Revanche

Vergissmeinicht

Vergissmeinicht (Photo credit: dirrch)

Der Unterfranke erzählt mir von Einem, der einen unglaublichen Hals auf einen Typen schiebt, der ihm das Leben gerettet hat.

Wieso das denn?“ will ich wissen.

Na, genau deswegen.“

Verstehe ich nicht.“

Jetzt stell dich mal nicht so dumm.“

Versteh´ ich nicht, auch wenn ich mich schlau stelle.“

Ist doch klar. Der Eine tut dem Anderen einen riesigen Gefallen, und deswegen hat der Andere jetzt einen Hals.“

Ja, das sagtest Du bereits. Aber wo kommt dieser Hals her?“

Na, weil der Eine jetzt in der Schuld des Anderen steht, und das wird er ihm nicht verzeihen.“

Was gibt es denn da zu verzeihen?“

Du willst das nicht verstehen, oder?“

Doch, unbedingt. Aber ich kapiere das einfach nicht. Ich würde mich freuen, wenn mir jemand das Leben retten würde.“

Schon. Aber ist doch scheiße, wenn du dafür jemandem was schuldest.“

Wie kommst du denn immer auf Schuld oder Schulden?“

Dann ist es halt demütigend.“

Demütigend?“

Logisch. Erst, wenn du dem Anderen auch das Leben gerettet hast, dann seid ihr quitt.“

Aha. Wenn sich aber keine Gelegenheit zum Retten ergibt, muss man seinen Retter ein Leben lang hassen, ja?“

Genau. Das Einzige, was man machen kann, ist, dem Anderen eine Falle zu stellen, und ihn dann auch zu retten. Dann schuldet man ihm nichts mehr, und kann ihn jederzeit töten.“

„Töten? Tolle Idee.“

Ja, oder?“

13 Kommentare zu “Revanche

  1. Also, mir hat mal jemand das Leben gerettet, so richtig, volles Programm. Und ich bin ihm unendlich dankbar. Sag ihm das auch ab und an und er freut sich. Er weiß, dass er was gut hat bei mir, ganz gewaltig sogar. Aber ich hatte nie, zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass das was Unangenehmes ist. Ich kann es nicht mal verstehen.

    Man muss halt annehmen können, einfach so, so wie man auch geben können sollte, einfach so.

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    • @crocodylus

      Erstmal herzlichen Glückwunsch zum Überleben!
      Ich kann auch nicht verstehen, wieso man bei jemandem in der Schuld steht, oder sich schlecht fühlt, weil einem geholfen wurde.

      Man muss halt annehmen können, einfach so, so wie man auch geben können sollte, einfach so.

      Exakt.

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  2. dieser Unterfranke. Obwohl, Recht hat er. Doch man kann es auch anders sehen (umdeuten).

    Wenn Dich jemand gar nicht mag, vielleicht sogar ein Vorgesetzter, so gibt es ein einfaches Mittel. Borge etwas von ihm oder bitte ihn um einen Gefallen. Er wird es, falls Du nicht übertreibst, gegen alle Erwartung tun.

    Denn er wird sich groß fühlen, Dich klein und abhängig sehen und Dich dann anders behandeln. Du bist keine Gefahr mehr für ihn. Natürlich tut der das nicht bewust. Natürlich reicht das nicht. Doch wenn Du wirklich irgendwo nett bist, so von Natur aus, so hast Du meist „gewonnen“. Die Beziehung normalisiert sich.

    Glücklicherweise funktioniert das nicht, wenn Du ein Ar – also ich meine, wenn Du weniger nett bist.

    In jedem Fall arbeitet das Hirn seltsam. Sehr seltsam. Nur beim Unterfranken offensichtlich nicht ;-)

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    • @Joachim

      Du siehst das also auch so, wie der Unterfranke?
      Hab ich das richtig verstanden?
      Geht mir nicht in den Kopf.
      Was ist das für eine aufrechnende Denke?
      Welchen Platz hat denn das Herz bei der ganzen Sache?
      Von Herzen geben, und auch annehmen?

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  3. Kommt vielleicht darauf an, wer einen rettet. Wenn es jemand ist, der zum Aufrechnen neigt, kann ich mir vorstellen, diesem Menschen gegenüber negative Gefühle zu entwickeln. Es gibt dann immer ein Gefühl des Schuldens. Vor allem, wenn der andere das so vermittelt, wenn er die Haltung vertritt, dass der andere auf jeden Fall noch bezahlen muss. Und es kommt darauf an, ob man überhaupt gerettet werden wollte.

    Ich habe gestern dieses Video gesehen, die Betroffenen können zum Thema sicher gut Auskunft geben:

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    • @genova

      Come on!
      Ist doch echt mal vollkommen schnurz, ob ein arroganter Sack, ein aufrechnender Idiot oder ein Priester Dir das Leben rettet.
      Aufrechnen? Auf diese Schulden-Aufrechnerei darf man überhaupt nicht einsteigen.
      Da rettet mich jemand -freiwillig- und darf sich als Held fühlen. Belohnung genug.
      Mein größter Wunsch ist der, einmal als Knochenmarkspenderin in Frage zu kommen, und mir selbst die riesige Freude zu machen ein Leben retten zu dürfen.

      (Ich habe kapiert, dass Du nicht so denkst, sondern nur versuchst Dich in diese Denkweise hinein zu versetzen.)

      Das Video ist beeindruckend, danke.
      Nur die Frau auf der Balkonbrüstung schien ihre Rettung wirklich nicht zu wollen.
      Vielleicht ist sie inzwischen froh darüber.

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  4. „(Ich habe kapiert, dass Du nicht so denkst, sondern nur versuchst Dich in diese Denkweise hinein zu versetzen.)“

    That´s it.

    Man kann es auch politischer sehen. Wir leben in einer Welt, in der Schulden in der Regel finanziell konnotiert sind. Die zahlt man zurück. In einem kapitalistischen System hat selbstloses Handel keinen guten Ruf. Insofern geht der Gerettete nicht von Selbstlosigkeit aus, sondern davon, dass der andere nur in Vorleistung getreten ist.

    Nur ein Versuch der Erklärung. Wir sind ja alle nicht frei von den Einflüssen von Basis und Überbau.

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