause gehen, Weitermachen wie gehabt. In früheren Jahrhunderten wurden die Menschen damit eingeschüchtert, kleingehalten, daran gehindert, ihre legitimen Interessen wahrzunehmen. Ich greife nur heraus „sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles“. Eben. Wir hier unten haben die Liebe und erdulden alles, damit die gesellschaftlichen Eliten sich schamlos an uns bereichern können. Beste Grüße in den Tiergarten!

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    • Was heißt hier den “Teufels Advokat geben”? Entweder denkst Du wie Du schreibst oder Du tust nur so. Wenn Du so denkst, dann bist Du tatsächlich ein armer Wurm. Wenn Du aber nur so tust und plapperst was alle verbissenen Menschen plappern, dann bist Du auch nicht gerade zu bewundern.

      Nie Liebe zu erfahren, ist ein schreckliches Lot. Aber “nie” stimmt vielleicht auch gar nicht. Vielleicht können wir den “Liebenden” aus irgend einen Grund nicht anerkennen. Goethe hat einmal gesagt, das wir allein das Klima um uns herum bestimmen. Wenn jemand seine Grundeinstellung nicht ändern kann, dann braucht er Hilfe. Tatsächlich ein armer Wurm.

      Da hilft eben doch nur die Liebe. Sage nicht, es gibt sie nicht. Es gibt sie. Wir sind nicht immer fähig sie zu sehen und anzuerkennen. Auch in Berlin habe ich Menschen gesehen die geben “Free Hugs”. Es kostet Überwindung sie anzunehmen, aber dann huscht ein Lächeln über beider Gesichter. Das ist Liebe zum Mitmenschen.

      Wir brauchen keine Menschen im täglichen Leben die den “advocatus diaboli” spielen. Du sprichst von den “gesellschaftlichen Eliten” die uns schamlos ausbeuten, aber zum Ausbeuten gehören immer zwei. Und wir “hier unten” sollten uns gegenseitig als Brüder behandeln und dem Ausbeuter mit Liebe begegnen. Der ewige Hass führt zu nichts.

      “Auge um Auge, Zahn um Zahn” das wollte Jesus mit seiner Bergpredigt alles abschaffen und nicht eine neue Religion gründen die wiederum andere unterdrückt.

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      • Lieber Herr Pethan, womöglich liegen Sie mit ihrer Wurm-Theorie garnicht so falsch. Aus den Weiten der Schöpfung betrachtet sind wir alle kleine, sich windende Würmer, die sich für den Nabel der Welt halten. Meine Frage an die Bibelstelle zielt ja darauf ab, was denn ein (bloßer) Apell zu mehr Liebe eigentlich bewirken kann. (Hier des Teufels Advokat zu geben war übrigens eine kleine rethorische Geste, mit der ich hoffte, die mir unangenehme Rolle des „Spielverderbers“ angesichts der vorangegangenen Kommentare humorvoll abzufedern. Selbstverständlich denke ich was ich schreibe.)

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        • „…was denn ein (bloßer) Appell zu mehr Liebe eigentlich bewirken kann.“

          Dieser Appell ist ein altruistischer Appell an unsere Denkfähigkeit. Liebe kommt also nicht gleich vom Herzen aber kann dort durchaus Wurzeln fassen.

          Vom Instinkt her sind wir uns doch alle „spinnefeind“. Natürliche Liebe empfinden wir doch allemal nur für unser eigenes Blut aber die Aufforderung ist doch, auch unseren Nachbarn als Bruder zu sehen.

          Die Welt des Erdenmenschen ist sehr kompliziert und wir sind dabei Barrieren aufzubauen wo es keine gab. Globalisierung könnte uns alle zu Brüdern machen aber wir spüren, dass dies nur ein Vorwand ist um uns auszunutzen.

          Liebe muss und soll nicht alles dulden, aber sie kann dazu beitragen, dass die Gerechtigkeit wieder hergestellt wird.

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    • Entschuldige, die späte Antwort. Komme eben erst aus dem Tiergarten.
      Ich glaube, ich weiß, was Du sagen willst. Den Text habe ich eingestellt, und dachte dabei nicht an die Liebe zu Gott, sondern an die Liebe zwischen Menschen.
      Wer keine Liebe empfinden kann, weil er vielleicht keine empfangen hat, ist in der Tat ein Mensch, der um vieles gebracht ist.
      Die Liebe duldet und erträgt alles, weil sie sich eben nicht bläht und nichts verlangt. Diese Definition von Liebe würde ich unterschreiben, auch wenn ich weiß, dass wir diesem Ideal nur sehr selten nahe kommen.
      Aber wenn, dann ist es das reine Glück.

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  2. Vers 11 ist seltsam, besonders in diesem Kontext. Wieso sollte man abtun, was kindlich war.

    Also mein Alter ist 1,2,3,4,5,6,7,8…. und so weiter. Denn all diese
    Alter habe ich erlebt und jeden Augenblick als richtig empfunden.

    Also nicht, dass ich keine Fehler gemacht hätte oder nur alles schön war. Trotzdem, ich bin alle meine Alter. Ohne Geschichte wäre ich nichts und Liebe wäre ohne Bedeutung.

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  3. Der Text bringt mir Erinnerungen an meine theologische Frühvergangenheit. Das ist schon ein sehr schöner Absatz, und die Liebe (zumindest im Lehrgebäude, vielleicht nicht so in der Kirchenhistorie) schon eine besonders betonte Eigenheit in der Religion dieses Textes; nicht das andere es nicht hätten.

    Kompliziert ist’s freilich, die darin angesprochenen Aspekte von ‚Liebe‘ von den Aspekten, die mit Herkunftsfamilie (oder gar mit Politik und Untertanentum) zu tun haben, auseinanderzusortieren im Herzen. Mit diesem Sortieren hat man dann ein paar Jährchen gut zu tun, aber dann kann man Paulus wieder lesen und es ist immer noch was dran.

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    • ‚Theologische Frühvergangenheit‘ = 8 Semester in der frühen Biographie. Paulus kann man natürlich immer lesen, und meine Bemerkungen waren nur aus meiner persönlichen Perspektive so hingeschrieben. Da gibt’s ungute Überblendungen der Liebes- und Gottesbegriffe mit familiären Strukturen. Ein weites Feld.

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