Junge Hunde

Lava Ooze

Er liebt mich. Ich liebe ihn nicht.
Das ist traurig, für uns beide.

Bei 36° C im Schatten und 90 % Luftfeuchtigkeit, steht das Leben beinahe still.
Nur die Schlingpflanzen kriechen weiter die Zäune entlang.
Bald schon werden sie alles mit ihrem dunklen Grün erstickt haben.

Am Nachmittag sind wir aufgestanden, jetzt kämpfen wir uns durch die Hitze.
T. spricht. Seine Worte sind zäh wie Lava.
Wir und Wenn. Er bemüht sich.

Ich betrachte seinen Körper. Er ist schön.
Auf der Innenseite der Arme das Delta fingerdicker Adern, die Schultern athletisch, seine Nackenpartie elegant.
Er sieht meinen Blick und lächelt. Ich schaue weg.

Der Geruch von Regen auf staubigem Asphalt.
Der Himmel ist klar. Auf dem Boden bahnt sich ein Rinnsal seinen Weg.

Mit einem Schrei läuft er unter die herabfallende Fontäne des Hydranten und zittert, als das kalte Wasser auf seine Haut trifft.
Er streift das Hemd ab, streckt beide Hände nach oben und schließt die Augen.
Er hat mich vergessen.

Am Abend lege ich mich zu ihm in den Schlafsack. Seine Haut ist kühl.
Jahre später macht er mir einen Heiratsantrag.

 

 

 

 

Foto: Lava Ooze (Photo credit: Perceptions Unlimited)

14 Kommentare zu “Junge Hunde

  1. Sie wissen, mir fehlen meist die Worte. Welches könnte es sein, dass „Sterbender Affe“, „All night long“ und diese Geschichte verbindet? Würde es eher ein Gefühl oder eine Konstellation ausdrücken? Die Konstellation ist naheliegend, aber im Fühlen ist – trotz des stets ganz anderen Gegenüber – immer auch ein Unterton von Mitleid. In einem sehr traurigen, resignierenden Sinn.

    Meine ganz persönliche Meinung: Dieser reduzierte, harte Stil gelingt Ihnen sehr gut.
    Einen entspannten Abend wünsche ich.

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    • Ihnen fehlen meist die Worte? Das ist nun fast schon kokett, werter Sachverständiger.

      Mir fehlen sie tatsächlich gerade.
      Ich muss darüber nachdenken.
      Vielleicht stellen sie sich über Nacht ein.
      Ich werde es Sie wissen lassen.

      Ich freue mich über ihren Zuspruch zum Text.
      Ihn so einzukochen hilft mir Wichtiges von Unwichtigen zu trennen.
      Eine gute Nacht für Sie.

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      • Ihrer Antwort hatte ich jetzt ebenfalls eine Nacht Zeit gegeben, wirklich verstanden habe ich sie trotzdem nicht. Sehen sie das Getrenntsein durch Einsamkeit als menschliche Daseinsform? So sehr wir uns bemühen, wir können sie nicht überwinden, selbst in der intensivsten Weise des Beisammenseins nicht? In der Gleichzeitigkeit von Beisammensein und Abschied schien mir nämlich das verbindende Element zu liegen. Die Einsamkeit in den Geschichten ist dagegen jeweils sehr eigen, sehr persönlich und sehr anders. Aber das können dann natürlich auch konkrete Ausprägungen einer universalen Form sein. Unüberwindbar?

        „Kokett“ war das vielleicht gar nicht. Möglicherweise denke ich, dass meinem Ideenreichtum keine Sprache adäquaten Ausdruck verleihen kann. Man weiß es nicht.

        Danke für den Kaffee heute morgen, den mit „Niewo“. Frisch ans Werk, Ihnen einen schönen Tag.

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        • „Sehen sie das Getrenntsein durch Einsamkeit als menschliche Daseinsform? So sehr wir uns bemühen, wir können sie nicht überwinden, selbst in der intensivsten Weise des Beisammenseins nicht?“

          Darüber habe ich noch nie nachgedacht.
          Ich kann nur für mich sprechen und nicht über die menschliche Daseinsform an sich.
          Die meiste Zeit meines Lebens habe ich mich einsam und getrennt gefühlt. Verloren.
          Überwinden, bzw. durchbrechen konnte ich dieses Gefühl nur selten. Meist war die Einsamkeit als Grundton vorherrschend.
          Inzwischen ist das anders. Die Einsamkeit in ihrer brutalen Nacktheit zeigt sich mir nur noch selten.
          Mit ihr sind auch die Verwzeiflung und die Angst verschwunden, aber ich bin nicht sicher, ob sie nicht irgendwo lauern.

          „In der Gleichzeitigkeit von Beisammensein und Abschied schien mir nämlich das verbindende Element zu liegen.“

          Da liegen Sie richtig. Auch das ist ein verbindendes Element. Die große Überschrift darüber scheint mir dennoch die Einsamkeit zu sein.
          Eine Mutmaßung. Wissen tue ich es nicht.

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      • Wahrscheinlich mein Fehler, aber ich habe Ihre Formulierung allgemein verstanden. Umso mehr, als ich auch die Einsamkeit Ihrer Partner in den Geschichten sehe. In Ihrem Gefühl gespiegelt selbstverständlich, aber doch aus deren eigenen Leben empfunden, wie es mir schien. Insofern begriff ich die „nicht überwindbare Einsamkeit“ in einer Ihren Erfahrungsraum übersteigenden Bedeutung.
        Was sie für mich auch bleibt, unabhängig von Ihrer Antwort, aber das ist dann allein meine Ansicht.

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        • Auch meine Partner waren einsam, das stimmt.
          Mit mir und aus ihrem eigenen Leben heraus.
          Vielleicht habe ich mir solche Partner gewählt, die so wie ich nach einem Ausweg aus der Einsamkeit suchten und in mir eine Komplizin fanden.

          Alle drei haben übrigens eine steile Karriere gemacht.

          Es ist gut möglich, dass die Einsamkeit universell ist.
          Ich weiss es einfach nicht.
          Vielleicht finden jeder die Antwort in sich selbst.

          Gute Nacht.

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  2. Es ist eine wirklich real harte Geschichte.
    Die Seele muss mit solchen Dingen fertig werden. Er liebt sie, sie liebt ihn nicht; er vergisst sie sobald er kaltes Wasser fühlt. Sie findet ihn schön, legt sie sich deshalb zu ihm in den Schlafsack? Sie gönnt sich ja sonst nichts bei der Hitze im kühlen Haus. Er macht ihr Jahre später einen Heiratsantrag, den hätte sie doch damals abgelehnt – sie liebt ihn nicht-……..

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    • Eine traurige Geschichte. Auch für mich.
      Ich hätte ihn gerne auf die gleiche Weise geliebt. Er war mir wichtig.

      „…er vergisst sie sobald er kaltes Wasser fühlt.“

      Er hatte mich vergessen, sobald er bei sich war.
      Und das machte ihn begehrenswert.
      Menschen sind immer dann am interessantesten und am schönsten, wenn sie sie selbst und bei sich sind.
      Dann wird alles ganz leicht.

      Gefällt 1 Person

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